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Dresdner Kupferstich-Kabinett zeigt Hieronymus Boschs Erbe

Dresdner Kupferstich-Kabinett zeigt Hieronymus Boschs Erbe

Ein lebensgroßer Narrenkopf mit Schellenkappe und verschrobenem Gesicht blickt dem Besucher direkt im ersten Raum der Ausstellung "Hieronymus Boschs Erbe" im Kupferstich-Kabinett Dresden entgegen.

Er beißt sich auf die Lippen und scheint mit der Welt um sich herum zu hadern. Dieser um 1560 von Philips Galle geschaffene, großformatige Kupferstich des "nachdenklichen Narren" bringt das Thema der gesamten Ausstellung auf den Punkt. Er, dessen Aufgabe es eigentlich ist, stets den Spaßmacher zu geben, stellt stellvertretend für seine Zeitgenossen des gesamten von Reformation, Glaubenskriegen und Inquisition geprägten 16. Jahrhunderts die Frage: Wer ist hier eigentlich der Narr?

Nur folgerichtig versteckten die Künstler jener Zeit ihre zeitkritischen Anspielungen vielfach hinter vermeintlichen Kopien ihres berühmten Vorgängers Hieronymus Bosch, der bis 1516 gelebt und somit das große Hochkochen der Reformation und all ihrer Folgeerscheinungen gerade so nicht mehr erlebt hat.

Bis heute sei das Erbe Hieronymus Boschs aktueller denn je, meint der scheidende Direktor des Kupferstich-Kabinetts, Bernhard Maaz, mit Blick auf das Phantastische in Boschs Werk, das bis weit in das 20. Jahrhundert hinein die Künstler inspirierte. Zudem wird im kommenden Jahr der 500. Todestag des großen Niederländers begangen. Die Dresdner Ausstellung, die in dieser Form dann auch in Luxemburg zu Gast sein wird, gibt hier also gewissermaßen den Startschuss für einen weltweiten Ausstellungsreigen.

Der Bestand des Dresdner Kupferstich-Kabinetts braucht sich dabei nicht zu verstecken. Mit Stolz beschreibt Kurator Tobias Pfeifer-Helke, der selbst nur noch Gast in Dresden ist, weil er mittlerweile in den Schweriner Kunstsammlungen eine bleibende Aufgabe gefunden hat, die herausragende Qualität der meisten Blätter, die sich zudem sehr gut mit einzelnen Stücken der anderen Sammlungsbereiche der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden ergänzen ließen und somit kaum Leihgaben erforderlich machten.

Initialzündung zur Vorbereitung dieser Ausstellung war letztlich die Neuerwerbung des von Cornelis Cort nach Hieronymus Bosch geschaffenen "Endzeit"-Triptychons im Jahr 2012. Der dreigeteilte Kupferstich mit der Himmel-, Hölle- und zentralen Endzeitdarstellung hatte "für eine nicht unbeträchtliche Summe" - so Maaz, ohne ins Detail gehen zu wollen - über den Kunsthandel den Weg nach Dresden gefunden.

Auf vielen Stichen, die von dem Kuratorenteam um Pfeifer-Helke "klug und wohldosiert an die Wände gebracht" worden sind, herrscht auf den ersten Blick ein heilloses Durcheinander. In boschesker Manier tummeln sich in den fünf thematischen Ausstellungsräumen - zur berühmten Antwerpener Verlegerwerkstatt des Hieronymus Cock, zu den Tugenden und Todsünden, zu Visionen und Träumen, zum "Endzeit"-Triptychon sowie zu Monstern und Zwergen - groteske Mischwesen in bizarren Posen, die vielfach direkt aus einem Albtraum entsprungen zu sein scheinen. Kann man sich dabei ohnehin schon in dem Detailreichtum verlieren, gibt es zusätzlich zu vielen Stichen noch eine spannende Geschichte zu erzählen. So behauptet beispielsweise der berühmte Stich "Die großen Fische fressen die kleinen" des später mindestens genauso berühmten Pieter Bruegel d.Ä. per Signatur eine Bilderfindung Hieronymus Boschs zu sein, einfach nur, weil dieser zu jener Zeit bekannter und somit besser verkäuflich war als der dazumal noch junge Bruegel.

Wer aufmerksam ist, wird vielen boschesken Motivtraditionen immer wieder begegnen - sogar als Schwarzgravur auf dem ausgestellten Nau- tiluspokal aus dem Grünen Gewölbe. Selbst die gewohnt ansprechende Ausstellungsarchitektur nimmt in einigen Räumen durch ornamentale Tapetenoptik direkten Bezug auf das Dar- gestellte, indem hier das Grotesken- motiv eines ausgestellten Stichs vereinfacht und hundertfach wiederholt auftaucht.

Hieronymus Boschs Erbe, Kupferstich- Kabinett Dresden (Residenzschloss), bis 15. Juni. Am Freitag, 16 Uhr, findet eine Kuratorenführung mit Dr. Tobias Pfeifer-Helke statt. Der Katalog zur Ausstellung kostet 24,90 Euro.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 19.03.2015

Susanne Magister

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