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Dresdner Kulturausschuss zweifelt an 1,7 Millionen Euro jährlich für Forsythe-Company in Hellerau

Dresdner Kulturausschuss zweifelt an 1,7 Millionen Euro jährlich für Forsythe-Company in Hellerau

Auf Antrag von CDU-Stadträtin Christa Müller hat Dresdens Kulturausschuss am Dienstagabend ohne Gegenstimme das Thema William Forsythe vertagt. Kulturbürgermeister Ralf Lunau (parteilos) wollte den Vertrag mit dem US-amerikanischen Avantgarde-Tänzer und Choreografen ab 1. Januar 2014 bis zum 31. Dezember 2016 mit Verlängerungsoption bis 2018 verlängern, was die Stadt jährlich 1,5 Millionen Euro plus 200 000 Euro für Unterkunft und sonstige Aufwendungen kostet.

Forsythe verdiene im Schnitt an einem Abend so viel wie fast die komplette Förderung für über 50 Kulturprojekte im zweiten Halbjahr in Dresden, vergleicht Rat Wilm Heinrich (SPD). Natürlich solle und müsse es in Hellerau modernen Tanz geben. Aber den könne man anders, besser, präsenter fördern, ohne so viel Geld in eine Forsythe Company gGmbH zu stecken. Zu viele andere Projekte blieben dabei auf der Strecke, meint Heinrich.

So viele Freischaffende hätten arg zu knapsen. "Müssen es 1,5 Millionen sein", fragt auch Christiane Filius-Jehne von den Grünen. Könne man nicht davon etwas umschichten zugunsten vieler anderer? "Nein", entgegnete der oberste städtische Kulturverwalter Lunau im Ausschuss. Dresden sei nur Teil einer Kooperations-Vereinbarung zwischen dem Freistaat Sachsen, dem Land Hessen sowie der Stadt Frankfurt am Main. Außerdem gehöre diese Abmachung mit zum Hauptstadtkulturvertrag. Der wäre gefährdet, wenn Dresden nicht seinen Zuschuss leiste.

Das konnte die Zweifel der Kulturstadträte nicht beseitigen. Im Gegenteil: Antworten der Verwaltung auf Fragen von Wilm Heinrich nähren diese Zweifel. So sanken die Besucherzahlen von 5489 (für 36 Aufführungen) im Jahr 2007 auf 2751 (für 27 Aufführungen) 2009. Im vergangenen Jahr kamen 3013 Besucher zu Forsythes 25 Inszenierungen. Doch nicht nur die gesunkenen Besucherzahlen stießen den Stadträten auf. Während Forsythe 2010 noch neun Workshops für Schüler, öffentliche Künstlergespräche und Einführungsgespräche gegeben hat, waren es 2011 nur noch drei. "Ein bisschen wenig für so viel Geld", findet SPD-Stadtrat Heinrich, der nun auf eine breite Diskussion hofft.

Der Zeitplan dafür ist eng gestrickt. Am 12. Juli soll der Stadtrat entscheiden, damit Forsythe auch die Verträge mit seinen Tänzern verlängern könne, hieß es im Kulturausschuss. Am Montag wird der Finanzausschuss zum Thema Vertragsverlängerung tagen, der Kulturausschuss wird am Tag der Stadtratssitzung zu einer Sondersitzung zusammenkommen. Christa Müller hat unterdessen schon - trotzt Vertagungsantrag - Zustimmung zu dem Forsythe-Konstrukt signalisiert. Ob die Mehrheit für Forsythe tatsächlich steht, ist indes zumindest sehr fraglich geworden. Ralf Redemund

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 28.06.2012

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