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Dresdner Philharmonie: Die Idee der Begegnung

Dresdner Philharmonie: Die Idee der Begegnung

Dass Musik etwas anderes, nicht recht fassliches sei, unterstellt die gelegentlich auftauchende Wortpaarung "Kunst und Musik". Nur bildende Kunst, sichtbar und transportabel, gilt manchem als die eigentliche.

Das Interim Albertinum sorgt für eine Möglichkeit der Begegnung, die sich bei allen Mühen mit dem provisorischen Konzertsaal als fruchtbar erweist: Auf die soeben eröffnete Ausstellung "Nach Ägypten!" bezog sich das Programm des 12. Konzerts der Dresdner Philharmonie und zeigte erstaunlich verwandte Wahrnehmungen des "Exotischen" oder des "Orientalischen" in Malerei und Musik auf.

Ein Ausstellungsbesuch vor dem Konzert klärte über die gegensätzlichen Sichtweisen auf, mit denen "Die Reise von Max Slevogt und Paul Klee" aufwartet. Während Slevogts Blick der Gegenwart, den Menschen, dem Leben in der Stadt oder abseits der Pyramiden galt und nicht weniger den Farben und dem Licht, findet sich bei Klee ein ausgeprägtes Interesse an den Strukturen von Landschaft und Architektur. Die musikalischen Gegenstücke der Begeisterung für das weit gefasste Thema Ägypten zeigten Vergleichbares. Claude Debussy malt im "Prélude à l'après-midi d'un faune" förmlich das hitzeflirrende Pendant einer südlichen Landschaft. Vorzüglich trugen Mareike Thrun (Flöte) und Undine Röhner-Stolle (Oboe) das Geschehen von Debussys Schilderung der Szenerie; das orchestrale Umfeld in entsprechender Dichte und Eindringlichkeit zu entfalten gelang Dirigent Matthias Pintscher hingegen zu wenig. Seine Idee von Debussys überwältigender Szenerie blieb zu entlegen und zu gleichförmig, um zu fesseln.

Eine die ägyptische Geschichte dem enthusiastischen Zeitgenossen zeitgemäß deutende Sicht fand sich in "La mort de Cléopatre" von Hector Berlioz. Seine "Scène lyrique" ist eine dramatische aufgeladene Meditation der mehr mythischen denn realen Königin über die Zerrissenheit zwischen einer intriganten Lebenswelt und der Unterwerfung unter die Götterwelt. Berlioz entfaltet in dieser Szene eine Intensität, die sich von anderen seiner Werke unterscheidet und einer versierten Solistin bedarf. In Nadja Michael (Sopran) hatte die Aufführung eine solche Sängerin, der es dank ihres leicht verfügbaren, überragenden Stimmvolumens gelang, aus der kleinen Geste des ersten Rezitativs eine Welt zu erschaffen, in der jede Nuance stimmig war. Ein Dirigent mit Sinn für romantische Oper wäre dazu gefragt gewesen, doch Matthias Pintscher hatte eher Mühe, Orchester und Solistin zusammenzubringen. Die Spannung des Werkes kam so nur gelegentlich ganz zum Tragen.

Die Parallele zu den analytischen Landschaften Paul Klees fand sich endlich in "Osiris" von Matthias Pintscher, im zweiten Teil des Konzerts Komponist und Dirigent in Personalunion. Pintscher zeigt sich in seinem 2007 geschriebenen Stück ebenso an Strukturen interessiert. Die Legende des vom Bruder Seth ermordeten und zerteilten Osiris, der durch die Liebe von Isis wieder zusammengefügt und zum Leben erweckt wird, findet bei Pintscher ihren Ausdruck in einer filigran virtuosen Tonsprache. Das groß besetzte Orchester nutzt der Komponist für immens viele Farben, die schließlich in einem lang anwachsenden Crescendo zusammenfinden. Das Manko in der Umsetzung der hervorragenden Idee, Ausstellung und Konzertprogramm zu verbinden, wurde auch hier offenbar: Ein Dirigent, der dank größerer Distanz der präzisere Interpret gewesen wäre, hätte einem so komplexen Werk geholfen. So aber blieb die intensivierende Wirkung des Abends in der Summe unter ihren Möglichkeiten.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 06.05.2014

Hartmut Schütz

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