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Dresdner Künstler stellen in der Kulturhauptstadt Wroclaw aus

Bildende Kunst und bildstarker Tanz Dresdner Künstler stellen in der Kulturhauptstadt Wroclaw aus

Die Orte könnten unterschiedlicher nicht sein. Die Anlässe für eine Reise in Dresdens älteste Partnerstadt auch nicht. Wrocałw, die europäische Kulturhauptstadt dieses Jahres, bietet ein wahrhaft reiches Kulturprogramm und gibt sich dabei weltumspannend international. Dass Dresden mit Beiträgen präsent ist, versteht sich, seit 1959 verbindet die beiden Städte eine Partnerschaft.

Nadine Baldow: „This Is Not A Rosegarden“.

Quelle: Nadine Baldow

Wroclaw. Die Orte könnten unterschiedlicher nicht sein. Die Anlässe für eine Reise in Dresdens älteste Partnerstadt auch nicht. Wrocałw, die europäische Kulturhauptstadt dieses Jahres, bietet ein wahrhaft reiches Kulturprogramm unterschiedlicher Genres und Facetten und gibt sich dabei weltumspannend international. Dass Dresden mit Beiträgen präsent ist, versteht sich, seit 1959 verbindet die beiden Städte eine Partnerschaft.

In den letzten Jahren konnte diese Zusammenarbeit noch einmal intensiviert werden, darauf verweist Dresdens Kulturbürgermeisterin Annekatrin Klepsch (Linke) in ihrem Grußwort zur Eröffnung einer außergewöhnlichen Ausstellung in der Kulturbrauerei hin, einem so originellen wie passenden Zentrum und Treffpunkt der freien Künste von Wrocałw für die groß dimensionierte Ausstellung „OSTRALE weht ODER“, die noch bis zum 31. Juli dort Arbeiten von mehr als 80 Dresdner Künstlern und Künstlergruppen präsentiert.

Diese Präsentation ganz unterschiedlicher, sicher auch kontrovers zu betrachtender und zu akzeptierender Beiträge sieht die Kulturbürgermeisterin aber auch als Anlass zu betonen, dass in Zeiten, in denen man Tendenzen der offiziellen Politik des Nachbarlandes aufmerksam und besorgt verfolgt, es die Aufgabe der Künste ist, Horizonte zu weiten und die Ideen eines solidarischen Europas nicht zu gefährden oder gar aufzugeben.

Anregungen, über Identitäten, Toleranz, Zwischenmenschlichkeit und Offenheit nachzudenken, bietet diese Ausstellung aus Dresden in reichem Maße. Allein schon der Ort mit seinen Besonderheiten verbindet Vergangenes und Gegenwärtiges und weist in die Zukunft.

So fragt Frank Herrmann in seiner Installation „Wundermaschine“, ob es uns gelingen wird, den „Tanz der Rivalen irgendwann nur noch als belustigendes Relikt zu betrachten“, oder ob er immer wieder von Neuem beginne.

Ein spukhaftes Spiel mit Machtstrukturen und Ideologien, mit Werten in der Kunst bietet die Installation der Künstlergruppe „Modern Trust“ an besonderem Ort, denn erstmals werden die Becken genutzt, in denen einst Bier gärte. Jetzt wirft der Besucher einen Blick in die Tiefe der Architektur und wandert gewissermaßen durch ein Labyrinth der Kunstideen. Was hier nur beispielhaft genannt sein kann, steht stellvertretend für das weite Spektrum, in dem die Dresdner so gut wie alle Facetten zeitgenössischer bildender Kunst präsentieren.

Ortswechsel, Szenenwechsel, Wechsel der Genres, von der alternativen Kunstszene Wrocławs in die der Hochkultur. Hinter dem Opernhaus im historischen Zentrum der Stadt ist das neue nationale Forum der Musik entstanden. Ein Konzertsaal in beeindruckender Architektur mit hochgelobter Akustik. Gestern gastierte dort das London Symphony Orchestra mit dem Dirigenten Antonio Pappano und fünf Tag später dirigiert Semyon Bychkov die Wiener Philharmoniker.

Neben einem Kammermusiksaal gibt es als weitere Aufführungsorte den roten und den schwarzen Saal für besondere Formate, die nicht nur der Musik vorbehalten sind.

Bemerkenswert ist hier das Gastspiel des Anarchy Dance Theatre aus Taiwan mit der Choreografie „Second Body“ von Jeff Chieh-hua Hsieh. In einer so raffinierten wie kunstvollen Zusammenführung aus beeindruckenden Sounds, artifiziellen Lichtinstallationen und kraftvoller, dennoch stets sensibler Körpersprache der Tänzerin Shao-chin Hung entsteht ein dynamisches Gesamtkunstwerk. Und wenn nach gut 45 Minuten das Licht erlischt, der Klang verebbt, die Tänzerin ihre Bewegungsintentionen zum Anfang zurückführt und zurückkehrt in die Stille, dann ist man um eine spirituelle Erfahrung kraft der Konzentration und der Fantasie reicher, erschaffen durch diese außergewöhnliche Choreografie eines vergänglichen Gesamtkunstwerkes, dessen Erlebnis von lang anhaltender intensiver und assoziationsreicher Nachwirkung ist. Die Company aus Taiwan wird ihr multimediales Projekt schon in den nächsten Tagen in Moskau und dann in Paris präsentieren.

Im Rahmen der Sächsischen Kulturtage, die am 6. Juni in Wrocław beginnen, werden weitere Künstlerinnen und Künstler aus Dresden dort zu Gast sein. Das Derevo-Tanztheater zeigt seine Improvisationen unter dem Titel „Der letzte Clown auf Erden“. Claudia Reh bietet eine Lichtinstallation, das Dresdner Kurzfilmfestival präsentiert ausgewählte Preisträgerfilme, zu den Literarischen Stimmen aus Sachsen gehören u.a. Utz Rachowski und Roman Israel. Das Philharmonische Kammerorchester wird in seinem Gastspielprogramm Werke der polnischen Komponisten Mieczysław Karłowicz, Wojciech Kilar und Grazyna Bacewicz aufführen, bevor Cie.Freaks und Fremde im Teatr ad Spectatores mit „Loving the Alien“ und „Freakshow“ zum Ausklang dieser Kulturtage ganz besondere Grüße aus Dresden überbringen wird, denen sich die engagierten Musiker der Banda communale anschließen.

Als Annekathrin Klepsch zur Eröffnung der Ausstellung der Ostrale in Wrocław schon mal einen Blick in die Zukunft wagte und ihren Wünschen freie Bahn ließ, konnte sie sich gut vorstellen, dass im Jahr 2025, wenn dann Dresden reif dafür sein könnte, eine Kulturhauptstadt Europas zu werden, ganz selbstverständlich die Künstler der polnischen Partnerstadt in hohem Maße an der Elbe präsent sein werden.

Von Boris Gruhl

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