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Dresdner Musikfestspiele: Musikalische Kostbarkeit der Amalie von Sachsen

Dresdner Musikfestspiele: Musikalische Kostbarkeit der Amalie von Sachsen

Die im Normalfall sehr gründliche deutsche Musikwissenschaft hat lange gebraucht, bis sie die Bedeutung der Komponistin Amalie von Sachsen (1794-1870) erkannt hat.

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Dabei war Amalie - vollständiger Name Maria Amalia Friederike Augusta Karolina Ludovica Josepha Aloysia Anna Nepomucena Philippina Vincentia Franziska de Paula Franziska de Chantal! - eine ungewöhnlich vielseitige Künstlerin. Es lag nahe, wenigstens ein Werk von ihr wieder zum Leben zu erwecken. Und da muss die Leistung einer Dresdner Musikerin gewürdigt werden. Die Oboistin Petra Andrejewski stellte fest, dass die Noten zu "La casa disabitata" (Das unbewohnte Haus) aus der SLUB unvollständig waren. Die autographe Partitur konnte nach umfangreicher internatonaler Recherche in der Moskauer Staatsbibliothek geortet werden. Sie war als sowjetische Kriegsbeute dorthin gelangt und ist bis heute noch nicht wieder zurückgeführt worden. Die Bitte um Überlassung von Kopien wurde lange Zeit nicht erfüllt. Erst die Hilfe von Nachkommen sächsischer und preußischer Königshäuser führten zum Erfolg. Es vergingen aber fünf Jahre vom Beginn der Recherchen bis zu dem Zeitpunkt, in dem Andrejewski endlich die Kopien in der Hand hatte.

Die Wiederaufführung von Amalies zwölfter Oper hat sich gelohnt. Zwar findet sich bei Brecht der Satz "Pfingsten sind die Geschenke am geringsten", aber dank der Arbeit Andrejewskis, die auch noch rund tausend Seiten Partiturreinschrift hergestellt hat, bekamen wir zu Pfingsten im Palais im Großen Garten ein Geschenk, das wirklich nicht zu den geringsten zu zählen ist. Amalie hat eine leichte, aber keineswegs flache Musik geschrieben. Sie ist farbenfroh, elegant und vielgestaltig, ein echtes Hörvergnügen und durchaus auf der gleichen Qualitätsstufe wie manches Werk von Weber, Hasse, Haydn und sogar Mozart. Formgeschichtlich handelt es sich um eine Farsa, eine relativ kurze einaktige Oper, die in mehrere Szenen untergliedert ist. Nicht einmal die Rezitative langweilen, was natürlich auch auf die Qualität der Aufführung durch die Dresdner Kapellsolisten unter Helmut Branny zurückzuführen ist.

Die Solisten kommen zu einem großen Teil aus dem jungen Ensemble der Staatsoper. Sie waren so sicher, dass man meinen konnte, sie hätten ihre Partien schon zehnmal gesungen. Alles war so rund und gekonnt (auch wenn die einzelnen Leistungen hier nicht gewürdigt werden können), dass wir die Komponistin zu den hohen Werten der Dresdner Musik zählen sollten und voller Ungeduld auf die Bekanntschaft mit weiteren ihrer Kompositionen warten. Die erste Kostprobe, erlebt 177 Jahre nach der Uraufführung in Pillnitz, hat überzeugt.

Heute

Die Neue Jüdische Kammerphilharmonie gibt 19 Uhr ein Konzert in der Synagoge Dresden. Unter Leitung von Michael Hurshell erklingen Werke von Schreker, Haas, Mendelssohn u.a., Solist ist Arnaud Sussmann (Violine). Im Palais im Großen Garten spielt 20 Uhr das Artemis Quartett Haydn, Bartók und Schubert.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 29.05.2012

Peter Zacher

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