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Dresdner Musikfestspiele: Liederabend mit Angelika Kirchschlager und Helmut Deutsch

Dresdner Musikfestspiele: Liederabend mit Angelika Kirchschlager und Helmut Deutsch

Eine Aufwärmzeit, so ein, zwei Lieder, um mit Atmosphäre und Interaktion des nun vollen Saales Tuchfühlung aufzunehmen, die gibt es bei Angelika Kirchschlager nicht.

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Sie stimmt Schuberts "An Silvia" an und die Hochspannung steht. Die Augen strahlen, die Stimme strömt, die Energie fließt. Was eben noch war, ist postwendend vergessen, alle Konzentration eingefangen von dieser wunderbaren Sängerin. Und ihrem fantastischen Pianisten.

Angelika Kirchschlager ist mit Helmut Deutsch zu den Dresdner Musikfestspielen gekommen, um sich im Palais im Großen Garten einem Genre zu widmen, dessen Entwicklung nun ganz entscheidend vom "Herzen Europas" gespeist wurde - dem Lied. Schubert ist in diesem Zusammenhang natürlich ein Muss. Unter dem modellierenden, nachspürenden, offen legenden Gesang Angelika Kirchschlagers erblüht die Finesse dieser Lieder: Ungemeine Sanftheit in den zarten Naturbeschreibungen von "Erlafsee", drohender Wahnsinn bei "Gretchen am Spinnrad", ein für den düsteren Text eigentümliches Tändeln im "Lied des Florin". Helmut Deutsch ist ihr dabei stets so nah, wie es irgend geht. Die unsichtbaren Antennen genauestens justiert, atmet er mit, bebt er mit, spricht er mit, lauscht jedem Ton nach, ihren wie seinen, um im selben Moment den nächsten schon in Gedanken zu formen, selbstbewusst und Treffgenauigkeit abwägend, wer wann das Sagen hat.

Beide konfrontieren das Publikum auch mit harten Kontrasten. Aufbruch, Frühlingslaune und Gedankenspiele überwiegen, auch in den folgenden Mahler-Liedern. Doch die Realität heißt "Irdisches Leben". Dramatisch und atemlos ist dieser Blick in den Abgrund, ein Schwert, das in den Wiener Schmäh von "Verlorener Müh" und "Lob des Hohen Verstandes" fährt. Vielleicht hätte dieses Lied noch einen Partner gebraucht, es stand so sehr eindrücklich, aber auch recht allein.

Nach der Pause Brahms und Liszt, nochmals eine Spielwiese für Kirchschlagers samtig-dunkel antichambrierten, geschmeidigen Mezzosopran, den sie - wo es passt - auch mal groß ausfährt. Geerdet und stolz etwa in Brahms' "Von ewiger Liebe", einer Opernszene nahekommend in Liszts "Vergiftet sind meine Lieder". In dessen "Es war ein König in Thule" ist sie den Runensängern auf der Spur, wie ein eindrücklicher Film zieht zum Schluss "Die drei Zigeuner" Metapherngebrauch vorbei.

Mit einem schlichten "Die Blümlein, sie schlafen" als zweite Zugabe geht ein Abend zu Ende, bei dem man zwei Jongleuren der Töne, Klänge und Farben gefesselt zuhören und -sehen durfte.

Sonnabend

Die Wiener Sängerknaben treten 18 Uhr in der Frauenkirche auf und interpretieren Werke von Haydn, Schubert, Strauß u.a. Die Forsythe Company wiederholt 20 Uhr im Festspielhaus Hellerau "Yes, we can't". Ebenfalls in der Frauenkirche sind 21.30 Uhr die Camerata Salzburg, Thomas Zehetmair (Violine und Leitung) und Ruth Killius (Viola) zu Gast. Es erklingen Werke von Mozart und J. S. Bach.

Ticketcentrale im Kulturpalast, Tel. 0351/486 66 66.

www.musikfestspiele.com

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 01.06.2012

Sybille Graf

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