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Dresdner Musikfestspiele: Auftritte des Festspielorchesters und ein Konzert mit Jordi Savall

Dresdner Musikfestspiele: Auftritte des Festspielorchesters und ein Konzert mit Jordi Savall

Dafür, dass es so eine "Glückssache" ist mit "den Dingern", war am Ende verdammt viel Gutes zu hören. Die Hörner schraubten sich noch in der zweiten Zugabe im aufgeheizten Albertinum-Lichthof in schwindelerregende Höhen, als sei's die leichteste Übung, die Solo-Oboe erging sich in flirrenden Girlanden, da blieb dem Hörer längst die Luft weg.

Kein Zweifel, das Dresdner Festspielorchester versammelt grandiose Musiker. Aus zwölf Nationen kamen sie für dieses neuerliche Treffen nach der Gründung 2012, brachten ihre Erfahrung mit aus namhaften Alte-Musik-Ensembles - und ein bisschen Understatement.

Zu erleben schon im Werkstatt-Konzert im Palais im Großen Garten. Für wie viele Hörer nun neu war, was die Musiker über ihre historischen Instrumente erzählten - von der Ton-Erzeugung auf einem Horn ohne Ventile über die "Glückssache" Oboenspiel (O-Ton Solo-Oboist Michael Niesemann) bis zur mutmaßlichen Lebensdauer, die mit dem Stimmen von 24 Lautenseiten verrinnt - sei dahingestellt. Amüsant war es allemal. Konzertmeister Giuliano Carmignola kam auch vorbei, den schwarzen Anzug vergessen, die Stradivari zum Glück nicht, und gab einen Vorgeschmack auf ein einigermaßen bizarres Vivaldi-Violinkonzert.

Neben den instrumentalen Besonderheiten sollte natürlich auch Sinn und Zweck der Orchester-Gründung erläutert werden - die Wiederbelebung der einzigartigen Konstellation der Dresdner Hofkapelle, in der zur Zeit der sächsisch-polnischen Union die besten Musiker ihrer Zeit angestellt waren. "Dasjenige mit der ... vollendetsten Ensembleleistung" nannte es Jean-Jacques Rousseau. "Luxusorchester" sagt Dirigent Ivor Bolton zu dem, was sich auf den alten Spuren zusammengefunden hat.

Der Blick ins Gestern war diesmal fokussierter als noch im ersten Jahr, er zielte auf Musik aus jener Blütezeit. Als Quelle diente zunächst der legendäre "Schrank II", jene einzigartig geschlossene Musikalien-Sammlung aus dem Nachlass Johann Georg Pisendels. Ihren Wert, Inhalt und Aufarbeitung in gebotener Kürze zu erläutern, hatte sich Moderator Jan Vogler im Werkstattkonzert Manfred Fechner, den ehemaligen Leiter des Heinrich-Schütz-Archivs der Dresdner Musikhochschule, aufs Podium geholt. Im Konzert im Albertinum dann ließ sich ausführlich hören, was da so zu finden ist. Eine überaus opulente Ouvertüren-Suite von Johann Friedrich Fasch, ein nicht minder sprühendes Concerto Johann David Heinichens oder eben besagtes Violinkonzert von Vivaldi (RV 562), das der Geige wilde Tänze ebenso wie zarteste Arabesken einschreibt, auch das Orchester nicht gering fordert, und dabei viel verschlungenere Wege geht als etwa die berühmten "Vier Jahreszeiten". Ein Paradestück jedenfalls für den Zauberer Carmignola, der nach überstandenem Parforce-Ritt selber ein wenig ungläubig dreinschaute.

Um sich hernach wieder unter die Tuttisten zu reihen, denn die Konzertmeisterstelle, die hatte er diesmal seinem Kollegen Shunske Sato überlassen. Carmignola tat daneben gut gelaunt mit und erfreute sich, wie sehr offensichtlich all seine Kollegen, am Miteinander. Hier haben 33 Damen und Herren verdammt viel Freude am Musizieren; es sprüht und strahlt, hat Drive und Charme - die gelegentlichen Übertreibungen vom Vorjahr sind Vergangenheit.

Über die Linie Händels, dessen Ouvertüre zur "Wassermusik" (die in Ausschnitten das Finale des langen Abends markierte), fand man einen zweiten thematischen Schwerpunkt des Programms - Arien, die Händel in London dem von ihm aus Dresden abgeworbenen Kastraten Senesino auf die Stimme geschrieben hatte, sowie solche von Johann Adolph Hasse und Johann Christian Bach. Auf dieser Spielwiese tummelte sich mit großer Bühnenpräsenz, herausragender Stimmtechnik und viel Gestaltungswillen Countertenor Bejun Mehta, während das Festspielorchester mit dem energiegeladen zwischen Dirigat und Cembalospiel wechselnden Ivor Bolton willig auch auf diese Partnerschaft einging.

Am Ende des langen Abends lässt sich sagen: Das Festspielorchester hat Gesicht gezeigt. Indem seine Musiker näher ans Publikum rückten und Programm und Spiel schärferes Profil zeigten. Ob alles davon bis in die hinteren Reihen im Albertinum drang, bleibt fraglich. Schon in Reihe 7 waren die Mittelstimmen geschluckt, oft auch das Cembalo. Erst recht für Barock-Oboen und Laute ist dies sicher kein geeigneter Saal. Wohin aber sollte man das Orchester schicken, damit die Akustik annehmbar und die Zahl der absetzbaren Karten sinnvoll ist?

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 22.05.2013

Sybille Graf

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