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Dresdner Ausstellung vereint elf Preisträger unter einem Dach

Dresdner Ausstellung vereint elf Preisträger unter einem Dach

Vor nicht allzu langer Zeit berichtete diese Zeitung von der Verleihung des Hans Theo Richter-Preises an Claus Weidensdorfer (DNN vom 5. September 2014).

Diesmal hatte das Ereignis einen ganz besonderen Charakter, wurde der mit 20 000 Euro dotierte, von der Hildegard und Hans Theo Richter-Stiftung in Partnerschaft mit der Sächsischen Akademie der Künste verliehene Preis doch zum 10. Mal vergeben. Dies wiederum war der Stiftung, der Akademie und dem Kupferstich-Kabinett der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, das von den Preisträgern jeweils eine Schenkung erhält, im Bündnis mit dem Leonhardi-Museum Anlass für eine Jubiläumsausstellung.

Sie vereint etwa 60 Arbeiten von den elf Preisträgern - die Auszeichnung war 2000 an die Rumänin Paula Ribariu und den Radebeuler Werner Wittig gemeinsam vergeben worden. Vertreten sind außer diesen beiden und dem kürzlich geehrten Claus Weidensdorfer Max Uhlig, Jiri Kolar, Peter Graf, Thomas Ranft, Lutz Fleischer, Wolfram A. Scheffler, Dieter Goltzsche und Hanns Schimansky sowie der Namensgeber des Preises Hans Theo Richter, der mit seiner Haltung prägend für viele Dresdner Künstler war.

Die Ausstellung der Preisträger 1998-2014 zeigt sich als überzeugendes Argument für Zeichnerisches und Grafisches, das sich nicht mit aufgesetzten Effekten nach vorn drängt. Sie präsentiert ein bemerkenswert breites Spektrum an künstlerischen Mitteln, das zum Teil auf neueren und neuesten Arbeiten direkt aus den Ateliers der Beteiligten beruht. Der Besucher trifft auf die variantenreich gehandhabte Zeichnung sowie auf Collagen oder Mischtechniken unterschiedlicher Art, ebenso auf verschiedene grafische Verfahren, etwa die Radierung und den Holzriss.

Immer beeindruckend sind Max Uhligs - er erhielt, noch angeregt von Hildegard Richter selbst, den ersten Hans Theo Richter-Preis - mit breitem Pinsel geschaffene, reduzierte Tusche-Bilder alter Weinstöcke (2013). Mit Zeichnungen beziehungsweise farbigen Mischtechniken wartet auch Peter Graf auf, der sich dem Alltag oft in einer poetisch-ironischen Weise zuwendet - so etwa auf dem berührenden Blatt "Gute Nacht Papa" (o. J.), wo von Letzterem nur ein paar, aus dem Badewasser heraus ragende Zehen zu sehen sind. Benutzt Graf oft Bleistift oder Feder, so nutzt Thomas Ranft das alte Mittel des Silberstifts, mit dem er feingliedrige Bildkonstellationen schafft, in denen er sich Gedankenfiguren, aber genauso realen Landschaften widmet.

Claus Weidensdorfers übermalte Radierungen oder Zeichnungen - der Preisträger hat die Stirnwand des Museumssaals für sich - wirken manchmal ein wenig surreal, etwa wenn er sein Dresden-Bild entwickelt, das alles andere als ein topografisches Abbild ist. Vor dessen Silhouette ließ er zehn Jahre nach 1989 eine Menschenmenge an der Elbe tanzen, während er sich 1989 der Situation "An der Grenze" widmete. Vom vor zehn Monaten verstorbenen Werner Wittig kennt man Landschaftliches, realisiert etwa in späten übermalten Offsetdrucken und Farbholzrissen, die ebenfalls auf andere Weise eine fast surreale Wirkung entfalten. Einige dieser Arbeiten, aber auch einige klassisch-realistische frühe Holzrisse in schwarz-weiß mit Radebeuler Sujets stellte die Städtische Galerie aus ihrem Bestand zur Verfügung.

Zur Generation, ja zum Freundeskreis von Weidensdorfer und Wittig gehört Dieter Goltzsche, der ganz aktuelle, entspannte Blätter mit Titeln wie "Kunst ist die Höflichkeit dem Material gegenüber" (2014) in die Präsentation gab, mit denen er auf assoziativen, zeichenhaften Pfaden wandelt. Strenger geben sich die mitunter Kartographierungen von Waldstücken oder Feldern assoziierenden Tuschezeichnungen Hanns Schimanskys. Und "Ohne Beginn, ohne Ende" (2001) hat Wolfram Adalbert Scheffler seine kreisenden oder sich parallel hinziehenden freihändig-geraden Linien in Schwarz und Rot in verschiedenen Anordnungen angelegt. Gerade die beiden Letztgenannten kommen ganz ohne Bezug zur sichtbaren Realität aus.

Für Lutz Fleischer wiederum ist das verwendete Material seiner phantasievollen Collagen in dezentem Braun, Ocker, Schwarz und Weiß sehr "real". Im Phantasievollen, Spielerischen ist er dem 2002 verstorbenen Altmeister Jiri Kolar nahe, einem der beiden ostmitteleuropäischen Preisträger. Der hat unter anderem mehrfach eine Reproduktion der Mona Lisa in viele parallele Streifen zerlegt, so dass sich auch deren berühmter Blick vervielfachte. Die in Bukarest lebende Rumänin Paula Ribariu schließt den Kreis mit surreal anmutenden Zeichnungen und Collagen. Ihre Zeichnung "Zwei Figuren, die Füße in Bodenplatte verankert" (o.J.) erscheint wie ein Heraufbeschwören der Situation, die Künstler und Intellektuelle, überhaupt viele Menschen, vor 1989 im Osten erlebten.

Daran knüpfte auf seine Weise auch der Hans Theo Richter-Preis an: Künstler aus Ostdeutschland und darüber hinaus zu ehren, die im "Realen Sozialismus", oft gering geschätzt, eine eigene besondere Handschrift, jenseits der vorgegebenen Normen entwickelten. Die elf seit 1998 Geehrten sind dafür sehr prägnante, qualitätvolle Beispiele. Gleichwohl macht Wolfgang Holler für die Klasse Bildende Kunst der Sächsischen Akademie der Künste im ansprechenden und informativen Jubiläumskatalog geltend: "Die Ausstellung sollte jedoch zugleich den Ausgangspunkt bilden für eine Neuorientierung des Preises, für seine weitere Öffnung gegenüber innovativen Tendenzen von Zeichnung und Graphik..." Zudem orientiert er, das Augenmerk "noch stärker auf internationale Positionen" zu richten.

Bis 23. November, Leonhardi-Museum, Di bis Fr 14 bis 18, Sa/So 10 bis 18 Uhr

www.leonhardi-museum.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 12.11.2014

Lisa Werner-Art

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