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Dresdner Musikfestspiele: Die Geigerin Patricia Kopatchinskaja in der VW Manufaktur

Dresdner Musikfestspiele: Die Geigerin Patricia Kopatchinskaja in der VW Manufaktur

Nicht der Himmel hing voller Geigen, sondern die Decke voller Autos, als die aus Moldawien stammende und in der Schweiz lebende Geigerin Patricia Kopatchinskaja am späten Abend in der Gläsernen Manufaktur ihr Instrument ansetzte: Das blitzblanke "Allerheiligste", die Fertigung des VW Phaeton, als Kulisse für eine raffinierte Mischung aus Volksmusik der Karpatenregion und Musik der Moderne, die auf deren Motive antwortet.

Raffiniert insoweit, da Kopatchinskaja die Beliebtheit der Folklore, die sie in ihrer Familie parallel zur Klassik kennen lernte, geradezu ausnutzte, um bei anspruchsvoll Zeitgenössischem den Beweis anzutreten, wie fließend oft die Grenzen sind und wie überflüssig die Vorurteile gegen Neues.

Für den folkloristischen Rahmen waren die Eltern der Musikerin mit von der Partie: Mutter Emilia Kopatchinskaja spielte die zweite Violine, Vater Viktor Kopatchinsky war schon in der Sowjetunion ein bekannter Zymbalvirtuose, dazu kam der Kontrabassist Martin Gjakonovski. Sicher erfuhr die Volksmusik hier eine gewisse Veredlung, aber das Ursprüngliche und die farbige Tongebung blieben lebendig und dominierend.

Klangvorstellungen daraus mischte Patricia Kopatchinskaja in Bartóks "Rumänischen Volkstänzen" mit einem satten, sonoren Ton und spielte den Violinpart sehr frei über dem sicheren Grund der Klavierbegleitung von Mihaela Ursuleasa. So stellte sich der Effekt ein, dass die "gebändigte" Folklore ihre eigentliche Sprache zu einem Gutteil zurückerhielt. Fragen nach dem emotionalen Gehalt der Musik konnte es nie geben, denn Kopatchinskajas Mienenspiel zeigte die Charaktere der Stücke so klar, wie ihr Violinspiel.

Das Zymbal findet man schon jenseits der Sächsischen Schweiz, denn über Ungarn ist das Instrument bis in die tschechische Musik vorgedrungen. In den "Acht Duos für Violine und Zymbal" op.4 von György Kurtág (geb. 1926) zeigten Patricia Kopatchinskaja und Viktor Kopatchinsky, wie weit - selbst ins Geräuschhafte - sich das Spektrum einer solchen Volksmusikbesetzung spannen lässt. Bei Ravels Rhapsodie für Klavier und Violine "Tzigane" überwog wieder die "klassische" Idee, dennoch verwob die Solistin Seelenvolles und wild Virtuoses ganz selbstverständlich mit Urwüchsigem. In der Sonate für Violine und Klavier a-Moll von George Enescu bestimmten introvertierte, fast meditative Passagen, mit denen Kopatchinskaja noch eine weitere Spielart der aus Volksmusik gespeisten Moderne präsentierte, bevor sie am Schluss mit dem Familienensemble nochmals auf die unbearbeiteten Wurzeln zurückkam.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 29.05.2012

Hartmut Schütz

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