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Dresdner Künstler im Blick – Ein Porträtfotoband von Gabriele Seitz

Kunst im Porträt Dresdner Künstler im Blick – Ein Porträtfotoband von Gabriele Seitz

Seit einigen Monaten ist ein umfangreicher Porträtfotoband von Gabriele Seitz auf dem Markt. Die in Radebeul lebende Fotografin hat in ihrer vierten Publikation Dresdner Künstler „in den Blick“ genommen, wobei man die Verortung nicht zu eng sehen sollte.

Gabriele Seitz porträtierte unterschiedliche Dresdner Künstler.

Quelle: Canaletto

Dresden. Seit einigen Monaten ist ein umfangreicher Porträtfotoband von Gabriele Seitz auf dem Markt. Die in Radebeul lebende Fotografin hat in ihrer vierten Publikation Dresdner Künstler „in den Blick“ genommen, wobei man die Verortung nicht zu eng sehen sollte. Der Bogen spannt sich selbstverständlich in die Region – etwa nach Radebeul, Meißen, Freital, Pirna. Manchmal allerdings scheint der Bezug zu Dresden doch eher dünn, weder durch den Arbeitsort noch durch die Ausbildung fundiert (Peter Zaumseil, Jan Oelker, Ines Margret Lenke). 207 Künstler sind abgelichtet – mehr als die „190 +9“ im Buchtitel genannten. Im Nachwort erfährt man, dass das Zahlenspiel der Vorliebe der Fotografin für die „Neun“ zu verdanken ist. Gleich aber ob 199 oder 207 - die Anzahl der besuchten Künstler spricht für einen erheblichen Aufwand für das vom heimischen Typostudio SchumacherGebler betreute, im wörtlichen Sinn gewichtige und schöne Buch.

Seitz setzt mit analoger Kamera und Schwarz-Weiß-Rollfilm besonders auf die Erfassung der Gesichter, vertraut dabei auf das Spiel mit Licht und Schatten. Oft lässt sie den Hintergrund im Dunkel. Manchmal bezieht sie den Körper ganz oder partiell ein. Für den, der wie die Autorin die meisten der Abgelichteten kennt, zeigen die Aufnahmen häufig etwas Vertrautes - eine Persönlichkeit, die man auch so erlebt hat. Mitunter allerdings droht diese zu entschwinden. Das betrifft einige der nicht so häufigen, das Umfeld, etwa das Atelier, einbeziehenden Bilder. Sie rücken den Künstler verschiedentlich zu weit weg. Das ist besonders dann nicht so befriedigend, wenn dieser mit nur einer Aufnahme vertreten ist wie etwa Jochen Fiedler (S.57).

Auf den umfangreichen Bildteil folgen rund sechzig Seiten mit den auf Hauptpunkte konzentrierten Biografien, die Gabriele Seitz zusammenstellte, sowie kurzen, aussagefähigen Texten zum Schaffen der Abgelichteten. Überwiegend hat letztere der unter anderem von regelmäßigen Veröffentlichungen in den DNN bekannte Autor Heinz Weißflog verfasst, von dem zudem der essayistische Beitrag „Licht in den Augen“ stammt. Mitunter schrieben Künstler auch über sich selbst, selten, vielleicht zu selten, taten dies andere Sach- und Fachkundige. Ein wenig ärgerlich sind ein paar Ungenauigkeiten in den Biografien wie den Maler und Dichter im Böttcher-Freundeskreis Winfried Dierske betreffend, der im Buch als J. Dieske (S. 281) vermerkt ist. Jürgen Böttcher wiederum nennt sich als Maler Strawalde (ebenda), um dies vom Filmer zu trennen.

Bilder und Texte zusammen dürften gleichwohl für viele Kunstfreunde ein ansehbares und informatives Kompendium zur heimischen Szene bieten, das zum dauernden Begleiter werden kann, zum ergänzenden Hintergrund für Ausstellungsbesuche, zur Anregung weiter zu schauen. Zweifellos handelt es sich um eine verdienstvolle Zusammenstellung zur aktuellen Dresdner Künstlerschaft, wobei vor allem der ältere Teil zu seinem Recht kommt. Die unter 45/40 sind mit der Zahl 15 sehr knapp vertreten, insofern ist das Bemühen um einen „Schulterschluss der Generationen“, von dem die Geschäftsführerin des Neuen Sächsischen Kunstvereins und Galeristin Karin Weber in ihrem Textbeitrag schreibt (vgl. S. 181), sichtbar, aber nur bedingt erreicht. Andererseits ist „Dresdner Künstler im Blick. In 190 + 9 Ateliers“ – auch das ist verdienstvoll – unbeabsichtigt zum Erinnerungsbuch an Sigrid Artes, Gottfried Körner, Ernst Lewinger, Horst Hille, Dieter Melde und Werner Wittig geworden, verstarben die Genannten doch während der Entstehung des Bandes oder kurz nach dessen Erscheinen.

Bei aller positiven Bewertung des umfangreichen Unternehmens, das im Buch selbst durch den vormaligen Dresdner Kulturbürgermeister Ralf Lunau sowie Lieselotte Rojas Sonoja (Galerie Felix), die dem Erscheinen des Bandes im Herbst 2015 eine Ausstellung widmete, und Karin Weber eine Würdigung findet, fällt eine gewisse konzeptionelle Unentschiedenheit auf. Es wurde schon erwähnt, dass Seitz überwiegend mit dem „normalen“ Porträt arbeitet. Gleichwohl gibt es von einer Reihe Künstlern Atelieraufnahmen beziehungsweise beides. Wenn sich die Fotografin auch teils an den Wünschen der Aufgenommenen orientierte, wie man in ihrem Nachwort erfährt, bzw. sie den drei vor Erscheinen Verstorbenen bewusst eine Ausklappseite widmete, so fördert dies den Eindruck der Unentschiedenheit.

Da es sich um bildende Künstler handelt, ist das Atelier oder der Bezug zum Werk eigentlich unverzichtbar, unbesehen dessen, dass die präsentierten Menschenbilder oft sehr beeindrucken – etwa das von Grandseigneur Karl-Heinz Adler - oder anrühren wie die Aufnahme Leonore Adlers mit einer der von ihr verehrten Katzen.

Ob es für einen Fotoband über Künstler aber reicht, häufig allein in den Texten über deren Kunst einiges zu erfahren? Man möchte doch zumindest andeutungsweise etwas von ihr sehen, wie es etwa im Falle von Uli Eisenfeld, Helmut Heinze, Günter Hein, Elke Hopfe, Matthias Jackisch oder Jürgen Wenzel möglich ist. Und ganz besonders gilt dieser Wunsch für jene, die – und deren Zahl ist im Buch recht groß, was ein Verdienst ist – weniger bekannt sind. Allerdings sollte die Kunst nicht nur Hintergrund“tapete“ sein, wie beispielsweise auf den Fotos mit Christiane Latendorf, Stefan Plenkers, Detlef Schweiger oder Gudrun Trendafilov. Freilich besteht eine Schwierigkeit bezüglich der Maler: Man sieht ihre Werke nur in Schwarz-Weiß. Aber das kennt man auch von vergleichbaren Künstlerbüchern, die den Menschen durchaus in den Mittelpunkt stellen, aber ihn zugleich in Bezug zu seiner Arbeit zeigen.

Aus Sicht der Schreiberin ist das Fotobuch „Dresdner Künstler im Blick“ einerseits verdienstvoll und beeindruckt mit vielen seiner Aufnahmen. Andererseits erfüllt es, wie beschrieben, wohl nicht alle Erwartungen, die man an ein solches Kompendium hat. Wer sich selbst einen ersten Eindruck verschaffen möchte, dem sei ein Besuch der Stadtgalerie Radebeul empfohlen, die derzeit die Ausstellung „Radebeuler Künstler im Porträt – Gabriele Seitz“ zeigt. Vielleicht greift ja danach der eine oder andere erfreulicherweise auch zum Portemonnaie, um das Buch bei sich zu haben.

Ausstellung „Radebeuler Künstler im Porträt – Gabriele Seitz“, Stadtgalerie Radebeul bis 6. März, Di, Mi, Do, So 14 – 18 Uhr

Buch: Gabriele Seitz: Dresdner Künstler im Blick. In 190 + 9 Ateliers. Porträtfotografie von Gabriele Seitz, Typostudio SchumacherGebler, Dresden 2015, Hardcover, 350 Seiten, ca. 240 Schwarz-Weiß-Fotos, 39 Euro; ISBN 978-3-941209-36-7

Von Lisa Werner-Art

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