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Dresdner Akustik-Pop-Duo CousCous bringt mit Crowdfunding eigenes Album heraus

Dresdner Akustik-Pop-Duo CousCous bringt mit Crowdfunding eigenes Album heraus

Normalerweise läuft es ja so: Eine Band findet sich, spielt Dutzende oder Hunderte von Konzerten, ehe sie ein findiger Talentescout für eine Plattenfirma entdeckt und rausbringt.

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Tine Schulz und Moritz Eßinger sind das Dresdner Akustik-Pop-Duo CousCous.

Quelle: Daniel Scholz/PR

Die Musiker kümmern sich um die Musik, das Label um alles andere. Ein Prinzip, das - wenn es überhaupt je gegolten hat - Gruppen wie CousCous zum reinen Klischeedenken stempeln. Das Dresdner Akustik-Pop-Duo hat jetzt sein Debütalbum herausgebracht. Produziert haben sie es in Eigenregie, genauso wie Marketing, Internetpräsenz und die Konzertplanung in den Händen der Nebenberufsmusiker liegen.

"Einen klassischen Plattenvertrag, selbst wenn es den gäbe, würden wir nicht wollen", sagt Moritz Eßinger, der bei CousCous Gitarre und Klavier spielt. Das hat einerseits künstlerische Gründe. "Wir wollen so unabhängig sein wie möglich", sagt der 34-Jährige, fügt jedoch an: "Es ist heute sehr gut möglich, sich selbst zu vermarkten und das Geld bei sich zu behalten." Das Musikgeschäft ohne Labels, Musiker als ihre eigenen Unternehmer. "Wir verstehen, wie der Musikmarkt funktioniert", sagt Eßinger selbstbewusst. Und offenbar auch, welche Möglichkeiten das Internet bietet: Ihre CD haben die beiden Dresdner durch Crowdfunding finanziert.

Dabei steht auch beim Duo CousCous die Musik im Vordergrund. Beide haben seit Jahren in verschiedenen Gruppen Musik gemacht, auch wenn sie über keine klassische Ausbildung verfügen. Nachdem sie drei Jahre auf keiner Bühne mehr gestanden hatte, kam von Tine Schulz der Impuls zur Bandgründung. "Ich habe eigentlich nur einen Songwriter gesucht und wollte ein Soloprojekt starten", sagt sie. Auf die bundesweit geschaltete Anzeige meldete sich Moritz Eßinger, der gerade aus Hessen nach Dresden gezogen war, um an der TU seinen Physikdoktor zu machen. Schnell war klar, dass die beiden ganz gut miteinander können. Tine Schulz' Ehrgeiz habe ihn anfangs überrascht, erinnert sich Eßinger an die ersten Begegnungen. Sie habe halt keine halben Sachen machen wollen, meint Schulz, die hauptberuflich im Marketing tätig ist. Zu viele Projekte seien eingegangen, weil es am Engagement der Mitglieder mangelte oder weil sie den richtigen Zeitpunkt für eine Tour oder CD verpasst hatten. Wenn sie jetzt noch einmal anfängt, darf das nicht noch mal passieren, hat sich die 30-jährige Schulz vorgenommen.

Also mit Volldampf ins Abenteuer: Im September 2011 gingen die beiden eine Woche ins tschechische Franzensbad. Dort haben sie ihren Stil gefunden, den sie irgendwo zwischen Tori Amos und A Fine Franzy verorten. Schulz bringt dazu ihre ausdrucksstarke, kräftige Stimme ein, mit der sie die selbst verfassten Texte singt, Eßinger den verspielten Umgang mit seinen Instrumenten und seine Leidenschaft für Filmmelodien, die hin und wieder hörbar wird. Was sich sonst selten über CousCous sagen lässt: Dass sie ausgerechnet diesen Stilmix fanden, war nicht geplant. "In Franzensbad haben wir endlich aufgehört zu diskutieren, und am Ende war ganz viel Material da", sagt Schulz, die Abschlüsse in Anglistik und Soziologie hat.

Genug für den nächsten Schritt: eine CD. Auch hier sollten es "keine Kompromisse" sein, wie Tine Schulz sagt. Für die Finanzierung gingen sie neue Wege: Crowdfunding. Bei der Dresdner Plattform Startnext stellten CousCous im Sommer 2012 ein witziges Video ein, dessen Bildsprache die Gestaltung der CD widerspiegelt. Wem es gefiel, der konnte sich finanziell am Projekt beteiligen. Nach zwei Monaten hatten rund 100 Unterstützer fast 4500 Euro gegeben. Etwa 120 Alben waren schon verkauft, obwohl noch kein Ton aufgenommen war. Sogar zwei Abnehmer aus den USA hatten sich gefunden - soziale Netzwerke machen es möglich. Und das, obwohl die Band bis dato gerade einmal zwölf Konzerte gespielt hatte. "Crowdfunding ist gut für die Kreativwirtschaft", ist Eßinger überzeugt. Nicht nur für die Finanzierung. Die Band musste sich im Klaren darüber sein, was sie den Investoren verspricht, bevor sie das Video bei Startnext einstellte.

Im Herbst ging es nach London ins Tonstudio. Einen Teil der zehn Lieder haben sie dort mit einem Streichquartett eingespielt. "Gänsehaut pur", wie sich Eßinger erinnert. Die Klaviertonspuren hat er an einem echten Konzertflügel aufgenommen, nicht wie sonst an einem Keyboard. Ihren musikalischen Traum wollten sich die beiden so gut wie nur möglich erfüllen.

Dennoch: "Es ist ein semiprofessionelles Projekt", schätzt Tine Schulz nüchtern ein. Mit dem sie aber so weit kommen wolle, wie es trägt. Auch sagt sie das ohne Schwärmerei. Wie es weitergeht, haben sich die zwei genau überlegt. In den nächsten Wochen steht eine Tour an. Zunächst drei Termine im Rahmen des "Flying Music Circus" in Chemnitz, Leipzig und Dresden, dann selbst organisierte Auftritte, darunter in Gießen, Kiel, Köln, Hamburg und Hannover. "Unsere Musik gehört auf eine Bühne", sagt Tine Schulz. Wer ihren gestenreichen Vortrag bei der Record Release Party im Bärenzwinger gesehen hat, der glaubt es ihr. Auf der Tour wolle man auch den direkten Kontakt zu den Fans suchen, meint Eßinger. Im Internet ist er schon längst hergestellt. Ein Musikvideo soll in den nächsten Monaten entstehen, wieder unter Mitwirkung der Fans. Die können papierne Anziehfigürchen, die Tine Schulz und Moritz Eßlinger nachempfunden sind, nach eigenem Geschmack gestalten und einsenden. Aus den Zusendungen wird ein Video in Stop-Motion-Technik hergestellt - der nächste Schritt ist gleich wieder ein Marketing-Gag.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 22.01.2013

Uwe Hofmann

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