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Dresdner Jugendliche nähern sich im tjg-Stück "Bis einer geht" dem Thema Scheidung

Dresdner Jugendliche nähern sich im tjg-Stück "Bis einer geht" dem Thema Scheidung

Was ist Liebe? Warum heiraten Menschen? Was macht dich glücklich? Warst du schon mal verliebt? - Für Kinder sind diese Fragen gleichermaßen abstrakt und doch wesentlich.

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Es sind sehr persönliche Geständnisse, die die jugendlichen Schauspieler in dem Stück mit dem Publikum teilen.

Quelle: Klaus Gigga

Die Leichtigkeit, mit der sie Antworten darauf finden, ist beneidenswert. Und wert, noch einmal gehört zu werden. Fanden jedenfalls die Jugendlichen, die am Sonnabend im Theater auf der Treppe des tjg ihr Stück "Bis einer geht" uraufgeführt haben.

Sie begannen ihre etwa 45-minütige Vorstellung mit der Einspielung von kleinen Interviews, die sie mit Kindern geführt hatten. Begleitet durch Fotos von glücklichen Kindern und ihren Familien auf der großen Leinwand versetzten sie damit ihre Zuschauer zurück in die Zeit, als Liebe noch unendlich war und Glück ein Synonym für Alltag. Und dann beginnen die vier Mädchen und ein Junge von ihren eigenen Eltern zu erzählen. Liebevoll, fast schwärmerisch berichten sie von den besten Mamas und Papas der Welt, übertrumpfen sich gegenseitig, sind sichtbar stolz.

Es sind sehr persönliche Geständnisse, die Cynthia Hösterey, Kristin Richter, Tim Slosarek, Selin Turan und Alissa Voit mit ihrem Publikum teilen - und das ist auch die Stärke des Stückes, das die fünf jugendlichen Darsteller in der Reihe tjg.tak-ticker mit ihrer 16-jährigen Regisseurin Lena Höhlich selbst konzipiert und erarbeitet haben. "Bis einer geht" widmet sich dem Thema Scheidung - und davon können die jungen Laien-Schauspieler ein Lied singen. Selbst alle Scheidungskinder, schöpfen sie aus Erfahrungen, die gleichzeitig schmerzhaft und doch hoffnungsvoll sind.

Die wohl schrecklichste Erfahrung ihrer Kindheit - die Eröffnung der Eltern, dass sie sich trennen - übersetzen die fünf Darsteller in einen verwirrenden Sprachwust. Alle fünf reden gleichzeitig durcheinander, bis sich einzelne Sätze durchsetzen: "Ich muss dir was erzählen" - "Du musst jetzt stark sein" - "Es geht nicht mehr" - "Wir sind immer für dich da". Wie auf ein geheimes Kommando hin beginnen die Jugendlichen wild durch den Raum zu rennen. Während ein Mädchen mit betont nüchterner Stimme die Definition von "Flucht" und "flüchten" aufsagt sowie die gesetzlichen Grundlagen einer Scheidung zitiert, werden die Flüchtenden immer gehetzter und atemloser.

Der Kontrast zwischen nüchterner Betrachtung der Sache an sich und emotionaler Reaktion darauf könnte größer nicht sein.

Am berührendsten ist das Stück dort, wo es auf Sprache verzichtet. So beginnen die Darsteller zwei Stühle hin- und herzurücken, sie ziehen den Sessel mal nach links, mal nach rechts - verzweifelt, verbissen, verkrampft: Der Kampf um die Aufteilung der Ausstattung beginnt. Ganz ohne Worte, fast wie Ballett wirkt diese Szene und hinterlässt einen starken Eindruck.

In diese Erschütterung hinein beginnen die Jugendlichen ihre eigenen Geschichten zu erzählen, in wenigen Sätzen nur, einzelne Details offenbarend. Sie tun dies nüchtern, beinahe unbeteiligt, als wollten sie eines um jeden Preis vermeiden: Mitleid.

Waren sie als Kinder Opfer einer für sie unverständlichen Entscheidung, so gehen sie als Jugendliche aktiv und kreativ mit dem Thema um. In der Abschluss-Szene liegen sie auf dem Bauch und lesen berührende Briefe an ihre Eltern vor. Der Tenor aller Briefe: "Es ist gut so, wie es ist." Die fünf Teenager haben einen Umgang mit der größten Enttäuschung ihrer Kindheit gefunden - vielleicht auch durch die Arbeit an ihrem so persönlichen Theaterstück.

inächste Vorstellungen: 14.5., 10 Uhr, 6.7., 20.30 Uhr (ab 12 Jahre), Theater auf der Treppe (Meißner Landstraße 4)

www.tjg-dresden.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 07.05.2013

Birgit Andert

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