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Dresdner Firma Devid entwickelt Mitmach-Stationen für Museen

Dresdner Firma Devid entwickelt Mitmach-Stationen für Museen

"Fass mich nicht an und glotz nur"-Museen waren gestern: Immer mehr Ausstellungshäuser weltweit setzen auf das Mitmach-Konzept, auf Exponate zum Ausprobieren, auf multimediale Zugänge, um auch ein junges Publikum zu locken.

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Steffen Schröder (l.) und Jörn Schmidt entwerfen zusammen mit Kollegen in der Agentur Devid in Dresden Präsentationen und Exponate für Museen.

Quelle: Heiko Weckbrodt

Spezialisiert auf solche Erkundungsstationen hat sich auch die junge Dresdner Firma "Devid", deren Konzepte sich in ganz Deutschland wiederfinden.

Schon der erste Eindruck von "Devid" atmet eher den kreativ-zwanglosen Geist von Internetunternehmen im kalifornischen Silicon Valley als den einer klassischen deutschen Firma. Die Programmierer und Gestalter haben sich eine hübsche alte Dachwohnung an der Rähnitzgasse in der Inneren Neustadt als Firmensitz ausgepickt und diesen originären Lebenszweck sieht man dem Domizil auch an: Wüsste man nicht, dass hier Spiele, Animationen, Videos und Experimentierstationen für Museen im ganzen Land entwickelt werden, könnte man die "Devid"-Zentrale mit ihrem gemütlichem Wohnzimmerflair glatt für eine WG halten. Als mir Mitgründer Steffen Schröder die Tür öffnet, fällt mein Blick nach unten: Pantoffeln!

Firmenzentrale im Wohnzimmer

All dies ist Absicht, versichern Schröder und sein Kompagnon Jörn Schmidt - der Dritte im Gründerbunde, Sebastian Schneider, hackt gerade hoch konzentriert in seine Tastatur -, als wir es uns mit ein paar Pötten Kaffee am Küchentisch bequem gemacht haben. "Wir sind gar nicht darauf aus, zum Beispiel unseren Umsatz immer mehr nach oben zu schrauben", sinniert Schmidt. "Wir wollen so arbeiten, dass es uns auch Spaß macht." Er überlegt kurz und muss grinsen: "Unser langfristiges Ziel ist es eigentlich, ein schönes Leben zu haben."

Und den Spaß an der Arbeit merkt man den Produkten der Devid-Leute an: Als sie kürzlich zum Beispiel mit der TU einen elektronischen Abakus entwarfen, der diesen "Ur-Taschenrechner" den Kindern des Informationszeitalters mit viel technischer Raffinesse nahebringen soll, war dieses Exponat schon am Einweihungstag in den Technischen Sammlungen Dresden sofort dicht umlagert von Jungen wie Mädchen.

Auch auf ein anderes Exponat sind sie sehr stolz, steckt darin doch viel Liebe zum Detail: Für das wiedererrichtete Residenzschloss Braunschweig entwarfen sie gemeinsam mit den niedersächsischen Kollegen in einem Erdgeschoss-Saal eine festlich gedeckte multimediale Speisetafel. "In die lange Tafel sind zwischen den Schaugedecken Touchscreen-Bildschirme eingelassen", erzählt Schröder. Nimmt beispielsweise eine Schulklasse an der Tafel Platz, können die Kinder mit Fingergesten virtuelle Rundgänge durch das Welfenschloss unternehmen, sich durch Fotostrecken blättern oder auf Videos und Quizspiele zugreifen. "Die modernen Elemente, Festtafel und Ausstattung mussten genau aufeinander abgestimmt werden, damit alles zueinander passt - bis hin zur Gestaltung der Tischdecke", ergänzt Schmidt.

Die Anfänge des Unternehmens waren indes weniger kunstsinnig, sondern eher militärisch abgezirkelt: Vor sieben Jahren taten sich Studenten der TU-Medieninformatik zusammen, um für das umgebaute Militärhistorische Museum Dresden einen Ausstellungs-Planer zu programmieren, mit dem der Kustos im Voraus simulieren konnte, wo welches Exponat Platz hat, wie hoch Bilder gehangen werden sollten, um zu wirken und dergleichen Finessen mehr.

Minispiele für Internetauftritte gefragt

Dieser Erstauftrag führte zur "Devid"-Gründung und seitdem haben Schmidt, Schneider und Schröder und ihre Kollegen aus einem freien Netzwerk Dresdner Kreativer viele weitere Bestellungen an Land gezogen, alles Spezialanfertigungen. Dazu gehörten zum Beispiel interaktive eBücher für das Deutsche Historische Museum in Berlin, eine Medienstation für die Charité, aber auch solch ungewöhnliche Aufgaben wie die Programmierung eines elektronischen "Mützen-Konfigurators".

"Den meisten Umsatz bringen zwar die Aufträge aus der Wirtschaft, zum Beispiel der Entwurf kleiner Spiele für Internetauftritte oder Facebook-Firmenseiten", sagt Schmidt. "Aber den meisten Spaß machen eher die Entwicklungen für Museen: Da ist viel Kreativität gefragt und wir lernen dabei immer etwas dazu."

Heiko Weckbrodt

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