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Dresdner Kreuzchor sucht junge Talente

Dresdner Kreuzchor sucht junge Talente

Jannis Philipp ist die Ruhe in Person. Keine Spur von Lampenfieber. Dabei muss der Neunjährige gleich eine öffentliche Chorprobe beim Dresdner Kreuzchor absolvieren - vor fast 200 Eltern und gemeinsam mit knapp 150 Knaben, von denen die meisten eine Karriere bei den Kruzianern anstreben.

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Jannis Philipp will unbedingt im Dresdner Kreuzchor singen.

Quelle: Norbert Millauer

„Ich will unbedingt im Dresdner Kreuzchor singen, und ich schaffe das auch“, sagt Jannis selbstbewusst.

Es war Weihnachten 2011, als der Junge den Kreuzchor auf einer DVD entdeckte. „Danach hat sich Jannis die DVD immer wieder reingezogen“, erinnert sich seine Mutter Claudia Philipp. Und irgendwann hat der Junge klargestellt, dass er in diesem Chor mitsingen will. Zu jener Zeit lebte die Familie in Bern in der Schweiz. Jannis sang im Chor des dortigen Münsters, war aber in der Schule nicht so richtig glücklich.

Deshalb hat sich die Familie schließlich entschieden, ihrem Sohn zuliebe in ihre sächsische Heimat zurückzukehren. Der Vater ist als Ingenieur in Bern geblieben und kann seine Frau und die drei Söhne nur noch alle zwei Wochen sehen. Mutter Claudia, eine ausgebildete Diplom-Musikerin und freiberufliche Geigenlehrerin, hat Jannis wegen seiner Chorambitionen in Musiktheorie und am Klavier unterrichtet.

Entscheidung fällt im Mai

Seit vergangenem Spätsommer besucht der Junge nun schon die 3. Klassenstufe einer speziellen Vorbereitungsklasse, in der die Knaben neben dem regulären Unterricht eine musikalische Ausbildung in Vorbereitung auf den Kreuzchor erhalten. „Ich werde dabei bleiben, um ab der 4. Klasse richtig zum Kreuzchor zu gehören“, sagt Jannis. Dann wird er auch im Internat des Chors, im sogenannten Alumnat, leben. Was fasziniert den Jungen am Kreuzchor? „Die Ausbildung, die besondere Atmosphäre bei Auftritten und die Konzertreisen“, sagt er nach kurzem Überlegen.

Seine Mutter Claudia ergänzt, seit ihr Sohn die Vorbereitungsklasse besuche, sei er sehr selbstbewusst geworden und habe sich auch weitere soziale Kompetenz angeeignet. Die ausgebildete Musikerin traut Jannis sogar eine berufliche Karriere als Sänger oder Musiker zu. Jannis allerdings dämpft diese Erwartungen: „Ich spiele doch auch gerne Fußball und weiß nicht, ob ich später wirklich einmal Sänger werde“, stellt er klar.

Chordirigent Peter Kopp ist unterdessen mit der öffentlichen Probe zufrieden. Er hat die meisten der jungen Sänger seit einiger Zeit betreut und nach eigenen Angaben enorme Fortschritte festgestellt. Wer tatsächlich in die 4. Klasse und damit in den Kreuzchor aufgenommen wird, soll im Mai entschieden werden. Neben dem musikalischen Talent sind auch die schulischen Leistungen wichtig, da alle Kruzianer das Gymnasium besuchen müssen und eine entsprechende Bildungsempfehlung benötigen.

Möglichst 16 bis 24 neue Sänger je Jahrgang

Dorit Keucher kümmert sich seit 19 Jahren um die Nachwuchswerbung für den Kreuzchor. Sie empfiehlt einen möglichst frühen Kontakt, spätestens ab der 2. Klassenstufe, zum Chor. Über Vorsingen könne so frühzeitig geklärt werden, ob die Jungen musikalisches Talent für eine Karriere als Kruzianer haben. Zugleich könnten in persönlichen Gesprächen und bei fachlichen Beratungen mögliche Enttäuschungen vermieden werden. Da Hausmusik in den Familien weit weniger verbreitet sei als früher, kämen viele interessierte Jungen mit geringerer musikalischer Vorbildung in die Vorbereitungsklassen.

Trotzdem halte der Kreuzchor seine Ansprüche aufrecht und entsprechend hoch seien auch die Hürden für eine Aufnahme in den Klangkörper von Weltruf. Zurzeit gehören dem Chor 146 Kruzianer an, von denen die meisten aus Sachsen kommen. Ziel bleibe es, möglichst je Jahrgang 16 bis 24 junge Sänger neu aufzunehmen, sagt Keucher. Diese Zahl sei nötig, da nach dem Stimmbruch einige junge Männer ausschieden und vor allem in der Pubertät einige Jugendliche wegen sich veränderter Interessen den Chor verließen.

Der Dresdner Kreuzchor ist am Samstag (9. März) das nächste Mal in der Kreuzkirche zu erleben. Zu hören ist die Johannespassion von Johann Sebastian Bach. Dann sitzt auch Jannis Philipp wieder mit Publikum und lauscht „seinem“ Chor.

dapd

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