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Dresdner Kabarettist, Schauspieler und Lyriker: Das Comeback des Olaf Böhme

Dresdner Kabarettist, Schauspieler und Lyriker: Das Comeback des Olaf Böhme

"Nein, ein Comeback ist es nicht", sagt Olaf Böhme bestimmt. Und doch tritt der Kabarettist, Schauspieler und Lyriker seit Kurzem wieder vors Publikum. Das was früher war, sei jedoch definitiv ein abgeschlossenes Kapitel, sagt Böhme.

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Ein Wiedersehen: Olaf Böhme im März 2014.

Quelle: Dietrich Flechtner

"Früher", das meint vor der Erkrankung. 2008 wurde bei dem heute 60-Jährigen Leukämie diagnostiziert. Im Herbst 2011 verschlechterte sich seine Gesundheit so sehr, dass ihm keine Auftritte mehr möglich waren, im Mai 2012 erhielt er eine Stammzellentransplantation. Jetzt verspüre er wieder die Lust, sich mitzuteilen, wie er sagt. Der Beginn eines neuen Kapitels.

"Ich fühle mich nicht schlecht", beantwortet er die Frage nach seinem Befinden, die er als unwahrscheinlich schwierig empfindet. Gesundheitlich gehe es ihm gut, könnte er auch sagen, aber er misstraut der Formulierung. Zu oft habe er während der langen Zeit der Erkrankung und Rekonvaleszenz erlebt, dass es erst bergauf, kurz darauf plötzlich bergab ging. Wochen und Monate verließ er kaum das Haus. Die Gedichte, die er seit Herbst 2012 auf seiner Homepage veröffentlicht, waren ihm in dieser Zeit eine Möglichkeit, sich nach außen zu zeigen.

Lyrik, wenn auch anderer Art, stand für den promovierten Mathematiker auch am Beginn seines künstlerischen Schaffens Anfang der 80er Jahre. Damals habe er vor allem einen Ausweg aus der Bedrückung und Beengung seiner Lebensumstände gesucht, wie er heute erinnert. Nachdem sich auf Theaterbühne Ende der 80er immer mehr Erfolg eingestellt hatte, schrieb Böhme immer weniger Gedichte. Wie dieses seltsame Gegengewicht zustande kommt, weiß er selbst nicht; jedenfalls hat es sich in den letzten Jahren wieder zugunsten der Lyrik verschoben. Vergangene Woche hat er einige von ihnen in der Kuppelhalle Tharandt gelesen, weitere Termine sind in Radebeul und in Dresden-Loschwitz geplant. Parallel dazu hat sich ein eigentlich als einmaliges Ereignis gedachter Auftritt im Jubiläumsprogramm der Pantomimen Ralf Herzog und Rainer König im Januar als ein so großer Erfolg herausgestellt, dass er noch einige Male wiederholt wird. So langsam tastet sich Olaf Böhme also auf die Bühne zurück. "Ich bin offen für Impulse", sagt er dazu.

Es gibt Ideen für weitere Projekte, alle sind jedoch sehr vage. Ganz bewusst lässt Olaf Böhme derzeit vieles im Ungewissen. Er sei selbst neugierig auf das, was da kommen mag. Manches lässt sich jedoch auch mit Bestimmtheit sagen. "Zwei Stunden allein vor tausend Menschen zu stehen, dass will ich mir gesundheitlich nicht zumuten", sagt er etwa. Und auch der "Betrunkene Sachse" - seine bekannteste Rolle - werde nicht zurückkehren. Von ihm hatte sich der Künstler schon 2010 verabschiedet, 20 Jahre nach dem ersten Auftreten der Figur mit der locker auf der Schulter drapierten Krawatte. "Obwohl der betrunkene Sachse in letzter Zeit in manchen Situationen wieder zum Vorschein kommt", wie Böhme aus seinem Alltag berichtet. Irgendetwas sei an der Figur, das ihn auch heute noch reize. Vielleicht der etwas naive Blick, meint er, in jedem Fall aber der abgründige, mitunter sehr schwarze Humor, den Böhme auch heute noch im Gespräch aufblitzen lässt. Der ist Wesensart. "Ich habe den Eindruck, dass am Grunde meiner Seele ein tierischer Kobold sitzt", sagt er.

Besteht also doch die Chance auf eine Rückkehr? Schwer zu sagen. Denn Böhme will keine Rollen mehr ausfüllen, fühlt sich stärker denn je zum offenen Spiel und improvisierten Formen hingezogen. Auf der Bühne will er sich so zeigen, wie er ist. Ohne Maske.

"Ich bin ein Suchender", sagt Böhme. Und meint vor allem die Suche nach sich selbst. Was da unbekannt in den Tiefen seiner Seele schwelt, will er an das Tageslicht holen, um sich selbst besser zu verstehen zu können. Dahinter steckt auch sein Unwillen, irgendetwas unerkannt an seiner Befindlichkeit nagen zu lassen. Das gelingt nur, indem er ständig wahrnimmt, beobachtet, hinterfragt. So zeichnen sich auch seine Gedichte, von denen einige im Laufe des Jahres gemeinsam mit Illustrationen von Gerda Lepke in gebundener Form erscheinen sollen, durch häufige Fragen und irritierende Beobachtungen aus, die beim Leser etwas in Bewegung setzen. Um diesen Effekt geht es Böhme, auch auf der Bühne. "Ich will wirken", beschreibt er das. Wobei sich seine Kunst am besten in der Begegnung mit Menschen entfalte. Auch das ist eine Selbstbeobachtung.

Das hört sich wie ein radikaler Neuanfang an, ist es aber nicht. Fragen aufwerfen, auch Abgründe tiefer Tragik zeigen, das hat Böhmes Schaffen bei allem Witz schon immer ausgezeichnet. Das speist sich aus einem Interesse am Menschlichen, das auch dort nicht halt macht, wo es wehtun könnte. Ja, er wolle wissen, wer ihm die Stammzellen spendete, sagt er. Im Mai wird die Schutzfrist ablaufen, nach der Spender und Empfänger in beiderseitigem Verständnis die Anonymität ablegen dürfen. Solch eine Begegnung ist nicht ohne, wie Mediziner warnen. Was, wenn sich herausstellt, dass der Lebensretter ein absoluter Unsympath oder schlimmeres ist? Er wolle wissen, was das für ein Mensch sei, dessen Stammzellen er jetzt in sich trage, sagt Böhme furchtlos. Seine Suche geht weiter.

Nächste Auftritte: "100 Jahre Mimenadel", Mimenbühne Dresden: 30.3. und 27.4., jeweils 18 Uhr; Gedichtlesung "das helle und das dunkle": 12.4., 19.30 Uhr Stadtbibliothek Radebeul-Ost, 28.4., 20 Uhr im Kulturhaus Loschwitz, 9.6. 18 Uhr, Albrechtsburg Meißen; "Der Geburtstag des Königs" - 30 Jahre Rainer König: 11.5., 18 Uhr Theater Meißen

www.avitrea.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 27.03.2014

Uwe Hofmann

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