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Dresdens älteste Orgel erklang in Pillnitz

Dresdens älteste Orgel erklang in Pillnitz

Sich in Geduld zu üben, ist schon fast eine Tugend, wenn es um die Restaurierung wertvoller Musikinstrumente geht: Das barocke Orgelpositiv im Pillnitzer Kunstgewerbemuseum, das seit 1963 den Saal im Wasserpalais ziert, ist nach dreijähriger Restaurierung an jenen Ort zurückgekehrt, der seit der Nachkriegszeit seine Heimat ist.

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Das barocke Orgelpositiv ist nach Restaurierung wieder im Pillnitzer Kunstgewerbemuseum zu sehen.

Quelle: Hartmut Schuetz

Im Abschlusskonzert der Jubiläumsreihe von "Musik im Wasserpalais" zum 50-jährigen Bestehen des Museums wurde das restaurierte Instrument nicht nur musikalisch präsentiert, es wurden auch Einblicke in seine Geschichte und in die Arbeit der Restauratoren vermittelt.

Bisher schrieb man die kleine Orgel, die erstmals 1733 im Inventar von Schloss Moritzburg erwähnt wird, dem Orgelbauer Johann Ernst Hähnel zu. Zweifel an dessen Urheberschaft gab es längst, zumal das vom Hoflackierer Martin Schnell mit zauberhaften Chinoiserien bemalte Gehäuse im Stil der Lackmöbel, wie sie unter August dem Starken am Dresdner Hof beliebt waren, eher den Hoftischlern zuzurechnen ist. Maler, Tischler und Orgelbauer hatten eng zusammengearbeitet. Unstrittig bleibt die Entstehungszeit um 1725, doch für die Zuschreibung führten Erkenntnisse aus der Orgelwerkstatt Wegscheider im Frühjahr 2012 auf eine neue Spur. Die Orgelbauer fanden unter den einst zum Abdichten in die Bälge eingeklebten alten Akten das Konzept für ein Angebot zu einer Orgel. Dem Orgelsachverständigen Klaus Gernhardt ist die Idee zu danken, die Schriftzüge mit den Unterschriften der um 1700 in Sachsen tätigen Orgelbauer zu vergleichen. Nur beim Hoforgelbauer Johann Heinrich Gräbner (1665-1739) fand er eine Übereinstimmung. Die Ausführung der Arbeit durch Gräbner wäre schlüssig, denn er war als Hoforgelbauer ständig an den Tasteninstrumenten des Hofes tätig. Die Archivalien geben keinen Hinweis darauf, wo die Orgel vor 1733 stand. Ob das Instrument eventuell zum Umfeld der musikliebenden Kurfürstin Christiane Eberhardine (1671-1727) und damit zu Schloss Pretzsch gehörte, bliebe zu erforschen.

Die Dringlichkeit der Restaurierung wurde auf Fotos von den Schäden am Erlenholz des Gehäuses erkennbar, anhand derer Holzrestaurator Jochen Flade seine Arbeit erläuterte. Viele Teile waren in der Stabilität so beeinträchtigt, dass auch die wertvolle Lackmalerei gefährdet war. Gemeinsam mit Restauratorin Kati Böckelmann, der die sorgfältige Festigung der Fassung und die Retusche zahlloser Fehlstellen meisterlich gelungen ist, konnte das Gehäuse in einen Zustand versetzt werden, der seine Schönheit wieder ganz zur Geltung bringt.

Organist Jan Katzschke stellte das restaurierte Instrument in seiner musikalischen Farbigkeit und Kraft vor. Neben Werken von Johann Kuhnau, Johann Sebastian und Wilhelm Friedemann Bach gaben vor allem die harmonisch gewitzten, musikantischen Fugen von Hoforganist Christian Petzold einen Eindruck vom Klang, den Mitarbeiter der Orgelwerkstatt Wegscheider rekonstruiert haben. Ein besonderer Gewinn für das Spiel mit barocken Instrumenten ist die Stimmung im tiefen Kammerton. Zu Sonaten von Telemann, Hoffmann, Pfeiffer und vom Konzertmeister der Hofkapelle, Johann Georg Pisendel diente die Orgel in ihrer ursprünglichen Bestimmung: Als Continuo der Kammermusik. Stilistisch genau und sehr lebendig spielten Mitglieder des Dresdner Barockorchesters (Guido Titze, Oboe; Ulrike Titze, Violine; Krystof Lada, Fagott) die im "Schranck No.II" (SLUB) überlieferten Werke. Im Kunstgewerbemuseum ist Dresdens älteste Orgel zurück und die kommenden Jahrgänge von "Musik im Wasserpalais" dürfen wieder davon profitieren. Hartmut Schütz

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 01.10.2013

Hartmut Schütz

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