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Dresdner Orgelneubau für Leipzig ist auf der Zielgeraden

Leipziger Paulinum Dresdner Orgelneubau für Leipzig ist auf der Zielgeraden

Die Dresdner Orgelbaufirma Jehmlich ist bei der Ausführung der Großen Orgel für das Paulinum der Leipziger Universität auf der Zielgeraden, die Fachleute errichten das Instrument in dem hellen Aula-Kirchen-Bau. Es ist laut Ralf Jehmlich das Opus 1161 der seit 1808 bestehenden Firma.

Dresden/Leipzig.  Die Dresdner Orgelbaufirma Jehmlich ist bei der Ausführung der Großen Orgel für das Paulinum der Leipziger Universität auf der Zielgeraden, die Fachleute errichten das Instrument in dem hellen Aula-Kirchen-Bau. Es ist laut Ralf Jehmlich, seit 2006 in sechster Generation der Geschäftsführer des Dresdner Handwerksbetriebes, das Opus 1161 der seit 1808 bestehenden Firma. Wenn am 26. Februar dieses Jahres die Orgel abgenommen wird, werden die Orgelbauer summa summarum 12000 Arbeitsstunden mit der großen Paulinum-Orgel zugebracht haben. Rund 20 Mitarbeiter der Werkstatt haben dann an diesem Neubau mitgewirkt.

Gewünscht worden war ein „Instrument für den konzertanten und gottesdienstlichen Gebrauch auf der Westempore, zur Nutzung durch die Universitätsmusik, wissenschaftliche und festliche Anlässe der Universität sowie durch die Universitätsgottesdienste zur Bespielung des gesamten Raums“, hieß es 2007 in der Ausschreibung. Die Orgel sollte dem Leitbild der Bildungseinrichtung „Aus Tradition Grenzen überschreiten“ folgen und diesen Anspruch innovativ umsetzen.

Von den Orgelbauern wurde erwartet, dass ein zeitlich weit gespanntes Repertoire spielbar ist. Überwiegend deutsche, an Johann Sebastian Bach, Felix Mendelssohn Bartholdy und Max Reger orientierte Literatur vom 18. Jahrhundert bis zur Gegenwart soll erklingen können und die Orgel außerdem als Continuo- und Begleitinstrument bei Aufführungen oratorischer Werke und der Chorsymphonik des 19. und 20. Jahrhunderts dienen.

Auf die Ausschreibung hin gingen Anträge von 16 Teilnehmern u.a. aus den Niederlanden, Dänemark, Frankreich, Deutschland, Norwegen und Belgien ein, sechs davon kamen in die engere Wahl. Unter Mitwirkung der Orgelkommission der Universität Leipzig unter dem Vorsitzenden Helmut Loos, Professor für Historische Musikwissenschaft, entschied man sich in einem achtmonatigen Verfahren schließlich für das Angebot der Jehmlich Orgelbau Dresden GmbH. Am 6. August 2008 setzten die Vertragspartner ihre Unterschrift unter den Kontrakt.

Insgesamt eine Million Euro lässt sich die Uni Leipzig das Instrument kosten. Finanziert wird es größtenteils aus dem Körperschaftsvermögen der Universität. Die Orgel besitzt 46 Register, 2951 Pfeifen, die kleinste Pfeife misst sieben Millimeter, die größte sechs Meter; höchste wie tiefste Töne, die das menschliche Gehör vernehmen kann, können erklingen. Das Instrument ist zehn Meter hoch und fast sieben Meter breit. Das Gehäuse wird aus Nadelholz gefertigt, weiß lackiert, der Spieltisch ist aus Kirschbaum, naturbelassen. Es ist eine Schleifladenorgel mit mechanischer Tontraktur, drei Manualen und Pedal, die Stimmtonhöhe beträgt 440 Hz.

Die technische Ausstattung der Orgel ist beeindruckend: Hightech für die Musik. Das Instrument besitzt beispielsweise eine elektrische Registertraktur mit Setzeranlage, Touch-Screen-Bedienung und einer Speicherkapazität von 30000 Registerkombinationen; sie hat eine MIDI-Schnittstelle zur Speicherung und Wiedergabe, Notenausdruck, Ansteuerung externer Klangerzeuger; eine Einrichtung macht das Transponieren auf 415/440/465 Hz für das Brustwerk und ausgewählte Pedalregister möglich. Zwei zusätzliche Register Violon 16 Fuß und Cello 8 Fuß finanziert die Sparkasse Leipzig, in Verbindung mit der Kampagne „(M)Ein Platz im Paulinum“.

Die allgemeinen Anforderungen umreißt Ralf Jehmlich so: „Das Instrument wird sich in die Orgellandschaft Leipzigs einpassen und eine stilistische Lücke schließen. Gewünscht war eine Bezugnahme auf die Disposition des von 1711 bis 1716 gebauten Instruments des Leipziger Universitätsorgelbauers Johann Scheibe. Dem sind wir gefolgt, freilich mit zeitgemäßer Auseinandersetzung und Weiterentwicklung.“ In der Aula und im Andachtsraum des Paulinum wird es ca. 850 Sitzplätze geben. Die spezielle Akustik des Raumes mit der abgehangenen Gewölbedecke, der Säulenformation und der verschließbaren Glaswand zwischen dem Aula- und Andachtsraum wurde am Computermodell analysiert, und darauf basierend wurden die Pfeifenmensuren für die Orgel entwickelt, erklärt der Dresdner Firmenchef.

Die große Jehmlich-Orgel wird die Schwalbennestorgel ergänzen, die bereits im Februar 2015 im Paulinum aufgebaut worden und hauptsächlich für Musik der Renaissance und des frühen 17. Jahrhunderts ausgelegt ist.

Universitätsmusikdirektor David Timm freut sich auf das Kommende. Er erinnert an die Sprengung der Universitätskirche im Mai 1968 und an den legendären Organisten Robert Köbler, der bis zuletzt in der Universitätskirche St. Pauli spielte. Die neue Orgel wird laut Timm dazu beitragen, die Wunde ihrer Vernichtung zu heilen. Universitätsorganist Daniel Beilschmidt weiß, was er aufführen wird, natürlich Bach, Mendelssohn, Reger, doch so ein Instrument biete ja auch ungeahnte Möglichkeiten. „Wir freuen uns sehr auf diese Orgel“, sagen die Musiker unisono.

Der 26. Februar wird für David Timm und Daniel Beilschmidt also ohne Frage ein ganz großer Tag. Die Jehmlich-Orgel soll dann fertiggestellt und intoniert sein. Sie kann somit erklingen. Freilich für die folgende Zeit nur hinter geschlossenen Türen und zur Probe. Erst wenn das Paulinum eingeweiht werden kann, ist die Orgel ein neues öffentliches Instrument für die Musikstadt Leipzig und wird die außergewöhnliche Architektur von Erick van Egeraat in besonderem Maße zieren.

Bei Jehmlich Dresden läuft parallel zum Leipziger Instrument natürlich auch die Arbeit an anderen Projekten weiter: „In den letzten Monaten haben wir einen Orgelneubau für die Kath. Christkönigkirche in Titisee fertiggestellt“, erzählt Ralf Jehmlich, „sowie ein Orgelpositiv mit Meissener Porzellanpfeifen für Taipei/Taiwan erbaut.“ Und sie haben die drei Jahre andauernde Restaurierung der großen romantischen Jehmlich-Orgel in der Christuskirche Dresden-Strehlen vollendet. Und in diesem Jahr stehen außerdem Restaurierungen von Instrumenten in Erfurt-Binderleben, Elstra, Oberkaufungen, Großörner und im polnischen Pokoj auf dem Plan.

Von Kerstin Leiße und Thomas Mayer

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