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Dresdner Glanzstück: Das bejubelte Operndebüt Christian Thielemanns in der Semperoper mit Strauss’ "Der Rosenkavalier"

Dresdner Glanzstück: Das bejubelte Operndebüt Christian Thielemanns in der Semperoper mit Strauss’ "Der Rosenkavalier"

Das ist ein Abend der Superlative. Oder ist es einfach das Dresdner Maß, die Art zu musizieren und zu singen, wie man es in der Semperoper erwarten kann, wenn "Der Rosenkavalier" von Richard Strauss auf dem Plan steht, 1911 hier uraufgeführt, ein Welterfolg, immer aber verbunden mit der besonderen Aura der Semperoper und dem Klang des schon von Strauss so geliebten Orchesters.

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Daniela Sindram (Octavian), Wolfgang Bankl (Baron Ochs auf Lerchenau) und Soile Isokoski (Feldmarschallin).

Quelle: Matthias Creutziger

Dabei ist diese Komödie für Musik mit dem grandiosen Text Hugo von Hofmannsthals ja alles andere als leichte Kost. Diese große wienerische Maskerade mit allem, was eine gute Komödie ausmacht, eine heimliches Liebesabenteuer, eine groteske Verkleidung, eine Intrige, um einem nimmer satten, unbelehrbaren wie berechnenden Lustmolch die Grenzen aufzuzeigen. Es ist der gemeine Versuch eines neureichen Möchtegerns, seine Tochter an eben diesen Herrn Baron zu verschachern. Sowohl im Text als auch in der Musik sind diese Menschen zwischen Schein und Sein feinsinnig und intensiv gezeichnet. Das kann mal derb und deftig sein, dann wieder innig und melancholisch, überschäumend in den Emotionen und immer wieder in einer Mischung aus Ironie und Zuneigung.

Zudem geht es um ein ewiges Thema: Die Zeit vergeht, und wer die Zeichen der Zeit nicht achtet, den bestraft das Leben. Da hat Richard Strauss eine breite Palette musikalischer Raffinessen komponiert, vom großen Orchesterapparat mit überschäumenden, üppig aufblühenden Momenten bis hin zu fein gewobenen Klängen für die subtilen Gefühlswelten der Frauen, parlierende Philosophie, Duette der Frauenstimmen, gegen Ende ein Terzett; der Musikwissenschaftler und Strauss-Kenner Ernst Krause nannte das treffend "Verschwörung der Soprane". Das ganze Stück durchziehen Walzermotive, oder eben jene ätherischen Klänge im Zusammenspiel von Harfe und Celesta.

Natürlich war man gespannt auf das Dresdner Operndebüt von Christian Thielemann am Pult der Sächsischen Staatskapelle. Und der Star des Abends war das Orchester unter seiner Leitung. Man spürt von Beginn an, hier wird mit großer Lust, mit Freude musiziert. Thielemann lässt es gewaltig aufbrausen, das Vorspiel zum ersten Akt, ein musikalisch ziemlich sinnlich gestalteter Liebesakt, die folgenden geschäftigen Vorspiele, insbesondere zum dritten Akt, wenn eine billige Absteige zum Liebesnest für den Baron Ochs auf Lerchenau improvisiert wird, wo er die vermeintliche Kammerzofe der Marschallin verführen will.

Die ist natürlich der verkleidete junge Graf Octavian und wird von einer Frau gesungen. Thielemann hat Lust an diesem Verwirrspiel, er gibt mit dem Taktstock in der rechten Hand genau den musikalischen Gang vor, er formt und fordert mit der Linken, er lässt das Orchester blühen, trägt seine Sängerinnen und Sänger auf Händen. Bei einer solchen Souveränität kann er wunderbar spontan und intuitiv reagieren, und die Zeit, die laut Feldmarschallin "ein sonderbar Ding" ist, vergeht an einem solchen Abend in der Oper wie im Fluge.

Zu den Maßstäben, die das Orchester setzt, kommen die des ganzen Ensembles der Sängerinnen und Sänger. Da ist die Mezzosopranistin Daniela Sindram in der Titelpartie, eben einer von den berühmten Hosenrollen bei Strauss, wobei sie als Mann souveräner agiert als in der Farce, wenn sie den Rock über den Hosen trägt. Die Sopranistin Daniela Fally als Sophie schwingt sich mit feiner Stimme auf in höchste Höhen, eben wie es im berühmten Duett, wenn die silberne Rose überreicht wird, heißt, wie ein Gruß vom Himmel. Da ist der Bassist Wolfgang Bankl als Baron Ochs auf Lerchenau, berechnender Freier, nimmer satter Jäger und Abenteurer, dennoch im Gesang, nicht ohne Charme und Liebenswürdigkeit.

Vor allen aber besticht die Sopranistin Soile Isokoski als Marschallin, das ist Gesang vom Feinsten, eine Gestaltung, die zu Herzen geht, wahrhafte Töne der Seele, makellos, voller Wärme und Emotion.

Hans Joachim Ketelsen, seit 1982 im Dresdner Ensemble, springt ein als Neureicher Herr von Faninal für den erkrankten Martin Gantner. Grandios macht er das, eine groteske Figur à la Offenbach, Hofmannsthal hätte seine Freude gehabt.

Überraschungen auch mit der Mezzosopranistin Helene Schneiderman als Intrigantin Annina und mit dem Bassisten Peter Lobert aus dem Ensemble als Polizeikommissar. Eine tolle Besetzung insgesamt, bis in die kleinsten Partien der Choristen. Alle eint Spielfreude und die Lust an dieser intelligenten Komödie, die im Original im Wien Maria Theresias spielt und die in der Inszenierung von Uwe Eric Laufenberg aus dem Jahre 2000 leicht in die Gegenwart transponiert wird, an diesem Abend aber vor allem eine Komödie für Musik ist und was den Klangzauber angeht, eben eine Dresdner Spezialität. Das Publikum feierte Aufführung und Interpreten!

Weitere Aufführungen: 21. und 27., November und 9., 12. und 16. Juni, dann mit Anne Schwanewilms (Marschallin), Elina Garanca (Octavian), Peter Rose (Baron Ochs)

www.semperoper.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 20.11.2012

Boris Michael Gruhl

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