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Dresdner Offtracks Festival feiert gelungene Premiere

Dresdner Offtracks Festival feiert gelungene Premiere

Sechs Tage, sechs Stationen, sechs Blickwinkel auf die Themen Zeit und Raum. So lautete das Motto des ersten "Offtracks - Festival für Musik und multimediale Kunst", das sich entlang der Linie 11 in Dresden bewegte.

Schnell zogen die sechs Festivalstationen vorüber, an denen acht Studenten der Dresdner Musikhochschule eine literarische Bahnfahrt aus Uwe Tellkamps Kurzgeschichte "Der Schlaf in den Uhren" auf ihre ganz eigene Weise interpretierten. An sechs exponierten Spielstätten vom Sputnik bis zum Lingnerschloss warteten dabei Nachwuchskünstler mit experimentellen, überraschenden und berührenden Auftritten auf.

Mutiges Projekt junger Musiker und Künstler

Die sechs mit Tanz, Literatur, Malerei, Installation und Film verknüpften Konzerte zeugten alle samt von einem mutigen Projekt junger Musiker und Künstler mit ausgefeiltem Konzept, dem ein Großteil des Dargebotenen zuvor eigens auf den Leib geschrieben, installiert oder komponiert wurde. Im Ergebnis verbanden sich an den verschieden Orten die unterschiedlichsten Kunstformen mit Musik: Schlagzeugsolo paarte sich im Sputnik mit Tanz, A-cappella-Musik im Erich-Kästner-Museum mit Literatur. Im schummrigen Sabotage Clubkeller wurde dem Publikum zu sinnlichen Jazzballaden gar ein Duftbouquet mit fünf Aromen von Rotwein- bis Rosenduft gereicht, und im Deutsch-Russischen Kulturinstitut entstanden bei Instant-Composing zwei Gemälde.

An der fünften und vorletzten Station in der Gedenkstätte Bautzner Straße nahm Offtracks richtig Fahrt auf. Die ehemalige Stasi-Untersuchungshaftanstalt war nicht nur die eindrücklichste und berührendste, sondern gleichzeitig die einzige von sechs Spielstätten, an der die Musik nicht im Mittelpunkt stand. Im dreifachen Veranstaltungsdurchlauf zählten die Organisatoren dennoch fast 100 Besucher, für die Raum und Zeit hier erstmals nicht nur hör- und sichtbar, sondern auch spürbar wurden. Zwischen dem szenischen Pro- und Epilog des Zeitzeugen Jürgen Gottschalk, der authentisch von der Angst des Ausgeliefertseins in beengten Zellen berichtete, wurde der Abend zu einer individuellen Entdeckungstour in der Gedenkstätte. Die Ausstellung in den Räumlichkeiten der früheren Haftanstalt erhielt mit der Raumperformance "5 m²" von Künstlerin Agathe MacQueen (mit Toncollagen von Neele Hülcker; Videos/Projektionen von Franziska Hoffmann u. Sophia Hoffmann) zusätzlich Tiefe. Offen ist derzeit, ob einzelne Installationen möglicherweise sogar länger in der Gedenkstätte verankert werden.

Eine Haltestelle weiter erreichte Offtracks am Sonntag dann im Lingnerschloss die Endstation. Eingehüllt in die raumfüllende Videoprojektion der Filmkünstler von "zeitgebilde" (Benjamin Schindler, Markus Glandt und Barbara Schürer) begaben sich der Dresdner Gittarist Paul Peuker und sein Oktett Peuker8 mit ihrem verträumten, improvisatorisch-experimentellen Grenzgang zwischen Jazz und Klassik noch einmal auf die Suche nach Raum und Zeit - bis "- die Bahn hielt."

Von der Idee zur Aufführung

Die anschließende Bilanz fiel wohl auch dank der bewusst beschränkten Platzkapazitäten mit jeweils etwa 30 bis 40 Stühlen pro Spielort für die jungen Organisatoren zufriedenstellend aus. Den filmnächtlichen Flimmerstunden am Elbufer sowie sommerlichem Schaubudenspektakel in der Neustadt zum Trotz war immerhin die Hälfte der Festivalabende ausverkauft; in den anderen drei von sechs Fällen füllten sich die Säle zumindest mäßig. Dabei bot das Festival atmosphärisch wie inhaltlich eine große Bandbreite durch alle Kunstgenres - und wurde durchweg von künstlerischer Qualität sowie von der spürbaren Freude der Mitwirkenden an der Sache getragen. Im Spiegel dieser erfrischenden Kreativität junger Künstler entpuppte sich jeder Abend aufs Neue als kleine experimentelle Insel im kulturreichen Dresden, was wiederum Vorfreude auf die jeweils nächste Station weckte.

Die Mission des Hochschulseminars "Von der Idee zur Aufführung", bei dem die Organisatoren 2010 erstmals zusammentrafen, ist damit mehr als erfüllt. Einer Neuauflage des Festivals stünde mit Rückendeckung des Dresdner Kulturamtes und nach der Vereinsgründung im März eigentlich nichts im Wege. Die Realisierung erscheint jedoch schwierig, wenn man die Pfade des bisherigen Konzeptes - der Tellkampschen Bahnfahrt folgend - nicht gänzlich verlassen und doch Neues schaffen will. Dennoch wird eine Fortsetzung für 2013 auch in der Gruppe schon diskutiert, wie Anna Bolz (Vereinsvorsitzende des Offtracks e.V.) im Lingnerschloss verriet. Erste Ideen dazu existieren bereits. - Alles Weitere wird wohl einmal mehr die Zeit zeigen.

Nicole Czerwinka

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 10.07.2012

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