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Dresdner Bilder in ganz neuem Licht

Gemäldegalerie Alte Meister Dresdner Bilder in ganz neuem Licht

Zwei Jahre Sanierung liegen hinter dem Ostflügel der Dresdner Gemäldegalerie Alte Meister. Nun steht er Besuchern wieder offen. Sie können Meisterwerke wie die „Sixtinische Madonna“ bei ungewöhnlicher Beleuchtung genießen: bei reichlich Tageslicht.

Ebenfalls lichtdurchflutet: der Deutsche Saal.

Quelle: Dietrich Flechtner

Dresden. Nach achtwöchiger Totalschließung empfängt die Gemäldegalerie Alte Meister ab Freitag wieder Besucher. Der Ostflügel des Semperbaus zeigt nach abgeschlossener Sanierung eine Interimshängung, während nun im Westflügel gebaut wird. Gestern hatten Journalisten Gelegenheit, die Präsentation zu sehen. Sie erhielten zudem einen ersten Eindruck davon, wie die gesamte Galerie in Zukunft räumlich gestaltet sein wird. Das „Darunter“, die Technik und alles, was damit verbunden ist, sieht man freilich nicht; darüber muss man reden.

So wurde gestern auch zuerst über diese wichtigen und kostenintensiven Aspekte – für die Gesamtsanierung sind 46,67 Millionen vom Freistaat bereitgestellt, wie Uwe Gaul, Staatssekretär des Ministerium für Wissenschaft und Kunst, noch einmal das Finanzvolumen bezifferte – gesprochen, die ja wesentliche Grundlage einer wirkungsvollen Präsentation sind. Grundsätzlich verbessert wurden Sicherheitseinrichtungen (man konnte es am wiederholten Fiepton hören, wenn ein Kameramann den Bildern zu nahe kam). Gleiches gilt für die Steuerung des Raumklimas. Nun werde in der Galerie „nicht mehr mit Kondenswasser zu rechnen sein“, so Volker Kylau, Referatsleiter Bau im Sächsischen Staatsministerium der Finanzen. Verbessert wurde auch der Brandschutz (mancher erinnert sich sicher an den tragischen Unglücksfall mit der Anlage in den 90er Jahren). Gewährleistet ist im Ostflügel dank Behindertenaufzug zudem Barrierefreiheit. Und was die Mitarbeiter besonders freut: Es gibt nun einen Kunstgutlastenaufzug.

Ein besonders wichtiger, mit hohem technischem Anspruch verbundener Aspekt ist, dass sich die Gemäldegalerie Alte Meister fortan – verkürzt gesagt - im Tageslicht zeigt. Eine Lösung, die Hartwig Fischer, Generaldirektor der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, sehr befriedigt. Das Tageslicht sei der „Sauerstoff der Bilder, lässt sie atmen und leben“.

Die Fenster lassen den Blick nach draußen zu. Durch die großen Oberlichter dringt Tageslicht, auf dessen Einfall Lamellen reagieren. In all dem steckt eine Menge technisches Know How, das – Dreifachverglasung eingeschlossen – dem UV-Licht und den Bildern nicht zuträglichen Luxzahlen zur Barriere wird. Natürlich – wir leben im 21. Jahrhundert – sind Tageslicht und künstliches Licht miteinander gekoppelt. Lichtdurchflutet zeigt sich im Übrigen das neue Treppenhaus, über das der ganze Ostflügel erschlossen wird.

Eintritts-„Pforte“ ist nach wie vor die bekannte Tür im Westflügel. Von hier geht es treppab zu Kassenbereich, Buchladen und Garderobe. Dann beginnt die „Entdeckungsreise“: Durch einen noch kargen unterirdischen Gang, an dessen Seitenwänden nach 2018 einmal Vitrinen mit den ägyptischen Exponaten der Skulpturensammlung stehen sollen (derzeit liegen hier Audioguides bereit, auch für spezielle Führungen für Kinder), gelangt man zur schönen Eingangstreppe der Osthalle. Genau in der Sichtachse erstrahlt Correggios „Heilige Nacht“, als einstiges Altarbild, wie es sich gehört, an einer Ostwand. „Geostet“, die Wortschöpfung stammt von Andreas Henning, Konservator für Italienische Malerei, wurde im Übrigen ebenso Raffaels „Sixtinische Madonna“ im Stockwerk darüber. Sie dürfte dort auch in Zukunft bleiben, während das ganze Geschoss darunter ab 2018 die Antiken der Skulpturensammlung beherbergen wird. Vorerst aber kann man, dank entsprechender Einbauten, zwischen Werken der italienischen und deutschen Renaissance wandeln, die sich etwa in großer Vielfalt mit Namen wie Tizian und Giorgione, Dürer, Cranach oder Holbein verbindet.

In der 1. Etage fällt zunächst die in einem dunkleren Grau gehaltene Wandbespannung auf, wodurch es nun „keine Konkurrenz mehr zwischen Bildern und Wandbespannung“ gebe, so Fischer und, so Henning, „die Bilder maximal zur Sichtbarkeit“ kommen. Die „Sixtina“ steht tatsächlich wunderbar auf dem Grau, ebenso andere Werke wie etwa Zubarans „Gebet des heiligen Bonaventura um die Wahl des neuen Papstes“. Gleiches gilt für die Rubens-Gemälde. In den Seitenkabinetten zum Theaterplatz stößt man unter anderem auch auf Rembrandt. Dass die Autorin allerdings Tizians „Zinsgroschen“ zunächst total übersehen hatte, geht wohl auf den Umstand zurück, dass diese Neueröffnung, gerade bezogen auf die „Lichtregie“, eine gewisse Erprobungsphase fürs Ganze ist. Denn kommt man vom Treppenhaus her, müssen sich die Augen erst einmal ans „Dunkel“ gewöhnen – vielleicht ein wenig zu sehr. Störend sind ebenso eine Reihe Spiegelungen – bei verglasten wie unverglasten Bildern. In der 2. Etage allerdings wirkte das Licht besonders schön. Canalettos „Canale Grande in Venedig mit Rialtobrücke“, eine von einer Reihe Venedig-Veduten, war dank des Oberlichts zauberhaft „beleuchtet“. Die daran anschließenden Kabinette sind gut, teils etwas zu gut, gefüllt – unter anderem mit niederländischen und spanischen Stillleben, französischen Rokokoszenerien, Werken sächsischer Hofmaler und Pastellen Rosalba Carrieras.

Beim Hinabsteigen bleibt als Ziel noch unbedingt der Deutsche Saal: Hier deutet sich das 19. Jahrhundert an – etwa mit dem Selbstbildnis von Anton Graff, mit Füssli und Klengel sowie dazu passenden Werken aus der Skulpturensammlung. Gelungen ist ein reichhaltiger, teils auch überraschender Rundgang, der – wie jüngst wiederholt praktiziert – weniger nach Schulen und Ländern, mehr nach Zeitaltern und Themen ordnet. Auf die Gesamtpräsentation, die für 2018 versprochen ist, kann man gespannt sein. Dann werden auch die jüngst beanstandeten, für den Uneingeweihten kaum erkennbaren Flecke auf der Wandbespannung getilgt sein, wie Andreas Henning auf Anfrage versicherte.

Täglich 10 bis 18 Uhr, Montag geschlossen

www.skd.museum

Von Lisa Werner-Art

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