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Dresdner Dj Eskei83 legte vor Soldaten in Afghanistan auf und sieht deren Arbeit jetzt mit anderen Augen

Dresdner Dj Eskei83 legte vor Soldaten in Afghanistan auf und sieht deren Arbeit jetzt mit anderen Augen

New York, Berlin, Moskau. Der Dresdner Dj Eskei83 ist nicht nur in Deutschland populär, sondern auch international. Mit seinem individuellen Stil, der sich dadurch auszeichnet, dass er beispielsweise Rock mit Hip Hop mischt, hat sich der Künstler in den vergangenen zehn Jahren einen Namen gemacht.

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Eskei83 absolvierte insgesamt drei Auftritte am Hindukusch.

Quelle: Falk Spielvogel

Aufsehen erregte Eskei83, der eigentlich Sebastian König heißt, als er vor kurzem vor deutschen Soldaten in Afghanistan aufgetreten ist. Stephan Hönigschmid sprach mit dem Dj über seine Reise an den Hindukusch und seine musikalischen Ziele für dieses Jahr.

Mitte April hatten Sie mehrere Auftritte vor Soldaten der ISAF-Truppen in Afghanistan. Wie sind Sie auf die Idee dazu gekommen?

Als ich auf dem Dresdner Flughafen gerade wieder einmal auf dem Weg zu einem Gig war, wurde ich von Bundeswehr-Soldaten angesprochen, ob ich nicht auch mal nach Afghanistan kommen könnte. Sie haben gesagt, dass sie meine Musik vermissen würden, wenn sie so lange dort unten wären und nicht die Möglichkeit hätten, meine Partys und Shows zu besuchen.

Haben Sie als ehemaliger Zivildienstleistender ohne Affinität zum Militär nicht gezögert, diesen Schritt zu wagen?

Doch auf jeden Fall, aber nach reiflicher Überlegung und vielen Gesprächen mit Vertrauten bin ich zu dem Entschluss gekommen, dass die positiven Aspekte klar überwiegen. Mir ging es dabei weniger um die politische Dimension des Einsatzes als darum, den dort stationierten Soldaten und Soldatinnen eine gute Zeit und etwas Ablenkung vom Alltag zu verschaffen und meine Musik in dieser Umgebung stattfinden zu lassen.

Wussten Sie sofort, dass es diese Möglichkeit überhaupt gibt?

Nein, ich habe die Soldaten gebeten, mit ihren Vorgesetzten zu reden, um zu erfahren, wie so etwas ablaufen könnte. Mein Manager Martin hat sich parallel dazu ebenfalls mit der Bundeswehr in Verbindung gesetzt.

Wie läuft es ab, wenn man Afghanistan besuchen möchte?

Man fliegt vom Kölner Militärflughafen zunächst mit einem Airbus nach Termez in Usbekistan. Von dort aus geht es mit einer Trans-All-Maschine nach Masar-i-Scharif, wo ich auch meine erste Show gespielt habe. Am darauffolgenden Donnerstag ging es für eine Show nach Kunduz und bereits am Freitag wieder nach Masar-i-Scharif, um dort den letzten Gig zu spielen.

Wie haben die Soldaten auf Ihren Besuch reagiert?

Die Stimmung war sehr, sehr positiv. Man hat gemerkt, dass sich die Leute wirklich gefreut haben. Zudem hatten wir viele Termine, zum Beispiel bei Radio Andernach, dem Einsatzradio der Bundeswehr.

Wo haben Sie übernachtet?

In Termez ging es mit einer 30-Mann-Stube los, in Mazar-i-Sharif waren wir im sogenannten Pax-Hotel untergebracht. Das ist eine spezielle Baracke, die für zivile Besucher gedacht ist. Aber auch einige Offiziere wohnen dort. In Kunduz wohnten wir wiederum in Holzhausen, wo, wie der Name es schon sagt, alles aus Holz ist. Bei dieser Gelegenheit merkten mein Team und ich, dass es im Camp für alle Lebensbereiche Einrichtungen mit speziellen Namen gibt. Im Ikea-Markt holt man beispielsweise die Möbel, und beim ADAC lässt man die Autos reparieren. Natürlich gibt es keine Verbindung zum richtigen ADAC oder zu Ikea, sondern es ist nur zur Orientierung gedacht. Zusätzlich existieren Häuser, die nach deutschen Städten benannt sind. Auch ein Haus Dresden ist dabei.

Hatten Sie Gelegenheit, mit den Soldaten ins Gespräch zu kommen?

Ja, ich konnte mich mit sehr vielen unterhalten, Eindrücke sammeln, und dabei auch den Menschen hinter der Uniform kennenlernen. Die Soldaten waren dankbar dafür, weil ihr Alltag im Camp recht eintönig ist. Es gibt dort das Sprichwort: "Jeder Tag ist Mittwoch, außer Freitag, da ist Sonntag". Der Spruch bezieht sich darauf, dass freitags die muslimischen Angestellten ihren Feiertag haben und daher nicht im Camp sind. Aus diesem Grund ist es der einzige Tag, der irgendwie ein wenig anders ist.

Sie waren nur relativ kurz in Afghanistan. Hat der Aufenthalt Ihre Einstellung zum Leben trotzdem verändert?

Das kann ich schwer beantworten, weil ich nur im Camp war und vom Land nicht viel gesehen habe. Abgesehen davon muss ich aber zugeben, dass ich das Leben eines Soldaten jetzt mit anderen Augen sehe. Viele Familienväter opfern sich auf, um den Afghanen zu helfen. Gefallen hat mir auch die Kameradschaft unter den Soldaten, die man aus dem zivilen Leben so nicht kennt. Das macht einen darauf aufmerksam, dass das menschliche Miteinander in der normalen Gesellschaft oft sehr kühl ist.

Auch abseits der Afghanistan Reise ist dieses Jahr ein besonderes Jahr für Sie, schließlich haben Sie 1998 als DJ angefangen. Feiern Sie Ihr 15-Jähriges?

Es ist ein bisschen schwer zu sagen, wann ich genau gefangen. Ich habe halt 1998 begonnen, mich intensiv mit Musik zu beschäftigen und Platten zu sammeln, aber meine ersten regelmäßigen Auftritte waren beispielsweise erst 2001 im Motown-Club und auf Hip Hop Jams in der Region.

Was möchten Sie 2013 noch erreichen?

Ein Highlight ist mit Sicherheit der Red Bull Thre3style Battle. Bei diesem international sehr angesehenen DJ-Contest habe ich mich vor kurzem im Dresdner Kraftwerk Mitte für das deutsche Finale am 22. Juni in Berlin qualifiziert. Mein Ziel ist es, dort zu siegen und Deutschland beim weltweiten Ausscheid im November in Toronto zu vertreten.

@Musik & Infos: www.eskei83.com

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 30.05.2013

Stephan Hönigschmid

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