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Dresdner Ausstellung "Gespräche mit der Erde" in der SLUB

Dresdner Ausstellung "Gespräche mit der Erde" in der SLUB

Sprechende Namen gibt's nicht nur im Theater oder bei Harry Potter. Geologen und Mineralogen sind in dieser Beziehung in einer ganz ähnlichen Welt daheim.

Freibergit oder Goethit können da, wenn auch recht offenkundig, als Beispiele gelten. Selbst geologische Formationen bekommen Bezeichnungen, die veranschaulichen oder Abkünfte aufzeigen wollen.

Gestein erzählt Geschichte. In Sachsen ist es vor allem die eines Meeresbodens. Der handtellergroße Abdruck eines Seesterns, in einem wunderschönen Sepia, gefunden 1841 im Rietschgrund bei Bad Schandau, beweist das. Sein Alter: 92 Millionen Jahre. Damals in der Kreidezeit war das, was heute freistaatliches Gebiet ist, von Wasser bedeckt. Die Felsen der Sächsischen Schweiz bildeten die Unterwasserformationen eines urzeitlichen Meeres.

Diese Aspekte sind Teil der Ausstellung "Gespräche mit der Erde", die das Buchmuseum der Sächsischen Landes- und Universitätsbibliothek (SLUB) zusammen mit dem Museum für Mineralogie und Geologie der Senckenberg Naturhistorischen Sammlungen und der Geologischen Sammlung der TU Dresden ausrichtet. Sie widmet sich auch den Protagonisten der geologischen Erkundung und Kartierung Sachsens, stellt dabei ungewöhnliche Funde aus, wie das versteinerte Laub urtümlicher Samenpflanzen, deren Alter mit etwa 310 Millionen Jahren angegeben wird. Die damalige erdzeitliche Karbon-Ära war die Entstehungszeit der Steinkohle.

Das Sehenswerte: Im Buchmuseum stehen den Steinen und Fossilien Publikationen gegenüber, die als Marker der modernen Geologie gelten. Dazu gehört unbedingt Georgius Agricolas "De re metallica", dessen Erscheinen 1556 die sogenannten Montanwissenschaften begründete. Ironie der Geschichte: Agricola selbst konnte sein Lebenswerk zwischen zwei Buchdeckeln nie selbst in den Händen halten, er starb vor der Drucklegung am 21. November 1555 in Chemnitz.

Sachsen kann sich seither auf eine Tradition in der Geologie stützen, die anderswo in dieser verdichteten Form schwer zu finden ist. Ein Name, der stellvertretend dafür steht: Hanns Bruno Geinitz, Jahrgang 1814. Das "geowissenschaftliche Universalgenie", wie ihn der Direktor des Museums für Mineralogie und Geologie in Dresden, Ulf Linnemann, bezeichnet, kam zeitlebens auf mehr als 400 Publikationen, auch weil er viele Fossilienfunde beschrieb. Als Direktor "seines" mineralogischen Museums im Zwinger fand sich Geinitz in der Mitte des 19. Jahrhunderts nebenbei auch selbst in der Rolle, die Geologie für ein Publikum zu inszenieren.

Das führt dann direkt in die Neuzeit. "Leider haben wir keine adäquate Ausstellungssituation", sagte Linnemann bei der Eröffnung in der SLUB. Damit meinte er aber nicht die Schau im Buchmuseum, sondern die nach wie vor unbefriedigende Lage der Dresdner Teile der Senckenberg Naturhistorischen Sammlungen. Man bleibe dennoch "für die Zukunft am Ball", versprach er. Tatsächlich gibt es nach wie vor lediglich die Nutzung einer rund 400 Quadratmeter großen Sonderausstellungsfläche im Japanischen Palais. Ob aber die Lücke eines großen naturhistorischen Museums in Sachsen in absehbarer Zeit geschlossen wird, bleibt eher fraglich. Auch weil erst im Frühjahr das Staatliche Museum für Archäologie im ehemaligen Kaufhaus Schocken in Chemnitz eröffnet wurde, das ja durchaus ein ähnliches Themenfeld beackert.

Was sich in der Schau zum wiederholten Mal manifestiert, sind der Sammlungsreichtum und die Qualität der Exponate, die in Dresdens Naturhistorischen Sammlungen schlummern, wie der besagte Seestern-Abdruck dokumentiert. Mehr noch: Ob Topas aus dem Vogtland, Zinnstein aus Altenberg, Basalt aus Stolpen oder das filigrane silberne Kreuz (das aber schwarz ist, weil das Silber mit den Spuren von Schwefelwasserstoff in der Luft Silbersulfid bildet und dann eben dunkelt) aus Schneeberg - Sachsens Reichtum kam lange Zeit aus der Erde.

Was Zinn und übrigens auch das immer schon umstrittene Uran angeht, würde sich die Ausbeute heute in Sachsen immer noch (oder wieder) rentieren. Linnemann sprach in beiden Fällen von einem world class deposit. So bezeichnen die Geologen die oberen zehn Prozent der bekannten Lagerstätten, gemessen am jeweiligen Metallgehalt. Besonders die Uranförderung würde sich "mit Blick auf den Weltmarktpreis" hierzulande wieder lohnen, wäre aber "ein politisches Desaster", wie Linnemann die Lage bezeichnete. Ist doch gut, dass gewisse Zeiten hinter uns liegen. Nicht nur geologisch gesehen.

bis 19. Januar 2015, Buchmuseum der SLUB, Dresden, Zellescher Weg 18, geöffnet täglich 10-18 Uhr, Eintritt frei

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 30.12.2014

Torsten Klaus

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