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Dresdner Lyrikpreis für Hartwig Mauritz

Dresdner Lyrikpreis für Hartwig Mauritz

Dresdner Lyrikpreises ist Hartwig Mauritz. Überwältigt nahm er am Sonnabendabend in der Villa Augustin den mit 5000 Euro dotierten Preis der Stadt entgegen, Höhepunkt des Poesiefestes "Bardinale".

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Elektrotechniker, Lyriker, Preisträger: Hartwig Mauritz.

Träger des 9. Seine Gedichte hatten die sechsköpfige deutsch-tschechische Jury durch ihre ungewöhnliche Verbindung von Naturwissenschaft, Technik und Poesie überzeugt.

Es sind lyrische Porträts von Forschern, Pionieren der drahtlosen Telegrafie, von Telefon und Fernsehen. "Dieses physikalische Weltbild erhält seine poetische Aufladung und Inspiriertheit durch einen gehörigen Schuss Metaphysik, der erst aus Nüchternem das Wunderbare, aus Wissenswertem den Zündfunken von Geheimnissen werden lässt, der den Gedichten ihr Ingenium verleiht", sagte der Vorsitzende der Jury, der Dichter Richard Pietraß, in seiner Laudatio. Er bezeichnete Mauritz als poetischen Nachfahren von Lyrikern wie Hans Magnus Enzensberger oder Lars Gustafsson und fügte hinzu: "Fasziniert von Grenzüberschreitungen im Wissensdurst wie im Lebenshunger, von Biografien und Lebensleistungen, die Türen öffneten in neue Erkenntnis- und Erlebnisräume, schreibt Hartwig Mauritz lakonisch und doch voller transzendenter Feinheiten, die uns zu fesseln vermögen in diesem Gedicht."

Wie, das demonstrierte Hartwig Mauritz noch einmal in den beiden Gedichten, mit denen er sich bedankte. Das erste hält jenen Weihnachtsabend 1883 fest, als Paul Nipkow als erster seine Eltern mittels einer sich drehenden Scheibe in Linien, Zeilen, Punkte zerlegte, übertrug und so Entfernungen kürzte. Das zweite beschreibt eine Kindheit im Klang des Röhrenradios. In beiden Texten lässt uns dieser Dichter tiefer über technische Phänomene von heute nachdenken - hochauflösendes Fernsehen zum Beispiel -, indem er uns an die Ursprünge führt.

Schließlich ist Hartwig Mauritz, der 1964 in Eckernförde geboren wurde und heute im niederländischen Vaals, unweit von Aachen, lebt, von Hause aus Techniker: Er hat Elektrotechnik studiert und unterrichtet seit 17 Jahren an einem Berufskolleg in Alsdorf. Das Außergewöhnliche jedoch ist, dass er Apparaten und physikalischen Vorgängen in präzisen Sprachkunstwerken eine poetische Deutung als Ereignisse zwischen Menschen gibt. Veröffentlicht hat er die Gedichtbände "Echogramme" (2004) und "biotope" (2008). Im kommenden Jahr, voraussichtlich im Frühjahr, soll ein neuer erscheinen, in der Lyrikedition 2000 (München), Titel: "rumor der frösche auf den dünnen flächen der physik".

Die fünf tschechischen und vier deutschen Lyriker, nominiert für das Lesefinale, waren ein starker Jahrgang. Ob Anna Brikciusova mit dichten, reichlich Assoziationsraum öffnenden Texten, Petr Cermacek mit seinen magischen Wortfügungen, Radek Fridrich mit poetischen Biografien kleiner Leute, Michal Sanda mit lyrischen Reflexionen über Kunst, Irena Stastna mit kühnen Sprachbildern, Thomas Böhme mit Rückblicken in die Kindheit, Daniela Danz mit Momenten zwischen Leben und Tod in Dorflandschaften oder Renatus Deckert mit feinfühliger Verbindung von Beobachtung und Selbstreflexion - auch sie hätten den Preis verdient.

Höchstes Niveau auch bei der Lesung dreier Dichter für das in Loschwitz vergebene neue Lyrikstipendium. Als erster "poet in residence" wird in eins der Gästezimmer im dortigen Kultur-Haus Loschwitz im Januar für drei Monate Carl-Christian Elze einziehen. Er ist Jahrgang 1974 und lebt in Leipzig. Jury und Zuhörer entschieden sich in der Abstimmung für seine musikalisch schwingenden Verse, die analytische Beobachtung und tieflotend-nachdenkliche Selbstbefragung verbinden. Demnächst soll von ihm ein neuer Gedichtband unter dem Titel "ich lebe in einem wasserturm am meer, was albern ist" bei luxbooks erscheinen.

Eine Entdeckung für die Zuhörer waren jedoch gleichermaßen der Deutsch-Amerikaner Paul-Henri Campbell mit seinen Versen, die Raumfahrtereignisse mythologisch deuten, und Roza Domascyna, die sich artistisch-tänzerisch zwischen deutscher und sorbischer Sprache bewegt. Tomas Gärtner

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 26.11.2012

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