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Dresdner Kreuzchor protestiert gegen Sparpläne der Stadt

Dresdner Kreuzchor protestiert gegen Sparpläne der Stadt

Utopisch, indiskutabel, enttäuschend: Der Dresdner Kreuzchor und die Eltern der Sängerknaben gehen auf die Barrikaden. Laut Haushaltsentwurf der Stadt als Träger der Kultureinrichtung soll das Ensemble Sachkosten 2013/2014 selbst erwirtschaften.

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Der Dresdner Kreuzchor kämpft um seine Finanzen.

Quelle: Matthias Krüger

Die Chorleitung sieht aber weder bei Konzerten und Tonaufnahmen noch bei Elternbeiträgen Spielräume für Einsparungen oder Finanzpotenzial. Sie fürchtet um das hohe Niveau des Ensembles und die Nachwuchssuche.

Auch die Eltern der Kruzianer warnen davor, den Bogen nicht zu überspannen. „Es geht um 100.000 Euro für Instrumentalunterricht, Ersatz für verschlissene Konzertanzüge und gesunde Ernährung“, sagt Chormanager Uwe Grüner. Nach Vorstellungen der Stadt sollten diese je zur Hälfte über Elternbeiträge und ein Schulgeld finanziert werden. Für Kantor Roderich Kreile ist das utopisch. „Die Jungen arbeiten schon jetzt an der Belastungsgrenze, und der Klassikmarkt ist gesättigt“, schreibt er in einem Offenen Brief.

Mehr als 100 Auftritte und Gottesdienste im Jahr - ohne Vergütung für die Jungen - ließen maximal ein freies Wochenende für die Familie. Eine Steigerung der Elternbeiträge um 57 Prozent von derzeit 120 Euro auf 188 Euro im Monat plus 30 Euro für Instrumentalunterricht lehnen auch die Elternvertreter entschieden ab. „Wir ziehen mit dem Chor an einem Strang“, betonte Mathias Kälble. Es sei indiskutabel, weil den meisten Eltern nicht zuzumuten. „Es gibt viele, die sagen, dass das, was sie leisten für den Chor, schon an ihre Grenzen geht.“ Bei einer Anhebung der Beiträge müssten sie ihre Kinder abmelden. Auch die auf Qualität gerichtete Nachwuchssuche sei gefährdet. „Das würde dann eine Frage des Geldbeutels.“

Kulturbürgermeister Ralf Lunau (parteilos) verteidigte die Pläne im Haushalt. „Wir haben eine klare Prioritätensetzung bei Kitas, Schulen und Kulturinvestitionen, von denen der Kreuzchor erheblich profitiert“, sagte er unter Verweis auf Sanierung und Neubau des Alumnats, das Internat der Kruzianer. Die Elternbeiträge seien seit Jahren konstant, mit einer Anpassung seien teuer gewordene Leistungen und Wünsche nach besserem Essen und neuen Anzügen finanzierbar.

Für den Dresdner Kreuzchor gibt es im eigenen Bundesland starke Konkurrenz - mit den Thomanern in Leipzig. Bereits in der Vergangenheit war der städtische Rotstift am Kreuzchor angesetzt worden. Kreile hatte seine Chorknaben mal in Zivilkleidung auftreten lassen, weil Geld für die Anzüge fehlte. Dem Chor gehören etwa 150 Jungen zwischen 5 und 19 Jahren an, die pro Jahr und Kopf mehr als 3000 Euro erwirtschaften - durch die musikalische Gestaltung von Gottesdiensten, Konzerte und Plattenaufnahmen. Der Kreuzchor ist dabei mehr als ein Kostenfaktor, wirbt er doch weltweit bei Tourneen auch für Dresdens und Sachsens Kultur.

Höhere Gebühren stellen aus Sicht von Eltern und Chorleitung den Bestand langfristig infrage. Er sei enttäuscht angesichts der mangelnden Wertschätzung, sagte Kreile. „Das schmerzt mich auch persönlich, weil ich täglich erlebe, wie die Jungen mit Herzblut und Professionalität bei der Sache sind.“ Die Absetzung des Haushalts von der Tagesordnung des Stadtrats bedeutet nun unerwartet Aufschub. Die Chorleitung will im Januar erneut Kontakt zur Verwaltungsspitze suchen, um die geplanten Maßnahmen zu verhindern. „Die Jungen können es nicht leisten, die Eltern auch nicht“, sagte Grüner. „Für die Stadträte sind 100 000 Euro im Vergleich zum Millionen-Gesamtetat nichts, für uns sind sie existenziell.“

Simona Block, dpa

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