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Dresdner Philharmonie auf Tour in der eigenen Stadt - Umbau des Kulturpalastes trübt Stimmung

Dresdner Philharmonie auf Tour in der eigenen Stadt - Umbau des Kulturpalastes trübt Stimmung

Die Dresdner Philharmonie gehört unbestritten zu Deutschlands Top-Orchestern. 1870 wurde sie gegründet, Peter Tschaikowski, Antonin Dvorak und andere Größen standen hier am Pult, Maestri wie Paul von Kempen, Carl Schuricht, Heinz Bongartz oder Kurt Masur sorgten als Chefdirigenten für Feinschliff.

1909 reisten die Dresdner Philharmoniker als erstes deutsches Orchester über den Atlantik und gaben damals 56 Konzerte in 30 Städten der USA und Kanadas. Im Archiv gibt es ein Foto der Musiker beim Halt eines Sonderzuges in der Prärie. Schöne Neue Welt, glanzvolle Zeiten. Höhen folgten auf Tiefen. Momentan aber ist die Tonart eher Moll.

 

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Zur Spielzeiteröffnung der Philharmonie im Herbst 2015 soll der neue Kulturpalast wiedereröffnet werden.

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Die philharmonischen Nerven in Dresden werden in diesen Tagen wieder einmal arg strapaziert. Hiobsbotschaften über die Finanzierung des seit fast 20 Jahren ersehnten Konzertsaales drücken die Stimmung. Ursprünglich sollte der Kulturpalast - seit 1969 Spielstätte der Philharmonie - ab Sommer dieses Jahres für 70 Millionen Euro zu einem akustisch akzeptablen Klangraum umgebaut werden. Damals war er als Mehrzwecksaal geplant und diente für Jazz genauso wie für Klassik, Tanz und Zirkus. Seit fast 20 Jahren wird der Philharmonie ein neuer Saal versprochen. Ex-Chefdirigent Marek Janowski warf entnervt das Handtuch, weil kein Ende des Kanons absehbar war. Ende Januar ein neuer Paukenschlag: Sachsens Innenministerium gab zu, dass Fördermittel für den Umbau nicht wie erhofft fließen können. Ursprünglich hatte das Land eine Kofinanzierung auch mit EU-Geld in Aussicht gestellt - immerhin 35 Millionen Euro. Doch nun steht fest, dass sich EU-Strukturfonds für diesen Zweck nicht anzapfen lassen. Deshalb klafft bei dem ehrgeizigen Projekt nun ein erhebliches Loch. Noch ist unklar, wie Dresden das ausgleichen kann, der Finanzbürgermeister will Ende Februar eine Vorlage in den Stadtrat einbringen. Weiteres Ungemach droht von Architekt Wolfgang Hänsch. Er sieht wegen des Umbaus sein Urheberrecht verletzt und klagt. Unter solchen Vorzeichen eine Saison zu planen, gleicht der Quadratur des Kreises. Intendant Anselm Rose lässt sich davon nicht viel anmerken. Von seinem Büro mit Panoramablick auf Dresdens Frauenkirche dirigiert er das Orchester schon seit Jahren in mal mehr und mal weniger unruhigem Fahrwasser. Doch was ihm nun bevorsteht, lässt die Atlantik-Überfahrt der Philharmoniker 1909 wie eine Spazierfahrt auf der Elbe aussehen. „Unruhig, aber zuversichtlich", beschreibt er die Gemütslage des Orchesters. „Warten wir mal ab, was kommt. Wer da jetzt welche Gelder aus welchen Töpfen mit welchen Begründungen beantragt, entzieht sich unserer Kenntnis." Nur eines weiß Rose ganz sicher: Raus muss er aus dem „Kulti" - wie die Dresdner ihren Kulturpalast nennen - sowieso. Ende des Jahres läuft die Betriebsgenehmigung ab. Die meisten Philharmoniker können sich noch gut an die Zeit erinnern, als draußen die Feuerwehr die Konzerte absicherte - und nicht nur bei Händels „Feuerwerksmusik". Im März 2007 wurde der Palast wegen Mängeln beim Brandschutz dicht gemacht, nach Reparaturen gab es eine weitere befristete Genehmigung. „Ich weiß, dass hier im Sommer die Lichter ausgehen", sagt Rose. Die Philharmonie richtet sich auf mehrere Spielstätten in der Stadt ein, geht praktisch auf Tour durch die eigene Stadt. Der neue Philharmonie-Chefdirigent Michael Sanderling sieht die Veränderungen auch als Chance. „In jedem Fall ist diese Umbauzeit eine kalkulierbare Zeit - wenn uns nicht das gleiche Schicksal ereilt wie die Elbphilharmonie in Hamburg. Aber solch einen schwierigen Baugrund gibt es hier wohl nicht", sagte er beim Amtsantritt im Sommer 2011. Ob er den Satz heute noch einmal so formulieren würde, scheint angesichts der neuerlichen Debatte eher ungewiss.

Jörg Schurig, dpa

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