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Dresdens Skulpturensammlung entdeckt den Bildhauer August Hudler neu

Zwischen Jugendstil und Moderne Dresdens Skulpturensammlung entdeckt den Bildhauer August Hudler neu

Es blieben ihm auf dem Höhepunkt seines Schaffens nur wenige Jahre. August Hudler war "Ein Bildhauer auf dem Weg in die Moderne", wie das Motto der laufenden Ausstellung der Skulpturensammlung der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden lautet.

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August Hudler, um 1905. Porträtfoto von Max Fischer.

Quelle: Repro: Sandstein Verlag, © SKD

Dresden. Es blieben ihm auf dem Höhepunkt seines Schaffens nur wenige Jahre. August Hudler, 1868 in dem kleinen oberbayrischen Ort Odelzhausen bei Dachau geboren, war wie viele aus einfachen Verhältnissen stammende Menschen seiner Zeit seit früher Jugend von einem chronischen Lungenleiden betroffen, das, wenngleich er Zeitgenossen wie dem Reformarchitekten Fritz Schumacher als "kraftstrotzend" im Bewusstsein war, zu seinem frühen Tod 1905 führte. Hudler war "Ein Bildhauer auf dem Weg in die Moderne", wie das Motto der laufenden Ausstellung der Skulpturensammlung der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden lautet, die ihn derzeit wiederentdeckt. Und mit Dresden - seit 1900 wirkte er an der Elbe - war auch die fruchtbarste Zeit seines Schaffens verbunden, zumal Georg Treu (1843-1921), der 1894 die Skulpturensammlung im Albertinum begründete, ihm Anerkennung und Unterstützung zukommen ließ. So interessierte dieser großbürgerliche Mäzene wie Eduard Arnhold, Felicie Bernstein oder August Lingner für Werke des Künstlers. Gleiches gilt für Museumsleute, hielt Treu den Bildhauer doch für einen jener Vertreter seiner Zunft, die neue Wege suchten - Wege wie anderswo Rodin, Rosso, Meunier, deren Werken er ebenfalls einen Platz in "seiner" Skulpturensammlung einräumte.

Die Darstellung einfacher Menschen

August Hudler hatte seine Ausbildung in München begonnen. Die erste Station war ab 1885 die Kunstgewerbeschule. Ab Ende der 1880er Jahre studierte er dann an der Königlichen Akademie der Künste. Hier wechselte er vom Bildhauer Wilhelm von Ruemann zum am Naturalismus orientierten Maler Wilhelm von Diez, um auch seine malerische und zeichnerische Seite auszubilden. Bekannte Künstler wie Max Slevogt, Hans am Ende oder Fritz Mackensen hatten ebenfalls die freie Atmosphäre von Diez' Klasse genossen. Auch August Hudlers Arbeiten - etwa sehr lebendig wirkende, farbig gefasste Porträtbüsten - zeigten eine in dieser Zeit noch selten vorkommende Unmittelbarkeit des Ausdrucks - eine gewisse Naturnähe, das Festhalten eines Augenblicks. Für ihn ergaben sich zugleich neue Sichten auf klassische Themen, wie das des Bogenschützen, den Hudler 1894 gewissermaßen im Moment nach dem Abschuss des Pfeils darstellte, mit gesenktem Bogen. Das war eines seiner frühesten Werke, das Aufmerksamkeit erregte. Beeinflusst wurde der Künstler in dieser Zeit auch vom Deutsch-Römer Hildebrand, der in den 1890er Jahren zunehmend in München präsent war. Erste Erfolge - auch im Kunsthandel - erreichte Hudler mit einem "Narciss" (1897) und einem "Adam", der eine Blüte in der Hand hält (1898).

Etwa 50 Bildwerke und Studien

Was besonders in seinem Werk auffällt, ist die Darstellung einfacher Menschen. So beeindruckt in der ihm gewidmeten Ausstellung beispielsweise die Figur eines "Denglers" (1903), der vor dem Betrachter sitzend die Schärfe des Sensenblattes prüft. Bemerkenswertes zeigen zudem einige seit mehr als 100 Jahren erstmals präsentierte Studien aus den Jahren 1900/01 und 1904, darunter ein sich küssendes Paar oder zwei miteinander Ringende, im Untertitel mit der Bezeichnung "Mord" versehen. Die Lebendigkeit beeindruckt auch in diesen Fällen ungemein, wobei beim ersten Beispiel sogar widerstreitende Regungen der Geküssten sichtbar werden. Diese psychologische Durchdringung erscheint tatsächlich sehr modern.

Was in dieser Ausstellung zwangsläufig nicht zu sehen, im Katalog aber dokumentiert ist, sind jene Spuren, die der Künstler im Außenraum hinterlassen hat - besonders in Dresdner und auswärtigen Kirchen. Heute noch erhalten ist seine für die damalige Zeit neuartige Altargruppe in der Strehlener Christuskirche, einem Jugendstilbau. Sie wird von einem großen weißen Marmorkreuz dominiert, das zwei Apostel flankieren. Eine Christusfigur gibt es hier nicht. Dafür steht wohl allein das Kreuz. Der ebenfalls von Hudler gestaltete Altar der Lukaskirche existiert nicht mehr, dafür noch eine Lunette in der Wilthener Kirche. Das Ensemble in der Christuskirche gilt bis in die Gegenwart als Höhepunkt christlicher Kunst des frühen 20. Jahrhunderts in der sächsischen Landeshauptstadt.

Werke des Künstlers findet man in Berlin, Leipzig, Magdeburg und München, vor allem aber, wie beschrieben, in Dresden. Dank der Verbindung zu Treu haben sich etwa 50 Bildwerke und vor allem Studien in der Skulpturensammlung erhalten. Beachtung fanden sie lange kaum. Astrid Nielsen, Konservatorin an der Skulpturensammlung, sowie Andreas Dehmer, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Galerie Neue Meister, die die Hudler-Retrospektive zusammen kuratierten, nahmen dies, angeregt von jüngsten Schenkungen aus dem Kreis der Nachkommen und einer Erwerbung, als Herausforderung. Ausstellung und Katalog sind eine erstmalige grundlegende Würdigung dieses Reformkünstlers, der zu Beginn des 20. Jahrhunderts als eines der hoffnungsvollsten Talente der deutschen Plastik galt und zwischen Jugendstil und Moderne stand - neben Bildhauern wie Ernst Barlach, Bernhard Hoetger, Max Klinger, Georg Kolbe oder Georg Wrba.

Die präsentierte Erinnerung an Hudler, der auch mit Gleichgesinnten wie den Architekten Fritz Schumacher oder Wilhelm Kreis zusammenarbeitete, rückt erfreulicherweise wieder einmal den wunderbar stimmigen Klinger-Saal ins Blickfeld. Gemälde und Skulpturen aus der Zeit um 1900, die hier von der Sache her immer ihren Platz haben, geben mehr als 20 Werken Hudlers den im wahrsten Sinn des Wortes den zeitgemäßen Rahmen.

bis 31. Januar, 10 bis 18 Uhr, Mo geschlossen, Katalog 20 Euro (im Buchhandel 38 Euro)

Aktuelle Veranstaltungshinweise im Ausstellungsprospekt und unter: www.skd.museum

von Lisa Werner-Art

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