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Dresdner Künstler in Salzgitter

„präsenz Dresden“ Dresdner Künstler in Salzgitter

Im niedersächsischen Salzgitter erregt zur Zeit die Ausstellung „präsenz Dresden“ Aufmerksamkeit. Mit der neuen Reihe „präsenz“ soll der Blick auf das künstlerische Geschehen ganz Deutschlands gerichtet werden. Sachsen mit seiner Hauptstadt Dresden eröffnet die Folge.

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Blick in die Ausstellung in den Städtischen Kunstsammlungen Salzgitter Schloss Salder mit Arbeiten von Christine Schlegel und Konstanze Feindt Eißner.

Quelle: Jördis Lademann

Salzgitter. Im niedersächsischen Salzgitter erregt zur Zeit die Ausstellung „präsenz Dresden“ Aufmerksamkeit. Im Bauensemle des Renaissanceschlosses Salder gibt es einen regen städtischen Kulturbetrieb, als dessen Höhepunkt der vor über 25 Jahren von Alexander Baier begründete, jährliche „Salon Salder – Neues aus niedersächsischen Ateliers“ gilt, welcher die neuesten Werke niedersächsischer Künstler vorstellt. Mit der neuen Reihe „präsenz“ soll der Blick auf das künstlerische Geschehen ganz Deutschlands gerichtet werden. Sachsen mit seiner Hauptstadt Dresden als eine der Kultur- und Kunstmetropolen Deutschlands eröffnet die Folge. Wo steht dort die Bildende Kunst heute? Eine Antwort versucht die Ausstellung „präsenz Dresden“ zu geben.

Auf rund 700 Quadratmetern präsentieren 21 Künstler und Künstlerinnen aus dem Großraum Dresden mehr als 100 Werke: Malerei, Graphik und Plastik. Vor allem Vertreter der mittleren Generation, die über die Grenzen Sachsens hinaus Gewichtiges zu sagen haben, sollten zu Wort kommen, so die Kuratorinnen Jördis Lademann und Britta Kayser.

Vorbei an einer ständig installierten Arbeit von Emil Cimiotti fällt der Blick beim Eintritt in die Halle auf Skulpturen des wohl erfahrensten der beteiligten Künstler, Helmut Heinze, der sein Lebenswerk der figürlichen Plastik gewidmet hat. Ein Entwurf vom „Chor der Überlebenden“ sticht hervor, der in seiner vergrößerten Ausführung im Jahr 2012 der Dresdner Partnerstadt Coventry übergeben wurde und in der neuen Kathedrale als Zeichen der Versöhnung ihren Platz gefunden hat. Malerisch entfacht Olaf Amberg ein wahres Farbenmeer, legt Farbfläche an Farbfläche der Dresdner Skyline. Ulla Andersson bannt Landschaften und Figürliches auf die Leinwand, will keine Geschichte erzählen, sondern Allgemeingültiges finden. Aus sehr unterschiedlichen Materialien erstellt Bildhauer Lothar Beck seine eleganten Figuren, deren auf Glanz polierte Partien sich aus rau belassener Ummantelung heraus schälen. Anette von Bodecker entwirft in ihren Gemälden eine Märchenwelt. Blau, Orange oder Grün sind dominierende Farben. Beate Domansky untersucht das Beziehungsgeflecht von Mensch, Umwelt und Tier: Ein Wolf, an einer befahrenen Straße durch eine Winterlandschaft ziehend, weist auf das aktuelle Thema der Wiederzulassung von ausgerotteten Wildtieren in unserer Industriegesellschaft. Wird es gelingen, ist es gewünscht?

Die Stillleben Klaus Drechslers sind keine Produkte eines untergegangenen Genres, keine Werke des Rückzugs in eine scheinbar heile Welt. Die farbmächtigen Algraphien laden ein zum Genuss, weisen aber auch auf Vergänglichkeit. Mit hellen, kontrastierenden Farben entwirft Konstanze Feindt Eißner ihre dynamischen Figuren. Ihre Skulpturen aber zeigen sich gefangen in geschlossenen Formen. Freilichtmaler Sebastian Glockmann beobachtet von Frühjahr bis Herbst landschaftliche Motive. Seine höchst expressiven und impressionistischen Werke scheinen alles Gegenständliche aufzulösen, doch fernwirksam fügen sie sich wieder zum Bild. Märchenhafte Träume von einer gerechten Welt hat Michael Horwath zu Bildern verarbeitet. Aus Holz schlägt Marion Kahnemann ihre oft auf literarische Vorbilder anspielenden Figuren. Elektronikmüll und anderen Abfällen vervollkommnen ihre sinnbildhaften Werke. Die Poesie des Alltäglichen, ja, Familiären, nimmt Britta Kayser auf und verleiht damit Augenblicken Dauer. Das von ihr gezielt eingesetzte Licht hebt Höhepunkte hervor.

Anfang des 18. Jahrhunderts gelang es Johann Friedrich Böttger in Sachsen, Porzellan herzustellen. Sylvia Klöde, selbst jahrelang in der Meißner Porzellanmanufaktur beschäftigt, knüpft an die klassischen Meißen-Plastik an und führt mit delikaten Büsten das sehr spezielle Material in die Gegenwart.

Die große Dynamik ausstrahlenden malerischen Arbeiten von Hans Kutschke stellen, Literarisches und Mythologisches verarbeitend, immer wieder Menschen in den Mittelpunkt seines Schaffens. Von Hanif Lehmann springt neben den grafischen Arbeiten sofort das Bildnis „Fatima“ ins Auge. Seine Porträts, die auf den ganzen Menschen schauen, finden die individuellen Züge, die eine Person einmalig und unverwechselbar machen. Christian Lifka erzeugt mit abstrakten, nah am Gegenständlichen liegenden Gesten auf Papier große Spannung. Die imposanten, archaisch anmutenden Tierplastiken Johannes Makolies’ fixieren den Betrachter auf humorige Art, lassen ihn nicht aus den Augen. Hingegen bannt Uwe Peschel Menschen und umgebende Landschaften auf die Leinwand. Er schafft, so Lademann, „ausdrucksstarke atmosphärische Impressionen einer alten Kulturlandschaft, die von Ehrfurcht vor dem Leben sprechen und dem Verantwortungsbewusstsein, das er als Künstler übernommen hat.“ Narren, Marionetten und „Fremdgelenkte“ von Christine Schlegel lassen einen kritisch-unangepassten Hintergrund erkennen. Natürliche Anmut strahlen die sehr feminin empfundenen Arbeiten von Gudrun Trendafilov aus. Die Themen Almut Zielonkas spiegeln Probleme unserer Gesellschaft, besonders einprägsam der Bettler. „Ihre Bilder drängen nach Besinnung auf elementare Werte, (…) nach Frohsinn, Gewaltlosigkeit und die aus der Mode gekommenen Prinzipen von Güte, Mitleid und friedlichem Neben- und Miteinander von Mensch, Tier und Pflanzen“, resümiert die Kuratorin.

Die Eröffnung der Ausstellung übernahm Bürgermeister Stephan Klein voll Begeisterung über die vielseitige Aktualität der sächsischen Werkschau, die ohne kurzatmige tagespolitische Hysterie die Stimmungslage einer Stadt sehr authentisch vermittle. Ein Grußwort sprach, als Senior-Teilnehmer, auch Prof. Helmut Heinze.

Bis 24. April, Städtische Kunstsammlungen Salzgitter Schloss Salder, Museumsstraße 34, Salzgitter, Di-Sa 10-17 Uhr; So 11-17 Uhr. Nach Anmeldung können Führungen durch die Ausstellung gebucht werden (Tel.:05341-839-4613). Reich bebilderter Katalog mit Fotos von Herbert Boswank.

Unser Autor Dr. Jörg Leuschner, ist Leiter des Fachdienstes Kultur der Stadt Salzgitter a. D. und wesentlicher Mitinitiator der neuen Ausstellungsreihe.

Von Jörg Leuschner

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