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Dresdner Konzertveranstalter mit Samthandschuhen

Zehn Jahre Kumpels & Friends Dresdner Konzertveranstalter mit Samthandschuhen

Kumpels & Friends ist der Name eines Dresdner Kreativkonglomerats. Dahinter stecken eine Booking-Agentur und ein Musiklabel. Die Agentur feiert am Sonntag in der GrooveStation ihren zehnten Geburtstag. Das Credo bei K & F: Alles für die Künstler.

Mario Cetti, einer der Herrscher über das Kumpels & Friends-Imperium.
 

Quelle: Juliane Hanka

Dresden.  Seit zehn Jahren in der Poleposition. Steht auf der Einladung der Dresdner Booking-Agentur Kumpels & Friends. Lustig, denn in Sachsen gibt es nicht eben viel Konkurrenz beim Organisieren von Konzerten. Da bleibt viel Platz, um in Ruhe ein eigenes Imperium aufzubauen. Unter dem freundlichen Namen stecken gleich mehrere Firmen, die etwas mit Musik zu tun haben und in denen einige der Kumpels & Friends auch parallel arbeiten. Es ist jedoch nur die Booking & Management-Agentur, die am Sonntag ihr zehnjähriges Bestehen feiert, nicht etwa das Musiklabel. Mario Cetti erklärt das geduldig. Er scheint gewöhnt, dass die Leute ihn missverstehen, und fasst das Kreativkonglomerat in etwa so zusammen: Den Namen Kumpels & Friends gibt es schon vorher, unter dieser Bezeichnung werden Anfang 2000 verschiedene Kunstprojekte organisiert. Kai Lehmann und er gründen 2006 die Agentur, um Konzerte ihrer eigenen Bands zu organisieren. Bald veranstalten sie auch andere Bands und es folgen erst das Musiklabel K&F Records und später das Festival The Sound of Bronkow. Ist doch wirklich nicht so schwer, oder?

Zur Feier in und um die GrooveStation kommen auch ihre erfolgreichsten Künstler: Käptn Peng und die Tentakel von Delphi, Gisbert zu Knyphausen und Die Höchste Eisenbahn. Mit ihnen wurden aus mehr oder weniger regionalen Konzertveranstaltern europaweit agierende Booker, die nicht befürchten müssen, dass sich ihre Künstler bei der erstbesten Gelegenheit verabschieden, um irgendwo einen besseren Vertrag zu unterschreiben. Was in der Indie-Szene zähle, seien Loyalität und ein fairer Umgang miteinander, sagt Cetti. Da scheint was dran zu sein. Fragt man die Betreiber der GrooveStation nach ihren Nachbarn auf der Büroetage, sprechen die von „den supernettesten Businesstypen, die gar keine Businesstypen sind“. Aber kommt man im Musikgeschäft weiter, wenn man nett ist? „Man kommt“, findet Cetti, „wenn man lernt, wie dieses Geschäft funktioniert. Man trifft sich auf kleinen Festivals, trinkt zusammen Bier, befreundet sich. Nicht selten sind Booker selber Musiker.“ Kai Lehmann spielt bei Garda, Mario Cetti bei bergen. Zwei Dresdner Bands. Einmal emotionaler und englischer, einmal getragener und deutscher Folkpop. Seit kurzem wohnt Lehmann allerdings in Leipzig, aber Konzerte buchen ist auch eher ein Job für Telefon und Internet.

Was sie tun, mit Käptn Peng und Co, nennt Cetti den kleinen Rock’n’Roll. Sie arbeiten mit Bands, die, wenn sie wirklich erfolgreich sind, maximal 2000er Hallen füllen und bei denen der Vorverkauf anläuft, ohne dass dafür irgendwo Werbung gemacht wird. Den großen Rock’n’Roll machen die anderen, die mit den Stadiontourneen. „Da geht es dann nicht mehr auf die ganz nette Art“, sagt Cetti. „Wir haben mit solchen Veranstaltern aber keine Berührungspunkte, haben mit dem großen, dunklen Ellenbogengeschäft kaum zu tun.“ Wie zum Beweis trägt er komplett Hellbeige zum Interviewtermin. Doch auch der freundlichste Agenturchef muss mal gnadenlos sein, oder? „Ja, das bin ich, wenn es ums Wohl meiner Künstler geht. Ich als Tourbooker bin ja für den Zirkus verantwortlich, der da auf Reisen geht. Ich weiß, was für meine Künstler unverhandelbar ist. Wenn jemand 15 Uhr essen will, weil er nicht mit vollem Bauch auftreten kann, dann muss ich meine Schultern breitmachen und das beim lokalen Veranstalter durchsetzen. Auch wenn sein Koch erst um 17 Uhr Dienstbeginn hat. “ Ja, er könne auch den Bad Cop, sagt Cetti, der gerade eine Falafel isst und versucht, seine Sachen nicht mit Soße zu bekleckern. Oft ist er selbst mit auf Tour, sagt er, und regelt viele Dinge, von denen die Band gar nichts mitbekommt. Das ist das Ideal. Seine Künstler sollen gut spielen, den Rest macht er. Oder eben der Herr Lehmann.

Bescheidene 240 Tickets haben sie für Sonntag verkauft, obwohl viel mehr drin wäre. Nein, klein und nett soll der Geburtstag sein, eine Veranstaltung, so wie sie selber. Auf der langen Gästeliste, die neben der Kasse liegen wird: Konzertveranstalter, Pressevertreter, einige Stammgäste. Als Dank für die jahrelange Unterstützung. Zwei Konzerte im Hof der GrooveStation sind kostenlos, genau wie im Apfelgarten beim Sound of Bronkow. Das Festival hat natürlich gar nichts mit der Booking-Agentur zu tun, auch wenn Mario Cetti einer der beiden Labelchefs bei k&f Records ist, von jener Firma also, die das Festival im Societaetstheater veranstaltet. Aber das wird jetzt doch zu kompliziert. Alles Gute für die nächsten zehn Konzertorganisationsjahre!

Zehn Jahre Kumpels & Friends, Abteilung Booking und Management. Von 15 bis 19 Uhr gibt es am Sonntag im Kulturhof GrooveStation zwei Gratis-Konzerte. Die Karten für die Veranstaltung in der GrooveStation sind ausverkauft.

www.kumpelsandfriends.com

Von Juliane Hanka

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