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Dresdner Kapellsolisten in der Frauenkirche

Dresdner Kapellsolisten in der Frauenkirche

Es ist der Alptraum jedes Veranstalters: der Solist sagt kurzfristig ab. Der krankheitsbedingte Rückzug Tine Thing Helseths erfolgte vormittags, wenige Stunden vor dem Konzert. Da hilft nichts - für eine virtuose Beherrschung ihrer Trompete ist die Norwegerin auf ausreichend Luft und Kondition angewiesen.

Dresden. Den Abend rettete die Vernetzung der Dresdner Kapellsolisten. Sie fanden binnen Stunden Ersatz und konnten den Gästen der Frauenkirche am Abend zumindest ein ähnliches Programm wie geplant bieten, drei Werke mussten jedoch ausgetauscht werden - so entfielen auch die zwei für Trompete bearbeitete Werke.

Begonnen hat das Konzert wie geplant mit einem weihnachtlichen Akzent. Giuseppe Torellis Concerto "per il Santissimo natale" sorgte für eine feierliche Stimmung und entführte nach Venetien. Von dort kamen einst viele der schönsten Violinwerke, hier stand aber auch die Wiege der Concerti grossi. Mit Antonio Vivaldis "Winter" (Solistin: Susanne Branny) aus den "Vier Jahreszeiten" tauchten die Kapellsolisten noch tiefer in die venezianische Musik ein. Die ersten Takte ließen nicht nur an klirrende Eiszapfen erinnern, sondern klangen hell und glitzernd auch nach einem sonnigen (venezianischen) Wintertag, eisigen Wasserspielen.

Die Besetzungsänderung hatte zwei Werke Georg Philipp Telemanns aufs Programm gebracht. Harald Heim und Klaus Gayer waren mit dem Konzert für zwei Hörner in Es-Dur eingesprungen, später sollte noch das Konzert für drei Trompeten in D-Dur folgen. Telemanns Hornkonzert verlangte einige Höhen, die sauber und ohne "Kiekser" erklangen. Es bietet aber auch ein Duett der Violinstimmen, von den Kapellsolisten unter der Leitung von Helmut Branny klar und wunderschön herausgearbeitet. Nach dem "Spitzenparcours" schloss das Werk mit fröhlichen Vivace.

Telemanns Don-Quichote-Burleske hatte, gleich nach der Pause, schon ursprünglich auf dem Programm gestanden. Geradezu bildhaft war das (noch wiegende) Erwachen des Ritters und sein impulsiver Kampf mit den Windmühlenflügeln, süß die Seufzer an Prinzessin Dulcinea.

Und noch einmal übernahm Susanne Branny die Solovioline, diesmal in Johann Sebastian Bachs Konzert E-Dur (BWV 1042). Als prima inter pares war sie gleichermaßen virtuose Solistin wie mit den Orchesterstimmen verschmolzen. Ob gezupft oder gestrichen - die Kapellsolisten verwöhnten mit sächsischen Streicherklang, aber auch den Feinheiten und Details der Stimmen.

Den prächtigen Abschluss gestalteten Matthias Schmutzler, Jörg Röhrig und Siegfried Schneider sowie Bernhard Schmidt (Pauke). Nun bekamen die Zuhörer doch noch, weshalb sie gekommen waren: den prächtigen Trompetenglanz, und das gleich dreifach. Da war das Publikum dann wirklich begeistert, der vierte Satz musste noch einmal wiederholt werden.

VON WOLFRAM QUELLMALZ

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