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Dresdner Pianist Wolfgang Torkler spielt im Kleinen Haus

Dresdner Pianist Wolfgang Torkler spielt im Kleinen Haus

Ohne die See wird es nicht gehen. Erst recht nicht, wenn man nach Amerika will. Nach "Unvorhergesehenes", "Land", "Luftjahre" und "Raum" heißt die neue CD des Dresdner Pianisten Wolfgang Torkler "über die See" - vieldeutig genug, doch wie zuletzt hat er es auf Platten nicht so sehr mit Worten.

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Wolfgang Torkler kommt mit seinem fünften Album ins Kleine Haus.

Quelle: Marlén Mieth

Die Stücke, 13 an der Zahl, bekommen wieder nur römische Zahlen. Torkler ist so frei, und frei soll auch der Hörer sein.

Der 49-Jährige ist zum Einspielen seines fünften Solo-Werks in die USA gereist. Eigentlich waren in Boston - wo Torkler 1997 im Rahmen der Meisterklasse am Berklee College mit den Schwerpunkten brasilianische, afrokubanische und Filmmusik studierte - weitere Aufnahmen für eine Trio-CD geplant. Die soll kommen, planmäßig 2015. Zusammen mit Bertram Lehmann (USA, Percussions) und Mehmet Sanlikol (Türkei, Oud/Duduk), werden darauf umarrangierte Stücke der Solo-Arbeiten zu finden sein. Zunächst aber fand Wolfgang Torkler in der Cochran Chapel in Andover/Massachusetts, dem spirituellen Zentrum der Philips Academy, einen inspirierenden Ort für sich allein. Einen, der Klang hat. So klingt "über die See" nach Volumen, Holz und Atmosphäre, was das Nachbereiten von Wolfgang Fiedler in seiner Wirkung keinesfalls schmälern soll. Im Gegenteil. Diese CD ist ein rein akustisch-sinnlicher Genuss!

Auch im Ansinnen, sein Material reich an Details zu belassen und trotzdem zu einer komplexen Einheit zu formen, ist der umtriebige Projektkünstler Wolfgang Torkler als Klavier-Solist wieder einen Schritt weiter gekommen. Das Ungestüme ist noch weiter weggerückt im Vergleich zu den ersten Platten und einigen seiner Band-Projekte, was der lyrischen Grundspannung noch einmal zuträglich ist. Wie sagte er im DNN-Gespräch 2009? "Es ist eine besondere Herausforderung, den Mut zu haben, sehr sparsam zu spielen - Ich glaube, dass es einfach zu unserer Zeit gehört, die Unterschiede nur dann erkennen zu können, wenn man sich genauer mit der Musik befasst." Torkler sucht den besonderen Ton, den eigenen, die Melodie, die für ihn steht, den Bogen, den Haken. Er hat das alles wieder ein wenig mehr gefunden. Als Momentaufnahme.

Wenn Wolfgang Torkler am Sonntag im Kleinen Haus spielt, wird er - unbewusst und ungefragt - dem Publikum und auch anderen Pianisten die Chance geben, Kontakt mit ihnen aufzunehmen. Torkler hat seinen Namen weg in der Stadt, durchaus im guten Sinne, Martin Kohlstedt oder Carlos Cipa mit ihren Mittzwanziger Lebensjahren hatten dazu noch keine Gelegenheit. Die kommt aber. Bald. Denn beide spielen in den nächsten Wochen in Dresden. Kohlstedt, der Thüringer, debütiert mit seinen beiden CDs "Tag" (2012) und "Nacht" (2014), die beides klassische Klavieralben sind, was meint: Entgegen der Trends vergleichbarer Kollegen arbeitet Kohlstedt am unpräparierten Instrument. Ideen zu Remixen oder anderen Spiel- und Tonarten verlegt er in Projekte oder die Hände von Kollegen.

Ähnliches forciert auch Carlos Cipa aus München. Dessen zweites Album "All Your Life You Walk" (Denovali), das Ende November erscheint, setzt die großartige Musik vom Debüt "The Monarch And The Viceroy" homogen, dennoch auf leicht variierte Art fort. Denn Cipa ist Sammler alter Instrumente. So nennt er u.a. ein Upright-Piano, ein Guitaret eine Oceanharp sowie ein Glockenspiel sein eigen - und lässt etwas davon in die Kompositionen hinein, allerdings ohne den Grundklang zu verfremden.

Torkler, Kohlstedt, Cipa - für den, der Lust hat auf ein Klavier!

Wolfgang Torkler, Sonntag, 20 Uhr, Kleines Haus; Martin Kohlstedt, 25. November, 20 Uhr, Societaetstheater; Carlos Cipa (mit Poppy Ackroyd), 12. Dezember, 21 Uhr, Scheune

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 06.11.2014

Andreas Körner

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