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Dresdner Musikfestspiele: Der Herr der Zahlen geht in den Ruhestand

Dresdner Musikfestspiele: Der Herr der Zahlen geht in den Ruhestand

Dass Dänen und Ostdeutsche sich bestens verstehen, ist spätestens seit der Olsenbande klar. Das unvergessliche Trio mit Egon, Benny und Kjeld hatte nirgendwo so viele Fans wie in der DDR. Eine ganze Generation wuchs mit den humorvollen Streichen der drei Gauner auf.

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Der Däne Kim Ry Andersen vor dem Logo der 35. Dresdner Musikfestspiele.

Quelle: dpa

Sprüche der Bande wie der Superlativ „großdänisch“ gerieten in den Sprachgebrauch der Ossis.

Apropos „großdänisch“: So ließe sich auch das Wirken eines Mannes beschreiben, der nach der Wende aus dem Norden in den Osten kam und hier im Klassikbetrieb mitmischte: Kim Ry Andersen (66) blieb zwar stets in der zweiten Reihe, ohne ihn lief aber gar nichts. 18 Jahre war er bei den Dresdner Musikfestspielen Verwaltungsdirektor und damit Herr über alle Zahlen.

Die Kunst wurde Andersen praktisch in die Wiege gelegt - im Februar 1946 kam er in Kopenhagen als Kind einer Opernsängerin und eines Arztes auf die Welt. Auf Betreiben der Mutter lernte er Geige, Klavier und Gesang. Nach dem Jurastudium arbeitete er als dänischer Regierungsrat im Justizministerium, dann im Kultusministerium - zuletzt als persönlicher Referent des Kultusministers. 1975 wechselte Andersen als stellvertretender Intendant ans Königliche Theater Kopenhagen. Weitere Posten in der Kunstszene Dänemarks folgten.

Das Königliche Ballett begleitete er auf Tour durch viele Länder der Welt und lernte so auch Grace Kelly kennen. Seine erste Begegnung mit Dresden rührt noch aus DDR-Zeiten her: Andersen kam mit dem Ballett zu einem Gastspiel in die Elbestadt. Nach der Wende ging er aber erstmal als Verwaltungschef und Vize-Intendant an das Opernhaus Halle, dem auch das Goethe-Theater in Bad Lauchstädt angeschlossen war. Seine spätere Frau Valerie war in Halle Operndirektorin und erinnert sich noch gut, als er im klapprigen VW vorgefahren kam.

Als die Dresdner Musikfestspiele - das bekannteste ostdeutsche Klassikfestival - einen erfahrenen Finanzmann suchten, wechselte Andersen 1994 von der Saale an die Elbe. Das Ehepaar empfand die Stadt mit ihren reichen kulturellen Traditionen als Schlaraffenland. „Ein guter Nährboden für Festspiele aller Art“, betont der Direktor und stellvertretende Intendant. Drei Chefs - Michael Hampe, Torsten Mosgraber und Hartmut Haenchen - hat er kommen und gehen sehen. Jetzt arbeitet er mit Jan Vogler zusammen und geht selbst - mit einem lachenden und weinenden Auge. „Wir schließen wieder mit einem Rekordergebnis bei den Eigeneinnahmen ab.“

„Die 18 Jahre in Dresden waren eine gute Zeit, aber auch eine harte Zeit. Denn seit 1995 haben wir bei den Festspielen immer wieder Kürzungen wegstecken müssen.“ Wahrscheinlich gebe es keinen Verwaltungsdirektor auf der Welt, der nicht irgendwann die Lust verspüre, das Handtuch zu werfen. Doch irgendwie habe er immer einen Ausweg gefunden. „Ohne dänischen Humor geht es jedenfalls nicht“, sagt der Jurist und liefert gleich eine Definition dazu. „Unser Humor ist hintergründig, versteckt. Ein Däne verstellt sich und übertreibt nicht.“ Vermutlich sind genau das Tugenden, die einen Mann wie ihn im manchmal schrillen deutschen Kulturbetrieb so erfolgreich machten.

Künstlerisch hat er in Dresden viele große Auftritte erlebt. Einer bleibt ihm für immer im Gedächtnis - das Sonderkonzert mit Cecilia Bartoli 2010 in der Frauenkirche. „Die Stimme, die Ausstrahlung; so einen Abend hatte ich noch nie erlebt.“ Als eigene Tugend hebt er die Hartnäckigkeit hervor, als Schwäche die bisweilen auftretende Ungeduld. Sechs Sprachen beherrscht Andersen fließend, auch das machte ihn zur Idealbesetzung. Solche Fähigkeiten hängt er nicht an die große Glocke, er pflegt eher das Understatement.

Was er künftig machen wird, verrät er noch nicht. „Nur am Morgen aufzustehen und überhaupt nichts zu machen - das kann ich mir nicht vorstellen. Ich habe einen Kilometer Bücher, die ich noch nicht gelesen habe und viele CDs, die noch nicht geöffnet sind.“ Die Mitglieder der Olsenbande hat er übrigens alle gekannt, viele Schauspieler aus den Filmen waren am Königlichen Theater angestellt. Mit Benny ist er noch heute gut befreundet.

Jörg Schurig, dpa

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