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Dresdens Goethe-Institut wird 20 – Chefin Kristina Pavlovic im Gespräch

Realität statt Hochglanz Dresdens Goethe-Institut wird 20 – Chefin Kristina Pavlovic im Gespräch

Es dauert nicht lange, da erhebt sich die Frau gegenüber am Tisch und entschuldigt sich kurz. Wenige Augenblicke später ist sie auch schon wieder zurück aus dem Nachbarzimmer. In der Hand eine kleine, bunte Aufstellung, genauer gesagt ein Flaggenmeer. Die Fahnen von 55 Nationen in ihrer ganzen Farbenpracht.

Goethe Institut Dresden

Quelle: Thomas Koy

Dresden. Es dauert nicht lange, da erhebt sich die Frau gegenüber am Tisch und entschuldigt sich kurz. Wenige Augenblicke später ist sie auch schon wieder zurück aus dem Nachbarzimmer. In der Hand eine kleine, bunte Aufstellung, genauer gesagt ein Flaggenmeer. Die Fahnen von 55 Nationen in ihrer ganzen Farbenpracht. Daneben fast unscheinbar eine Zahl, die bemisst, wie viele Schüler aus dem jeweiligen Land gerade einen Deutschkurs im Haus besuchen. In diesem Monat sind es 162.

Kristina Pavlovic schaut durchaus mit Stolz auf diese Tabelle, „ die wir jeden Monat erstellen“. Seit fünf Jahren ist sie, die aus dem Württembergischen stammt, Leiterin des Goethe-Instituts Dresden. Derzeit gebe es viele Kursteilnehmer aus Indien, den USA, China. Aber diese Majoritäten wechseln ständig. „In anderen Monaten sieht es wieder ganz anders aus.“

159 Goethe-Institute existieren in 98 Ländern. In Deutschland ist Dresden einer unter zwölf Standorten. Einer, der natürlich in jüngster Zeit gesellschaftspolitisch stärker im Fokus lag als andere Städte. „Es hat auf jeden Fall einen Einfluss auf unsere Arbeit“, sagt Pavlovic mit Blick auf die montäglichen Pegida-Gänge und damit verbundene Themensetzungen in der Stadt. Natürlich in erster Linie wegen der Kursteilnehmer im Haus. „Im vergangenen Jahr habe ich ganz intensiv mit allen gesprochen und nach ihren Erfahrungen gefragt.“ Diese seien trotz allem überwiegend positiv, „das ist mir auch ganz wichtig zu sagen“.

Man versuche, die Schüler in der Nähe des Goethe-Instituts unterzubringen, „dass sie nicht durch die ganze Stadt fahren müssen“. Auf die Montagsdemonstration habe man ebenfalls hingewiesen sowie Tipps gegeben, was man tun könne und solle, wenn man rassistischer Gewalt verbaler oder physischer Natur ausgesetzt ist. Dazu seien Experten der Opferberatung eingeladen worden, die darüber sprachen. Besorgte Anrufe, beispielsweise von Eltern mancher Kursteilnehmer, seien eingegangen, mit Fragen: „Ist das ungefährlich? Kann man nach Dresden kommen?“ Zum Glück sei, von vereinzelten Verbalattacken abgesehen, „nie etwas passiert“, sagt Pavlovic.

Einen Rückgang der Kursteilnehmerzahl habe man dennoch befürchtet. 2015 sei aber das Gegenteil eingetreten. „Es ist eins der besten Jahre in der Geschichte des Goethe-Instituts Dresden gewesen.“ 2016 habe es dagegen wiederum Monate mit weniger Kursteilnehmern gegeben, „wo wir uns fragten: Ist das ein Pegida-Effekt?“ Genau lasse sich das natürlich nicht sagen. „Eins will ich aber ganz deutlich herausstreichen: Wir haben hier aber vor allem viele Rückmeldungen über die Freundlichkeit der Dresdner“, sagt Pavlovic.

Natürlich gebe es auch Kurse für Flüchtlinge sowie Workshops und Fortbildungen für ehrenamtliche Lernbegleiter. „Es ist wichtig zu sagen: keine Lehrkräfte. Wir bilden keine Lehrkräfte in einer Schnellbleiche aus.“ Dieser Einschub ist ihr wichtig. Auch minderjährige Flüchtlinge habe man sich gekümmert. „Wir haben also das gesamte Spektrum abgedeckt.“ Diese Kurse seien über Drittmittel finanziert, die nun wieder neu akquiriert werden, um das Angebot weiterzuführen.

All das habe dem Haus reichlich Erfahrung gebracht. „Es ist einfach eine andere Klientel als die sonst bei uns übliche.“ Eine Klientel, die normalerweise vorrangig aus Akademikern, Stipendiaten, Studenten besteht. Und die zahlreich war und ist über die Jahre. Etwa 30 000 Kursteilnehmer habe es über die 20 Jahre in Dresden gegeben, sagt Pavlovic. Und all denen wird nicht nur die Sprache vermittelt, „sondern auch die , also Antworten auf die Frage: Wie tickt Deutschland?“ Kein Hochglanz, sondern die Realität.

Trotz einer starken Osteuropa-Affinität war sie vor ihren Jahren in Dresden nie in Ostdeutschland, erzählt sie. Besonders das Kulturelle von Weimar bis Leipzig habe sie danach „regelrecht aufgesogen“. Der Osten habe sie aber nie abgeschreckt. Vor allem in Zeiten der zerfallenden Sowjetunion sei sie viel in jenem Teil der Welt unterwegs gewesen, erinnert sie sich. Fürs Goethe-Institut war sie unter anderem schon in der Slowakei und in der Ukraine. Und was wäre noch offen? „Indien, ganz sicher. Außerdem ein afrikanisches Land. Aber welches, das wechselt grad immer wieder.“ Ihre Neugier ist also noch nicht erschöpft.

Das hiesige Goethe-Institut spiele für die Stadt eine spezielle Rolle, ist sich Pavlolvic sicher. Jeder der Kursteilnehmer „trägt ein Stück Dresden in die Welt“. Sie sei selbst bei ihrer Ankunft hingerissen gewesen von dem vielen Grün der Stadt, der hohen Lebensqualität. Und es gebe unzählige Feste. „Die Dresden sind sehr feierfreudig.“ Am Dienstag kommt noch eine kleine Party hinzu, wenn das Goethe-Institut seinen 20. Geburtstag begeht.

Von DNN

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