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Dresdner Philharmonie setzt auf Kontinuität - Chefdirigent Sanderling steht offenbar vor Vertragsverlängerung

Dresdner Philharmonie setzt auf Kontinuität - Chefdirigent Sanderling steht offenbar vor Vertragsverlängerung

Der Ende 2014 aus dem Amt scheidende Intendant äußert sich optimistisch: Erreicht sei, dass die Dresdner Philharmonie von den politischen Entscheidungsträgern positiv wahrgenommen werde, im Dresdner Stadtrat Unterstützung erhalte und auf festen finanziellen Füßen stehe.

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Chefdirigent Michael Sanderling

Quelle: Marco Borggreve

Anselm Rose sieht sein Feld gut bestellt. Ein Optimismus, den die Musiker und das Publikum nur zu gern teilen wollen, allein die sich gegenseitig überholenden Ungewissheiten, was den Umbau des leergeräumten Dresdner Kulturpalastes zu einem ordentlichen Konzertsaal betrifft, machen solcherart positives Denken schwer. Zumal die Perspektiven verzerrt werden und den Künstler, der beste Arbeit unter fürs Publikum und damit die Dresdner selbst idealen Bedingungen leisten will, immer wieder in die Rolle eines unbescheidenen Bittstellers zwängen. Angesichts der Tatsache, dass Kultur für die Dresdner zur Lebensqualität gehört, was durch Umfragen stets eindrucksvoll bestätigt wird, und dass es die kulturelle Ausstrahlung der Stadt ist, die sowohl den Zuzug Jüngerer als auch den Besuch zahlender Touristen befördert, ist immer wieder unverständlich, wie sich hier eine Stadt selbst in ihrem Ansehen schadet.

Unter diesen Umständen kann und muss es als positiv bewertet werden, dass immerhin die Zeichen auf Fortführung der Zusammenarbeit mit Philharmonie-Chefdirigent Michael Sanderling stehen. Dessen erster Vertrag ist bis Sommer 2014 datiert, aber offensichtlich ist man sich über weitere gemeinsame Jahre einig geworden. Die Musiker wollten sowieso, nun heißt es auch aus der Stadtverwaltung, "mit dem Chefdirigenten der Dresdner Philharmonie haben Verhandlungen zur Verlängerung seines Vertrages stattgefunden. Die Vertragsverlängerung mit dem Chefdirigenten wird dem Stadtrat demnächst zur Beschlussfassung vorgelegt", teilte Stadtsprecher Kai Schulz gestern auf DNN-Anfrage mit.

Zur Neubesetzung der Intendanz der Dresdner Philharmonie läuft derzeit ein Auswahlverfahren, heißt es außerdem aus dem Rathaus. In der öffentlichen Ausschreibung ist zu lesen: "Die/der zukünftige Stelleninhaberin/Stelleninhaber soll das Profil der Dresdner Philharmonie als eines der herausragenden deutschen Konzertorchester entscheidend weiterentwickeln. Weiterhin steht die Etablierung eines international wettbewerbsfähigen Konzertangebotes im umgebauten Kulturpalast ab 2015 [sic], unter Einbeziehung von Dresdner Kultureinrichtungen und Gastspielen, im Mittelpunkt der Tätigkeit." Mit einem Besetzungsvorschlag durch die Findungskommission sei, so Schulz, im zweiten Quartal 2013 zu rechnen. Ein Beschluss des Stadtrates über die Neubesetzung solle voraussichtlich bis Ende 2013 herbeigeführt werden.

Das unruhige Umzugsinterim für das Orchester wird nun voraussichtlich zur längerfristigen Variante, denn bekanntlich soll der neue Konzertsaal nach aktuellen Entscheidungen frühstens im Frühjahr 2017 fertig sein. Die Erfahrungen aus dem ersten Jahr der "Reisetätigkeit" durch Dresden sind eigentlich keine schlechten, sagt Rose, und auf deren Basis werde man in den kommenden Spielzeiten manches noch modifizieren. Verabschieden wird man sich vom Internationalen Congress Center, das habe sich als Raum für die Philharmonie nicht bewährt. Stattdessen baue man noch die Anzahl der Auftritte in Schauspielhaus und Albertinum aus. Für diese beiden Spielstätten sowie für das Hygienemuseum kann die Philharmonie eine fast 100-Prozent-Auslastung vermelden. 96 Veranstaltungen hat das Orchester 2012/13 in Dresden geboten, in der nächsten Spielzeit sollen es 106 werden. Der Publikumszuspruch ist allerdings keine Selbstverständlichkeit, er erfordert deutlich mehr Aufwand von Seiten der Orchesterverwaltung und hat zudem seinen Preis: 989 000 Euro kommen laut Rose durch Miete für Brauhaus (Verwaltung, Probenräume etc.), Weiße Gasse (Konzertkasse), Spielstätten und Marketing zusammen, und durch die geringere Zahl an Sitzplätzen für die verschiedenen Konzertorte erwarte man Mindereinnahmen von 845000 Euro. Erfreulicherweise sind trotz der schwierigen Situation die Zahl der Vakanzen im Orchester mehr als überschaubar geblieben: Von 116 Musikerstellen seien, so der Intendant, momentan lediglich drei unbesetzt, eine davon ist die Position des Solopaukers.

Eines hat das erste Reisejahr auf jeden Fall erwiesen: Die Dresdner Philharmoniker haben ein treues Publikum. Und Anselm Rose ist sicher, dass es auch in der kommenden Saison keinen Einbruch geben wird. Dafür setzt das Orchester in erster Linie auf Kontinuität des künstlerischen Angebotes. Chefdirigent Michael Sanderling will sich insbesondere dem 19. Jahrhundert widmen, Tschaikowski, der Sinfoniker, ist hier einer seiner Schwerpunkte. Geplant ist zudem ein Schumann-Zyklus mit allen Sinfonien des Komponisten in, wie Konzertdramaturgin Karen Kopp es nennt, "historisch informierter Lesart". Im Fokus steht auch mit Johannes Brahms ein Tonschöpfer, der zu den beliebtesten des Publikums und damit den sehr häufig gespielten gehört: Die Geigerin Julia Fischer, Artist in Residence der Philharmonie 2013/14, wird mehrmals zu erleben sein, wenn an einem Wochenende im Juli 2014 Brahms op. 98 bis 102 erklingen werden; außerdem musiziert die interessante Geigerin mit Sanderling zwei weitere Programme.

Abgeschlossen wird der mehrjährige Beethoven-Zyklus mit dem Ersten Gastdirigenten der Philharmonie, Markus Poschner: Es erklingen die Sinfonien Nummer fünf und neun, und es gibt zum 200. Jubiläum der Uraufführung eine konzertante Aufführung der Oper "Fidelio". Das wird im übrigen auch einer der Höhepunkte für die Philharmonischen Chöre sein, die, einstudiert von Gunter Berger, außerdem das Requiem von Gabriel Fauré singen und bei dem Richard Wagner gewidmeten Programm mit Werken des Jubilars, von Palestrina und Bruckner mitwirken.

Es wird ein Dresdner Wiedersehen mit Matthias Pintscher geben, dessen Oper "Thomas Chatterton" 1998 an der Sächsischen Staatsoper uraufgeführt worden war und der nun bei der Philharmonie im Albertinum sein Werk "Osiris" dirigiert, das thematisch der im Mai 2014 beginnenden Ausstellung "Nach Ägypten! Die Reisen von Max Slevogt und Paul Klee" zugeordnet ist. Würdigen wird die Philharmonie neben Wagner auch Richard Strauss, den Jubilar des Jahres 2014, in einem der Konzerte mit diesem Schwerpunkt steht der gebürtige Dresdner Christoph König als Dirigent am Pult.

Dort werden neben den schon Genannten z.B. der frühere Chef Rafael Frühbeck de Burgos, Michail Jurowski, Simone Joung und James Gaffigan zu erleben sein, als Solisten sind u.a. der Trompeter Håkan Hardenberger, der Geiger Thomas Zehetmair und die Pianisten Elena Bashkirova und Louis Lortie sowie u.a. die Sänger Klaus Florian Vogt und Anne Schwanewilms angekündigt. Tourneen führen die Philharmonie in der nächsten Spielzeit nach Asien, Dänemark, Abu Dhabi, Spanien sowie u.a. nach Berlin, München, Köln, Wien, Nürnberg und Eindhoven.

In Planung ist bereits jetzt eine Orgel für den neuen Konzertsaal: Der Förderverein der Dresdner Philharmonie e.V. mit Geschäftsführer Lutz Kittelmann hat dafür den Hut auf und schon 620 000 Euro an Spenden gesammelt. Bis zum 23. August 2014, dann besteht der Förderverein 20 Jahre, will man die für den Bau nötige eine Million Euro zusammenbringen. Unter sechs Entwürfen habe man sich klar für den der Bautzner Orgelfirma Eule entschieden.

Chefdirigent Michael Sanderling konnte im übrigen gestern nicht selbst bei der Vorstellung des Jahresprogramms anwesend sein: Der Verdacht auf einen Bandscheibenvorfall stand der Fahrt nach Dresden im Wege. Da bleibt nur zu hoffen, dass hier schnelle Besserung in Sicht ist.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 03.05.2013

Kerstin Leiße

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