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Dresdner Hygienemuseum zeigt Schau über Reichtum

Dresdner Hygienemuseum zeigt Schau über Reichtum

Die MS Reichtum geht demnächst in Dresden vor Anker. Das Schiff der Träume ist eine Schau für sich. Luxus pur, es glitzert an allen Ecken. Doch die Planken geben dem Passagier nicht wirklich Halt.

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Das Dresdner Hygiene-Museum bereitet eine neue Ausstellung vor.

Quelle: Dominik Brüggemann

Je tiefer er in den Rumpf eindringt, desto mulmiger dürfte es ihm werden. Der Blick aus dem Bullauge gibt den Blick auf ein Flüchtlingsboot frei. Auch die Armen wollen an Bord. Wie viele Boat People verträgt ein Luxusschiff? Wann kippt die Stimmung an Bord? Irgendwann landet der Passagier auf dem Sonnendeck. Nun ist er ganz oben, aber was kommt dann?

All das sind Fragen, die das Deutsche Hygiene-Museum Dresden ab Juli in einer Sonderschau stellen will. Die Ausstellung „Reichtum - mehr als genug“ fragt nach Gründen und Abgründen des menschlichen Strebens nach immer mehr Geld. Kurator Daniel Tyradellis inszeniert die Schau in einem Luxusdampfer mit Kajüten, Ballsaal und Shopping Mall. „Ich spiele sehr bewusst mit der Schiffsmetapher, die in Europa immer wieder als Gesellschaftsmetapher verwendet wurde.

Wer ist an Bord, wer ist nicht an Bord? Wie sind die Hierarchien, wer steuert, was ist der Antrieb des Schiffes? Das ist für mich das Grundmotiv“, sagt der Berliner. Dass viel Geld für die meisten Menschen „geil“ ist, kann Tyradellis durchaus verstehen. Doch wer scheinbar alles habe, komme zwangsläufig zu anderen Fragen. Manchmal stehen auch ganz kleine Exponate für den Traum vom großen Geld.

Tyradellis präsentiert den Original-Schlüssel eines Bentley, der rund 400.000 Euro kostet. Andere Stücke stehen für Reichtum und Armut gleichermaßen, zum Beispiel eine braune, abgelederte Handtasche. Irgendwer hat „Louis Vuitton“ draufgeschrieben. Für Tyradellis ist das ein Exponat, das für sich selbst steht. „Da muss man nichts weiter erklären.“ Irgendwann stellten die Besucher bei ihrem Rundgang durch das Schiff sich selbst Fragen - zum Beispiel, ob die Gesellschaft, ob der Mensch das alles wirklich braucht.

Der Kurator will „kleine Funken“ in den Köpfen auslösen. Für Museumsdirektor Klaus Vogel geht es in erster Linie um Gerechtigkeit. Das Thema sei nicht neu, womöglich aber der Zugriff. „Die Ausstellung ist nicht polemisch und kein Brandbeschleuniger. Sie informiert und baut vielleicht ein paar Vorurteile ab“, hofft der Chef. „Es geht uns nicht vordergründig um die armen Armen. Wir wollen es etwas provokanter machen und haben den Zugang über den Reichtum gewählt.“

Viele der Ausstellungen im Deutschen Hygiene-Museum reagierten unmittelbar auf Fragen, die Menschen bedrängen. Die wachsende Kluft zwischen Armen und Reichen gehört für Vogel auf jeden Fall dazu. Immer weiter klafft die Schere zwischen den Extremen auseinander. Nach dem aktuellen Armutsbericht der Bundesregierung verfügen die reichsten 10 Prozent der Haushalte über 53 Prozent des gesamten Nettovermögens (Stand: 2008). Doch während der Bund den Bericht mit dem Slogan „Arbeit schützt am besten vor Armut“ versieht und einen „überwiegend positiven“ Befund attestiert, sieht die Lage für viele an der unteren Skala düster aus.

 Auf der Gegenseite sahnen Banker und Konzernmanager ordentlich ab. „Wir sind mit unserer entfesselten Geldwirtschaft in Dimensionen vorgestoßen, die wir kognitiv und emotional nicht mehr beherrschen“, meint der Politikwissenschaftler Werner J. Patzelt mit Blick auf Millionen-Abfindungen und Boni.

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Auch das Sammlungsdepot, die Werkstätten und Restaurierungsateliers hatten geöffnet und zeigten, was sonst im Verborgenen geschieht.

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Mit der Schau vom 7. Juli bis zum 10. November gibt das Deutsche Hygiene-Museum einem Dauerbrenner neue Nahrung. Zwei Konferenzen im Umfeld stellen die prägenden Gesellschaftssysteme der Neuzeit vor. Vom 20. bis 22. Juni geht es um Kapitalismus, vom 7. bis 9. November um Kommunismus. Auf dem Plakat zur Ausstellung verschwindet ein Kreuzfahrtschiff im Nebel. Kurator Tyradellis ist sich als kritischer Zeitgenosse sicher: Ein Schiff wie die MS Reichtum ist nicht unsinkbar.

Jörg Schurig, dpa

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