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Dresdner Münzkabinett zeigt erstmals "Münzsammlung Horn"

Dresdner Münzkabinett zeigt erstmals "Münzsammlung Horn"

Die Dresdner und Münzfreunde aus ganz Deutschland haben bald die Gelegenheit, erstmals Teile der sogenannten "Münzsammlung Horn" zu besichtigen, um die sich der Freistaat Sachsen, die Stadt Meißen und die Horn-Stiftung jahrelang gestritten hatten: Das Dresdner Münzkabinett stellt ab dem 18. Oktober im Sponsel-Saal des Neuen Grünen Gewölbes eine Auswahl von 260 Stücken öffentlich vor - eine Premiere.

Auf unglaubliche 1,6 Millionen Euro schätzte Paul Arnold, von 1966 bis Juni 2002 Direktor des Dresdner Münzkabinetts, im Jahre 2007 den Wert der Ende der 1960er Jahre nach Dresden gelangten Münzsammlung des Meißner Weinhändlers und Kunstliebhabers Ernst Otto Horn. Horn hatte bis zu seinem Tod im Jahre 1945 etwa 65 000 Münzen und Medaillen zusammengetragen, von denen aber nach dem Krieg nur noch rund 46 000 auffindbar waren. In einer Akte aus den 1950er Jahren wurde die Sammlung als die wertvollste Münzsammlung innerhalb der DDR eingestuft.

Außer den Münzkabinett-Direktoren Paul Arnold und Rainer Grund hat in sächsischen Gefilden kein Mensch die Sammlung je gesehen. Das ändert sich nun mit der Exposition des Münzkabinetts. Zu sehen sind besonders qualitätsvolle und seltene Münzen und Medaillen aus dem 10. bis 20. Jahrhundert. Schwerpunkte bilden meißnisch-sächsische Gepräge des Mittelalters sowie neuzeitliche sächsische Münzen und Medaillen. Die durch Dokumente und Publikationen ergänzte Exposition gewährt einen Einblick in die Schönheit und Vielfalt einer ehemals privaten Münzsammlung von herausragender Bedeutung und würdigt auch die Verdienste Horns.

Dresden und Meißen als die Gewinner

Tatsache ist, dass sowohl das Dresdner Münzkabinett als auch die Stadt Meißen von Horns Nachlass profitieren. Das Münzkabinett konnte mit dem gezielten Ankauf von Teilen aus der Sammlung Horn zahlreiche spürbar empfundene Lücken in seinem Bestand schließen. Der Stadt Meißen wiederum kommen die Leistungen der in Meißen ansässigen Otto-und-Emma-Horn-Stiftung in vielfältiger Weise zu Gute.

Bereits 2011 stellte der Freistaat den Staatlichen Kunstsammlungen 500 000 Euro zur Verfügung, um einen ersten Teil der Sammlung Horn vom Sammlungseigentümer, der genannten Stiftung, zu erwerben. Der Kauf eines weiteren Teils für das Münzkabinett wurde 2012 und 2014 durch die Zuweisung von 600 000 Euro von der Fritz Rudolf Künker GmbH & Co. KG, mit Sitz in Osnabrück, in Verbindung mit der Stiftung des Ehepaares Rother möglich. Das Geld floss wieder in die Meißner Stiftungskasse, das Kabinett konnte weitere auf seiner Wunschliste stehenden Münzen und Medaillen erwerben.

Um den Jahreswechsel 2013/14 kaufte das Münzhaus Künker den verbliebenen "Rest" der Sammlung Horn von der Stiftung für 500 000 Euro auf. Davon kommt ein erster Teil durch Künker heute im Steigenberger-Hotel "Remarque" in Osnabrück zur Versteigerung, 2015 ein zweiter Teil. In einer Klausel hat Künker, so der Stiftungsverwalter Tom Lauerwald gegenüber DNN, zugesagt, den eventuell über 500 000 Euro hinaus erzielten Erlös der Stiftung zusätzlich zukommen zu lassen. Mit diesen Künkerschen Auktionen hört die Sammlung Horn auf zu existieren.

Die Anfänge der Sammlung Horn liegen um das Jahr 1920. Damals baute der sehr erfolgreiche Weinhändler Ernst Otto Horn seine umfangreiche private Sammlung von Münzen, Plastiken, Grafiken, Büchern, Gemälden, alte Fotografien und Uhren auf. Die ständige Inanspruchnahme von Experten-Beratung sicherte ein durchgängig hohes Niveau der Erwerbungen. In seinem Testament übereignete Horn den Großteil seiner Sammlungen einer nach den Namen seiner Eltern benannten Stiftung. Die Erlöse aus Sammlungsverkäufen sollten die finanzielle Grundlage der Stiftungstätigkeit bilden. Die Otto-und-Emma-Horn-Stiftung wurde zwar 1951 gegründet, aber bereits 1954 durch die Stadt Meißen wieder aufgelöst. Die Stadt eignete sich die Sammlung als Ausgleich für eine angebliche hohe Steuerschuld der Stiftung an. Im März 1954 schloss die Stadt Meißen mit dem Münzkabinett der Staatlichen Museen zu Berlin einen Dauerleihvertrag über die gesamte Hornsche Sammlung ab. Die Stadt wollte die Sammlung für Wissenschaft und Öffentlichkeit zugänglich machen, konnte aber in Meißen keine dafür geeigneten Räume finden. Ende der 60er Jahre gelangte sie in das Dresdner Münzkabinett, wo sie bis zum heutigen Tag auf Basis eines 1975 mit der Stadt Meißen geschlossenen Leihvertrages verblieben ist.

Nach dem Ende der DDR kam es zu einem langen Rechtsstreit zwischen der Stadt Meißen und dem Freistaat Sachsen bezüglich der 1998 restituier-ten Otto-und-Emma-Horn-Stiftung, der schließlich außerhalb der Gerichtsräume beendet wurde. Die 1997 wiederbelebte Otto-und-Emma-Horn-Stiftung hatte inzwischen ihre Ansprüche geltend gemacht. Die Stiftung bot dem Freistaat den Aufkauf der kompletten Sammlung an. Eine vom Münzkabinett erstellte "Wunschliste" enthielt in etwa 20 Prozent der Gesamtsammlung. Allerdings fehlte für deren Realisierung schlicht das Geld. Schließlich erfolgte der bereits genannte erste Teilkauf. Vereinbart wurde der Verbleib der Sammlung im Münzkabinett und deren vollständige Erfassung durch den Direktor. Seit Februar 2014 liegt eine digitalisierte Ausgabe über 46 043 Positionen vor, komplett mit Abbildungen der Münzen und Medaillen. Dem Freistaat wurde die Möglichkeit eingeräumt, weitere Teile der Sammlung später zu kaufen.

Die Otto-und-Emma-Horn-Stiftung hat die beträchtlichen Verkaufserlöse inzwischen ebenso solide wie ertragbringend, so der Stiftungsverwalter, angelegt. Sie habe ihre Tätigkeit bisher überwiegend aus der Bewirtschaftung der stiftungseigenen Immobilien finanzieren können.

Eine Stiftung wirkt für Meißen

Förderschwerpunkte sind gemäß des Hornschen Testaments Denkmalpflege und Denkmalschutz, Erziehung, kulturelle Zwecke und Altenhilfe. Zu den bisherigen Ergebnissen zählen Restaurierungsleistungen an Plastiken des Stadtmuseums, Förderung der Projektarbeit an der Jugendkunstschule, die Restaurierung der am Meißner Straßenbrückenkopf stehenden Postmeilensäule. Vor dem Verfall gerettet und saniert wurde das große Wohn- und Bürohaus am Baderberg 2. Es gehört ebenso der Stiftung wie weitere Grundstücke. Im Haus Baderberg 2 befand sich einst die Hornsche Likörfabrik. Die von Horn hinterlassene Gemäldesammlung kann im Meißner Stadtmuseum bewundert werden. Die Grafiken und alten Fotografien befinden sich im Stadtarchiv. Einen Teil der Sammlung alter Uhren hat die Stiftung versteigert.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 08.10.2014

Peter Weckbrodt

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