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Dresdner Philharmonie bot Außergewöhnliches in ihrem Konzert im Kulturpalast

Dresdner Philharmonie bot Außergewöhnliches in ihrem Konzert im Kulturpalast

Es ist nicht üblich und in vielen Fällen auch nicht fair, die Arbeit eines Orchesters mit der eines anderen ins Verhältnis zu setzen. Wenn es hier trotzdem geschieht, dann nicht im Sinn einer Wertung oder einer Rangfolge.

Es ist aber der seltsame Fall eingetreten, dass die Dresdner Philharmonie im 3. Außerordentlichen Konzert etwas getan hat, was wir seit Jahren aus den Konzerten der Dresdner Sinfoniker kennen: Es werden Werke von Komponisten einer bestimmten Region in einem Programm vereinigt und, wo immer möglich, wird dazu regional spezifisches Instrumentarium einbezogen. So haben die Sinfoniker zum Beispiel Konzerte mit Werken chinesischer, kaukasischer und südamerikanischer Herkunft gespielt und für die regional typischen Instrumente Solisten aus den Herkunftsländern der Musik gesucht und gefunden. Das erlaubt Authentizität und vermittelt dem Publikum einen Eindruck, der dem nationalen Idiom sehr nahe kommen kann und dessen Charakter verständlich werden lässt, verständlicher zumindest, als wenn wir die Werke nur von eigenen Kräften interpretiert erleben.

Die Dresdner Philharmonie hat sich an ein vergleichbares Projekt gewagt und damit einen ungewöhnlichen Erfolg erzielt. Es war nicht allein die Authentizität, die mit dem Gastensemble "Sarband" erreicht wurde. Auch die Programmatik des ersten Teils war bemerkenswert und wurde vom Publikum auch als besondere Seltenheit begriffen. Unter dem Titel "Musik für Kaiser und Sultan" erklangen Kompositionen aus der Zeit weniger Jahre nach dem zweiten Krieg des osmanischen Reichs gegen Österreich, der mit der zeitweiligen Belagerung Wiens verbunden war und 1792 endete. Eine der Folgen war eine regelrechte Turkomanie auch in der Musik. Alla turca war ein Aufführungshinweis, den wir etwa bei Mozart finden, und Beethovens Ballett "Die Ruinen von Athen" enthält einen türkischen Marsch. Vor mehr als zwanzig Jahren hat Nikolaus Harnoncourt eine Version von Mozarts "Entführung aus dem Serail" veröffentlicht, in der er sich dem Klang türkischer Militärkapellen nähert. So weit ging die Philharmonie unter Markus Poschner nicht, aber Abweichungen vom üblichen Sound waren unverkennbar.

Bei "Sarband" musste man sich erst einmal mit den Namen weithin unbekannter Instrumente vertraut machen: Bambusflöte Ney, türkischer Psalter Kanun, einer Zither ähnlich, Schoßfiedel Kemançe i-Rûmî und Spießgeige Ajaklı Kemân. Die Musik des Ensembles, das von Vladimir Ivanoff geleitet wird, gehorcht natürlich nicht der mitteleuropäischen temperierten Stimmung, aber gerade das macht einen großen Teil ihrer Attraktivität aus. Die vokalen Teile hatte Dilek Geçer übernommen, die in den Landesbühnen Sachsen so ziemlich alle großen Sopranpartien gesungen hat und als gebürtige Türkin den typischen Gesangsduktus sicher beherrscht.

Der Dialog zwischen Poschner und Ivanoff hätte gut und gern um einiges ergänzt werden können. So wäre es möglich gewesen, die Instrumente und ihre spezifischen Möglichkeiten vorzustellen und ein bisschen über die Stilistik der türkischen Musik mitzuteilen. So aber blieben Mozarts Deutsche Tänze eher Füllmaterial als logische Ergänzung einer faszinierenden Idee, die mit Musik und Musikern anderer Kulturregionen fortgeführt werden sollte.

Dann aber sollte auch der zweite Teil besser zum ersten passen als diesmal, denn Beethovens Sinfonie Nr. 3 Es-Dur op. 55, als "Eroica" bekannt, hat formal und inhaltlich keine Beziehung zum türkischen Thema, es sei denn, man betrachtet die Entstehungszeit 1803/04 schon als ausreichend engen Zusammenhang. Poschner hatte einige Mühe, musste nach der Spannung des ersten Teils wieder vom Nullpunkt beginnen und konnte nur durch die Betonung der heroischen Elemente der Sinfonie beim Publikum punkten. Der zweite Satz, eine der berühmtesten Trauermusiken, war ein Spur zu gefällig. Aber dieses Werk ist so beliebt, dass es auch in diesem Kontext die Hörer begeisterte.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 30.01.2012

Peter Zacher

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