Volltextsuche über das Angebot:

10 ° / 6 ° wolkig

Navigation:
Google+
Dresdner Breakdancer stellen spektakulären Imagefilm vor

The Saxonz: „Life is a Dance“ Dresdner Breakdancer stellen spektakulären Imagefilm vor

Mit dem knapp fünfminütigem Video „Life is a Dance“ hat der Dresdner Sebastian Linda einen Coup gelandet. Ursprünglich gedacht, um dem Freistaat Sachsen im Rahmen der Kampagne „So geht sächsisch“ ein jugendliches Image zu geben, sorgt der Clip seit Ende 2015 weltweit vor allem unter Hiphoppern und Filmleuten für Furore.

The Saxonz in ihrem spektakulären Videoclip.

Quelle: Erik Groß

Dresden. Ein Dramaturg hätte sich das nicht besser ausdenken können. Als die Saxonz im September als Titelverteidiger beim deutschen Battle of the Year in Hannover antraten, nahm der Dresdner Filmemacher Sebastian Linda einfach mal seine Kamera mit. Obwohl er das Material eigentlich längst beisammen hatte, das er im Auftrag der sächsischen Staatskanzlei für einen Image-Film brauchte. „Aber man weiß ja nie“, sagte er.

Also hielt er drauf, als der Moderator Spax den Gewinner verkündete – „The Saxonz!“ – und als die Tänzer aus Chemnitz, Dresden und Leipzig jubelnd die Tanzfläche stürmten. 15 euphorische Sekunden, die jetzt den Anfang von Lindas knapp fünfminütigem Video „Life is a Dance“ bilden. Ursprünglich gedacht, um dem Freistaat Sachsen im Rahmen der Kampagne „So geht sächsisch“ ein jugendliches Image zu geben, sorgt der Clip seit Ende 2015 darüber hinaus weltweit vor allem unter Hiphoppern und Filmleuten für Furore.

b7d60ce8-d646-11e5-a507-f200144be10e

Mit ihrem fünfminütigen Imagevideo, das eigentlich für eine Kampagne des Freistaates Sachsen gedacht war, begeistert eine Breakdancegruppe inzwischen eine große Internet-Gemeinde.

Zur Bildergalerie

Denn so spektakulär hat selten eine Regisseur die urbane Subkultur in Szene gesetzt, für die in den 80er Jahren das Marketing-Wort „Breakdance“ erfunden wurde. Sie selbst nennen sich „B-Boys“, und der Filmemacher hat mit schnellen Schnitten montiert, wie sie ihre Körper inmitten mal prominenter, mal idyllischer, mal charmant heruntergekommener Schauplätze Sachsens verrenken. Vom Wendeltreppengeländer des Turms auf der Bistumshöhe hüpft einer von ihnen geradewegs vor das Festspielhaus Hellerau. Eine rasend schnelle Kamerafahrt später vollführt ein anderer die Akrobatik auf einem gemähten Weizenfeld weiter. Es ist stets ein neuer Tänzer, der die letzte Pose seines Vorgängers kurz übernimmt und sich sogleich anderweitig verbiegt. Von der Görlitzer Altstadtbrücke geht die virtuelle Reise zum Dresdner Zwinger, zur Frauenkirche, zur Albrechtsburg, unter der romantischen Rakotzbrücke in Kromlau hindurch an den ausrangierten Kohlebaggern von Ferropolis vorbei zum Chemnitzer Karl-Marx-Monument und vor das Völkerschlachtdenkmal in Leipzig. Der Dreh führte die Saxonz nach ganz unten: ins Freiberger Besucherbergwerk. Und nach ganz oben: auf drei Gipfel des Elbsandsteingebirges.

„Das war definitiv der Höhepunkt des Projekts“, erinnert sich das Leipziger Crew-Mitglied Holger Köhler, unter seinesgleichen besser als Killian bekannt. Als sich die Truppe früh um vier aus dem Bett quälte, um das passende Filmlicht zu erwischen, war noch gar nicht abgemacht, dass sie die beiden Herkulessäulen und die Nonne tatsächlich besteigen würden. Und weil das Licht dann doch erst bei Sonnenuntergang den Vorstellungen des Regisseurs entsprach, blieb ihnen unverhofft Zeit, darüber nachzudenken.

Nicht zuletzt solche Erlebnisse schweißten Tänzer und Filmteam, die sich vorher kaum kannten, während der zweiwöchigen Dreharbeiten zu einer Einheit, erzählt der Dresdner Philip Lehmann, 28, der sich als B-Boy den Namen Lehmi gibt. „Der Film zeigt nicht unbedingt die spektakulärsten Bewegungen“ – da habe schon der meist vollkommen ungeeignete Untergrund Grenzen gesetzt. „Doch er transportiert die Emotionen, die wir beim Dreh verspürt haben.“

US-Filmemacher Daniel Zhu hat Ausschnitte in sein viel geklicktes Jahres-Best-of gefügt. Die B-Boy-Legende Jacob „Kujo“ Lyons aus Los Angeles kommentierte das Video überschwänglich: Jetzt wisse er wieder, warum er der Crew als Juror beim internationalen Battle of the Year 2015 so viele Punkte gegeben habe.

Nach zwei nationalen Titelgewinnen in Folge lässt sich ohnehin konstatieren, dass die Sachsen die deutsche Breakdance-Szene momentan dominieren. Dabei existieren die Saxonz gerade mal seit drei Jahren. Im Februar 2013 trafen sich 40 Tänzer in Chemnitz, zunächst lediglich, um eine Art Allianz zu vereinbaren. Alljährlich waren die sächsischen Gruppen beim ostdeutschen Vorausscheid, dem Battle of the East, vorn dabei – nur, um sich dann bei der nationalen Endrunde spätestens im Halbfinale zu verabschieden. Der neue Verbund sollte „die Ressourcen und Potenziale bündeln“, so Lehmann.

„Alle durften mitmachen, keiner wurde ausgeschlossen, das war uns wichtig“, sagt Killian, der aus dem Battalion East zu den Saxonz stieß. Aber nur die ambitioniertesten Tänzer wollten den gestiegenen Anforderungen auf Dauer standhalten: gut zwei Handvoll, die ihre Lebensplanung ganz aufs Breaking ausrichten. Ein Einkommensmix aus kommerziellen Auftritten und Kursen in Schulen und Jugendclubs sichert einigen sogar den kompletten Lebensunterhalt. Darüber hinaus kooperieren die Saxonz in bald drei Projekten mit dem Festspielhaus Hellerau, arbeiten dabei 2016 unter anderem mit der Elbland Philharmonie zusammen und sollen am Tag der deutschen Einheit dieses Jahr sogar in der Semperoper beim offiziellen Festakt des Bundespräsidenten in einer gemeinsamen Choreographie mit dem Semperoper-Ballett auftreten.

The Saxonz laden am 21. Februar zu einer neuen Ausgabe ihrer Trainingsreihe „Saxonz Dance Off“ ins Projekttheater, Louisenstraße 37 ein. Sebastian Lindas „Life is a Dance“ und weitere Informationen unter www.thesaxonz.com

Von Mathias Wöbking

Projekttheater, Louisenstraße 37, Dresden 51.06715 13.7513
Projekttheater, Louisenstraße 37, Dresden
Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur News

Entwirren Sie mit schnellem Auge und flinkem Geist den Buchstabensalat des Rätselspiels! Hier kostenlos im Spieleportal von DNN.de spielen! mehr

  • Semperopernball
    Semperopernball

    Alle Infos, alle Highlights, die schönsten Bilder - der Semperopernball in Dresden. mehr

  • 13. Februar

    Ob Gedenken, Täterspuren oder Menschenkette: Alle Infos finden sie in unserem Special zum 13. Februar in Dresden mehr

  • Onlineabo

    "DNN-Exklusiv" heißt das Online-Premiumangebot der Dresdner Neuesten Nachrichten, dass Sie überall und rund um die Uhr nutzen können - zu... mehr

  • E-Paper
    E-Paper

    Mit unserem E-Paper-Abo können Sie die DNN in digitaler Form täglich im Original-Layout im Web oder auf Ihrem Tablet lesen. mehr

  • Magicpaper
    Magicpaper

    Wenn Sie an Beiträgen in der gedruckten DNN das Handy-Symbol entdecken, stehen ab sofort mithilfe der Magicpaper App zusätzliche digitale Inhalte f... mehr