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Dresdens Städtische Galerie wird zehn

Im Schatten der Musentempel Dresdens Städtische Galerie wird zehn

Für die „Zeit“ gehört sie zu Deutschlands schönsten Kunstsammlungen. Die Städtische Galerie Dresden verwahrt einen besonderen Schatz - und hat sich schnell neben den großen Musentempeln etabliert.

Quelle: David Brandt

Dresden. Dresden. „Wir sind das Museum mit einem Wow-Effekt!“ Mit einem Satz macht Direktor Gisbert Porstmann klar, dass sich die Städtische Galerie Dresden vor den weltberühmten Musentempeln in der Nähe nicht verstecken muss. Das soll auch die Jubiläumsausstellung „Das muss man gesehen haben“ zeigen. Sie vereint ausgewählte Schenkungen und Ankäufe, mit denen Lücken in der Sammlung geschlossen sowie der Bestand an Werken zeitgenössischer Künstler der Stadt in der vergangenen Dekade ausgebaut werden konnte. Insgesamt sind rund 150 Werke von mehr als 100 Künstlern zu sehen - von Dix bis Thomas Scheibitz.

„Bürgerliche Museen wie das Museum für Bildende Künste in Leipzig, die Kunstsammlungen Chemnitz und Zwickau und andere sind die Eckpfeiler der sächsischen Museumslandschaft und unermessliche Wissensspeicher“, sagt Kunstministerin Eva-Maria Stange (SPD). „Sie sind Orte zum Erinnern, Staunen, Lernen, Bewahren, Begegnen und damit Akteure der kulturellen Bildung.“ Der Freistaat fördert Erhaltung und Entwicklung bürgerlicher Museen mit überregionaler Bedeutung durch Zuschüsse - und auch über die Kulturraummittel.

Die 2002 gegründete Dresdner Galerie wurde 2005 in einer Etage des Landhauses aus dem 18. Jahrhundert eröffnet. Damit wurde der bisher im Stadtmuseum weitgehend deponierte, seit 1869 gesammelte und von 1919 bis 1924 prominent vermehrte Kunstschatz ein separates Museum. Die Sammlung aber ist seit der Beschlagnahmung von fast 500 Werken der Expressionisten als „entartet“ durch die Nazis 1937 erheblich dezimiert. Arbeiten etwa von Vertretern der in Dresden tätigen Künstlergruppe „Die Brücke“ waren erst Jahre davor angekauft worden.

„Die städtische Sammlung war der Spitzenbestand des deutschen Expressionismus“, sagt Porstmann. Viele Gemälde sind verschollen, andere in Brasilien oder den USA. „Wenn wir die Sammlung noch hätten, wären wir eine Pinakothek der Moderne.“ Seit rund 80 Jahren werden die Bilder namhafter Künstler wie Erich Heckel, Ernst-Ludwig Kirchner, Oskar Kokoschka, George Grosz, Paul Klee, Otto Mueller, Conrad Felixmüller, Kurt Schwitters, Karl Schmidt-Rottluff oder Lionel Feininger schmerzlich vermisst.

Die Rückkehr von Werken sind Einzelfälle. Der spektakulärste war bislang Anfang 2013 der Ankauf des Gemäldes „Sonnenaufgang“ von Otto Dix, das er 90 Jahre zuvor in Dresden gemalt hatte. Ohne finanzielle Hilfe von Stiftungen oder den Freundeskreis ist dies nicht möglich. „Wir suchen ständig Stifter, Schenker, Förderer“, schildert Porstmann. Neben kunstliebhabenden Bürgern und Sammlern engagieren sich auch Künstler, so gelang etwa der Ankauf einer Sammlung mit frühen Werken von A.R. Penck. Zudem verfügt die Galerie über einen beachtlichen Kunstbestand aus der DDR.

Knapp 70 Ausstellungen lenkten bisher den Blick darauf, aber auch auf berühmte und junge oder in Vergessenheit geratene und unbekannte Künstler der Region sowie wichtige und internationale Strömungen. Für das Konzept spricht, dass sich die Besucherzahl mit fast 25 000 im vergangenen Jahr nahezu verdoppelte. „Besucher sind meistens überrascht von uns“, berichtet Porstmann. Lange verirrten sich auch Kulturtouristen ins Landhaus - auf dem Weg in die staatlichen Museen.

„Die Kunstsammlungen sind ein großer Tanker, wir die wendige Fregatte“, meint Porstmann lachend. Aber die Galerie habe sich auch bundes- und europaweit als Institution etabliert. „Wir sind Leihpartner für deutsche, europäische und transatlantische Museen - und dabei immer Botschafter der Stadt“, berichtet der Direktor nicht ohne Stolz. Aus seiner Sicht wäre daher nun längst Zeit für ein eigenes Domizil. „Wir könnten so viele fantastische Gemälde zeigen.“ Dafür braucht er aber 3000 statt 400 Quadratmeter. Den passenden Standort hat Porstmann täglich vor Augen: „Der Parkplatz vor dem Polizeipräsidium.“

Simona Block, dpa

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