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Dresdner Galerie am blauen wunder ehrt Helga Knobloch zum 90.

Dresdner Galerie am blauen wunder ehrt Helga Knobloch zum 90.

Im letzten Jahrzehnt erst ist eine Künstlerin ins Bewusstsein der Dresdner Kunstfreunde getreten, die bislang auf allen wichtigen Vernissagen eher nur als singuläre Persönlichkeit aus Würde und Caprice wahrgenommen worden war.

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Helga Knobloch

Quelle: Siegfried Bapp

Durch einige Personalausstellungen, vor allem bei Rahmen & Bild, Döbele, der ALTANA Galerie der TU Dresden und - wie jetzt wieder - bei Gunter Ziller ist sie endlich zur bildkünstlerischen Ganzfigur geworden: Helga Knobloch.

Dies wurde stets an Hand einer Œuvre-Klammer aus Früh- und Spätwerken dargestellt, die ihre durchaus gehaltvolle Lebensmitte vernachlässigte, weshalb im Folgenden auch davon etwas ausführlicher die Rede sein soll. Nicht von ungefähr bezeichnet sie sich selbst nämlich als Gebrauchsgrafikerin.

Die am 5. März 1924 in Loschwitz Geborene nimmt 1939-1944 bei einer Lehre als Gebrauchsgrafische Zeichnerin ihre bildnerischen Anlagen so ernst, dass sie fast zeitgleich ein Abendstudium bei Woldemar Winkler belegt, der in der Nazizeit die nonkonformistische Malschule Simonson-Castelli weiterführt. Dort wird Ernst Hassebrauk der erste aus der Phalanx bedeutender Künstler-Pädagogen, die nach den Wirren von Kriegsende und Nachkrieg, die der Ausgebombten zwischen Flucht und Wiederkehr gnadenlos zusetzten, ihre Ausbildung ab 1947 an der Dresdner Hochschule für Bildende Künste nicht bloß fortführten, sondern Helga Knobloch fürs Leben prägten.

Vom legendären Karl Rade kennt man zwar dem Vernehmen nach kaum ein Werk, seine Weisheit priesen aber viele Kunsteleven dieser Generation lebenslang schwärmerisch. Joseph Hegenbarth dagegen schickte seine Schüler aus der kalten "Interims-HfBK" Güntzstraße zum "Hoppe-Keller" in den Bahnhof Dresden-Neustadt, der nicht nur geheizt, sondern auch von allerhand buntem Volk dicht gefüllt war. Helga Knobloch und Gefährten zeichneten und malten dort 1947/48, also etliche Jahre vor Ralf Winkler/Penck, aber aus somatisch ganz ähnlichen Gründen ihre "Antikältebilder". Den singulären Titel gab der Letztgenannte 1961 einem Opus, das er als Nachtwächter in der Margarinefabrik mit Furor malte und das jetzt eine Zierde der Städtischen Galerie ist.

Helga Knobloch, dazumal eigentlich noch Studienanfängerin, schuf gleich eine ganze Suite aquarellierter Federzeichnungen, die "Bahnhofsbilder", die nicht nur ihre erste bedeutende Werkposition sind, sondern über den Ausweis ihrer ungewöhnlichen Begabung hinaus eines der wichtigsten bildnerischen Dokumente der Nachkriegszeit, dem sich in dieser Art aus der Dresdner Szene weniges an die Seite stellen lässt. Ein so behutsam wie präzise gefasstes Zeichenwerk wird nicht etwa ausgemalt, sondern oft im kompositionellen Sinne so akzentuiert, dass man gleichsam ins Odeur dieser Jahre einzutauchen meint. Ihren sichtbar vom Schicksal gezeichneten Modellen wird die Würde belassen, auch wenn gelegentlich Laszivität aufscheinen mag.

Dieses fulminanten Starts ungeachtet wechselt Helga Knobloch nach vier Semestern zur Gebrauchs- und Werbegrafik, wohin sie Neigung, aber auch durchaus verständliche broterwerbliche Überlegungen drängen. Mit dem Bauhäusler Hajo Rose und Hans Christoph, der bald ihr Arbeits- und schließlich ihr Lebenspartner werden wird, sind auch im neuen Fach wieder hervorragende Künstler ihre Lehrer. Wenn man weiß, welche Elite damals am Brühl versammelt war, kann man heuer schon gelegentlich ins Grübeln kommen-

Ergo schließt Helga Knobloch 1952 ihr Studium als Diplom-Werbegrafikerin mit Auszeichnung ab und arbeitet fortan als Mitglied des Verbandes Bildender Künstler freischaffend. Ihre Arbeitsgebiete sind Modegrafik, Buchillustration, Plakat- und Ausstellungsgestaltung. Damit beginnt das, was ich eingangs als durchaus gehaltvolle Lebensmitte zu charakterisieren versuchte. Diese Phase von den 50ern bis zu den späten 80ern ist zugegebener Maßen schwerer darstellbar als frühe oder späte Werkkomplexe. Ohne mich ins Detail zu verlieren, muss aber gesagt werden, dass ein erster Preis im Plakatwettbewerb "750 Jahre Dresden" in einer Stadt, die von überwiegend hervorragenden Gebrauchsgrafikern, die auch nach 1990 als "Grafikdesigner" noch voll einschlugen, nur so wimmelte, erst einmal errungen sein will; von Knoblochs Modeentwürfen und Kinderbüchern nicht zu reden. Schwerer wiegt sicher noch das "Abonnement" der Werkgemeinschaft Christoph/Knobloch auf die Gestaltung des Ringmessehauses für die Leipziger Messen ab 1956. Sowas zahlt sich natürlich dann auch aus-

Wenn damit auch für die "reine Kunst" das Zeitbudget arg schrumpfte, so ist doch die Lebenspartnerschaft mit Hans Christoph, dem um 1955 nach wüsten Formalismus-Beschimpfungen als Dozent der Kunsthochschule gefeuerten bedeutenden Exponenten der Dresdner Moderne, für Knobloch zumindestens Beispiel und Anstoß ihres bildnerischen Spätwerkes ab Mitte der 80er Jahre gewesen. Stilistisch fallen gegenüber seinem Œuvre, dessen Nachlass sie hütet, eher die Unterschiede ins Auge, die außer im Naturell und Herkommen auch in den künstlerischen Wahlverwandtschaften wurzeln. In den Collagen und Lackmalereien Helga Knoblochs bestimmt ein freier Schwung die Kompositionen. Im Laufe der Jahre werden Helga Knoblochs Arbeiten immer freier. Das Prozesshafte ihrer Entstehung wird zugleich ihr Inhalt. Das gilt zumal für den Werkblock "Magische Kreise".

Gunter Zillers wie üblich ausgefeilte Präsentation des bildnerischen Lebenswerkes der Jubilarin zeigt gültig die oben dargestellten Phasen und unterstreicht damit Helga Knoblochs besonderen Rang unter den Vertretern der Dresdner Moderne.

Ausstellung mit Arbeiten von Helga Knobloch bis 29.3., galerie blaues wunder, Pillnitzer Landstraße 2, Do-Sa 14-18 Uhr und nach telefonischer Vereinbarung

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 05.03.2014

Jürgen Schieferdecker

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