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Dresdner Philharmonie feiert unter Michael Sanderling ein gelungenes Hongkong-Debüt

Dresdner Philharmonie feiert unter Michael Sanderling ein gelungenes Hongkong-Debüt

2019 Zuschauer fasst der Konzertsaal des Hong Kong Cultural Centre, seit vier Wochen war er bis auf den letzten Platz ausverkauft. Und die Dresdner Philharmonie unter Chefdirigent Michael Sanderling enttäuschte die Erwartungen nicht: Das Vorspiel aus Wagners Tristan und Isolde gelang ungemein dicht und ergreifend, Dvoraks Violinkonzert wurde zum Triumph vor allem für die Solistin Julia Fischer, und nach Brahms 4. Symphonie und dem Ungarischen Tanz Nr.

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Die Werbung für das Konzert der Dresdner in der chinesischen Stadt Guangzhou hat gefruchtet, im Publikum saßen auch viele junge Leute.

Quelle: Martin Bülow

5 als effektvoller Zugabe wurden auch Orchester und Dirigent begeistert gefeiert. Die CDs gingen an den beiden großen Verkaufsständen im Foyer weg wie warme Semmeln, und auch die großen Stapel chinesischer Hochglanz-Broschüren über Dresden waren nach Ende des Konzerts auf kleine Reste geschrumpft. Die Philharmonie versteht sich auch als Botschafterin Dresdens, und als solche machte sie bei ihrem Hongkong-Debüt der sächsischen Hauptstadt alle Ehre!

Dabei sind die Hongkonger ein durchaus kenntnisreiches Publikum. Gerade erst waren Jean-Yves Thibaudet und Matthias Goerne beim Hong Kong Philharmonic zu Gast, in wenigen Tagen wird Lorin Maazel das heimische Orchester in vier Konzerten dirigieren. Und es steht das Stadt-Debüt von Magdalena Kozena ins Haus. "In Hongkong muss man einfach mal gespielt haben", sagt Anselm Rose, Intendant der Dresdner Philharmonie. "Gastspiele in den großen Musikmetropolen sind wichtig für das Renommee eines Orchesters, und ich bin stolz darauf, dass ich es geschafft habe, dass wir solche Einladungen aus aller Welt bekommen."

Die Dresdner Philharmonie ist ja ein Orchester, das traditionell gern auf Reisen geht. Doch in dieser Saison ist der "Dresdner Klang" besonders viel unterwegs. Abu Dhabi und Wien, Spanien und Dänemark stehen u.a. noch auf dem Programm der kommenden Monate - eine willkommene Abwechslung auch zum Unterwegssein zwischen den diversen Dresdner Spielstätten, zu denen das Orchester für die nächsten Jahre verdammt ist.

"Es macht einfach Spaß, in einem solchen Saal wie hier in Hongkong zu spielen, der eine gute Akustik hat und in dem schon viele gute Musiker gespielt haben", schwärmt einer der Musiker. "Ein Saal bekommt dadurch eine Seele, die spürt man. Da klingt das Orchester wieder so, wie man es hören will. Und wenn dann noch das Publikum gut ist - und mit Julia Fischer als Solistin ist es sowieso immer eine Freude -, dann kann man so ein Konzert richtig genießen."

Dabei ist solch eine Reise nach China und Südkorea mit sechs Konzerten in zehn Tagen alles andere als ein Spaziergang. Zwei Jahre hat Verwaltungsdirektor Martin Bülow daran gearbeitet, den 96 Musikern und acht weiteren Mitarbeitern aus Dresden eine reibungslose Reise zu organisieren. Doch vor unliebsamen Überraschungen ist man nie gefeit.

Nach einem anstrengenden Flug durch eine kurze Nacht der Sonne entgegen sorgte eine Computerpanne bei der Visakontrolle an der Grenze zwischen Hongkong und China für unnötigen Aufenthalt, die einstige britische Kolonie ist zwar seit 16 Jahren Teil der Volksrepublik China, genießt aber noch weitgehende Autonomie. Als erste Station stand nämlich das 120 Kilometer entfernte Guangzhou, auf Deutsch früher Kanton genannt, auf dem Programm. Und weil in diesem rasant wachsenden Moloch mal wieder Smogalarm herrschte, sperrten die Behörden die Innenstadt kurzerhand für LKWs - auch für die mit den Instrumenten der Dresdner Philharmonie. So waren die Musiker von Dresden bis Guangzhou per Flugzeug und Bus 24 Stunden unterwegs - und hatten dann erstmal keine Instrumente zur Verfügung, um sich einzuspielen.

Und doch wurde es ein schönes Konzert im erst vor zwei Jahren eingeweihten spektakulären Opern- und Konzerthaus der Stararchitektin Zaha Hadid. Denn wenn es drauf ankommt, sind alle Strapazen vergessen. Und das nicht nur, weil die Philharmoniker Profis sind, wie Michael Sanderling weiß: "Mit diesem Orchester zu reisen ist immer eine besondere Freude. Die Musiker wollen sich dem fremden Publikum beweisen und gemeinsam ganz spezielle Momente erzeugen."

Solo-Oboistin Undine Röhner-Stolle ist immer wieder verblüfft, wie das funktioniert: "Die Grippe grassiert, wir sind alle noch im Jetlag. Aber alle reißen sich zusammen und geben 110 Prozent. Und wenn dann noch der Saal toll ist, beflügelt das ungemein. Den will man dann auch zum Kochen bringen. Da wächst man über sich selbst hinaus und staunt hinterher nur noch über sich und die Kollegen."

Dem auffällig jungen Publikum in Guangzhou, typisch für das aufstrebende Klassikland China, gelang sogar das Kunststück, Julia Fischer nach dem Brahms-Violinkonzert zu zwei Zugaben zu animieren. In Hongkong dagegen beließ sie es bei einer Paganini-Caprice, setzte sich dafür nach der Pause an ein hinteres Pult der ersten Geigen, was im Publikum für freudige Verblüffung sorgte.

Ihren ersten Nicht-Reisetag nutzen die Philharmoniker nun zum Üben - die Gänge des Hotels sind bereits von Klängen vor allem der Blechbläser erfüllt -, bevor am Abend das zweite, vom Rundfunk zeitversetzt übertragene Konzert im Hong Kong Cultural Centre ansteht. Nach einem freien Tag, den die meisten für Entdeckungstouren durch die sommerlich warme, aber in grauen Smog-Dunst gehüllte Sieben-Millionen-Metropole nutzen wollen, steht dann am Samstag der nächste Höhepunkt auf dem Programm: das erste Konzert der Dresdner Philharmonie in Macao, der einstigen portugiesischen Kolonie unweit von Hongkong.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 25.10.2013

Arnt Cobbers

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