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Dresdens Galerie am Damm zeigt Zeichnungen Gudrun Nützenadels

Zauberhaftes Blatt Werk Dresdens Galerie am Damm zeigt Zeichnungen Gudrun Nützenadels

Arbeiten der Dresdner Künstlerin Gudrun Nützenadel sieht man nicht so häufig in Galerien – gleichwohl mit schöner Regelmäßigkeit. Die Handschrift, mit der sie ihr „Blatt Werk“ schafft, ist unverkennbar. Jetzt präsentiert die Galerie am Damm in Dresden eine sehr schöne, emotional und geistig ansprechende Ausstellung.

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Gudrun Nützenadel. Aus der Serie „Zu Steve Reich“.

Quelle: Galerie am Damm

Dresden. Arbeiten der Dresdner Künstlerin Gudrun Nützenadel sieht man nicht so häufig in Galerien – gleichwohl mit schöner Regelmäßigkeit. Die Handschrift, mit der sie ihr „Blatt Werk“ schafft, ist unverkennbar (manche würden sie informell nennen). Sie wirkt naturhaft, stützt sich auf die Linie als Grundelement, die mal rustikal, mal fein ausfällt, mal auch nur als Spritzer oder Fleck, etwa von Tusche, daherkommt. In einem mehr oder weniger spontanen, durchaus Zufälle einschließenden Prozess entstehen sich überlagernde Linienbündel oder -knäuel, die im Auge des Betrachters an Bäume, Astwerk, Sträucher oder Gräser erinnern. Das Vorgehen, geprägt von beabsichtigten Setzungen und Zufällen, deren Ergebnisse sich in „Schichten“ übereinanderlegen und durchdringen, ähnelt den Vorgängen in der äußeren Welt, in der die Resultate von Gesetzmäßigkeit und Zufall im Verlauf der Zeit ebenfalls sich überlagernde Schichten bilden, in denen sich Werden und Vergehen manifestiert.

War schon immer deutlich, dass Gudrun Nützenadel (geb.1943 in Lauban) eher das Weltganze im Blick hat, über eine sich nur an der Erscheinung orientierende Naturerfassung hinaus will, so macht die aktuelle kleine Schau der Galerie am Damm unter dem genannten Motto „Blatt Werk“ dies auf besonders überzeugende Weise deutlich. Manchem mag die Künstlerin sogar „neu“ erscheinen, weisen die präsentierten Werke doch auf geistige Inspirationen aus Literatur und Musik sowie vor allem auf eine, von vielen als Sensation empfundene Ausstellung der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, die 2014/15 im Japanischen Palais stattfand. Dort waren unter dem Motto „Die Logik des Regens/ Logical Rain“ 140 kostbare japanische Färbeschablonen für Kimonos gezeigt worden – nur ein kleiner Teil des weltgrößten Bestandes dieser Objekte, die bis dato ungesehen im Depot des Kunstgewerbemuseums überdauert hatten. Wie der Ausstellungstitel es andeutet, konzentrierte sich die Entdeckungspräsentation auf 140 unterschiedliche Interpretationen des Regens, die von den einstigen Machern mit unendlicher Geduld, Phantasie und Präzision in das empfindliche Material aus Maulbeerbaumrinde geritzt worden waren.

Gudrun Nützenadel war so fasziniert von den, so viel Kunstfertigkeit und Geduld, ja philosophische Versenkung, ausstrahlenden Objekten und ihrer Präsentation, dass sie die Ausstellung wiederholt besuchte und schließlich nicht nur die bildlichen Eindrücke mitnahm, sondern auch ein großes, plakatartiges, auf Buchgröße gefaltetes Blatt, auf dem einige der Schablonen abgebildet sind. Diese Bögen, die noch die Faltspuren tragen, wurden für sie zum Ausgangs„material“ von großformatigen Zeichnungen. Zwei der wunderbaren Blätter zeigt die Galerie am Damm, wobei jedem Besucher wohl der „Osterspaziergang“ besonders ins Auge fallen dürfte.

Neben den beschriebenen Linien- und Fleckspuren in Schwarz, die sich über den Bogen, einschließlich der Schablonenabbildungen, ziehen, sind es vor allem die gleichermaßen die Arbeit prägenden Linien und Flecken in Gelb. Sie verleihen dem großformatigen Werk, ganz dem Gehalt der von Goethes Gedicht geprägten Vorstellungen folgend, etwas ungemein Frühlingshaftes. Schaut man dann noch genauer hin, entdeckt man, dass manche der gezeichneten Linien Schriftzeichen bilden: Goethes „Osterspaziergang“ steht dem Betrachter hier vor Augen, allerdings in Spiegelschrift. Links davon ist ein kleineres Schriftblatt – diesmal nicht spiegelverkehrt gehalten – schon wegen des verwendeten Goldgrundes nicht zu übersehen. Bezogen ist es auf Mahlers Komposition „Das Lied von der Erde“, das auf mehreren Gedichten aus einer Sammlung übersetzter chinesischer Lyrik beruht. Nützenadels Schrift ist nicht auf Lesbarkeit aus, bildet viele Schlingen, Schlenker und Bögen, so dass alles sehr zeichnerisch wirkt und auf diese Weise den naturhaften Blättern durchaus nah ist. Der Goldgrund mag der Bedeutung der Komposition im Schaffen Mahlers und vielleicht auch der Verehrung der Künstlerin für dieses Werk geschuldet sein.

Beschlossen wird die kleine Schau mit der Widmung an einen weiteren Komponisten in Form der Serie „Zu Steve Reich“. Basis hierfür sind wohl ältere Lithografien, die die Künstlerin farbig, vor allem mit Blau, überzeichnete. Vielleicht ist es erstaunlich, aber die Gestaltung der Arbeiten assoziiert durchaus Gedanken an Klänge und Töne, die mal punktuell, mal verdichtet und kraftvoll erscheinen. Und zugleich tragen auch diese Blätter Naturhaftigkeit in sich.

So lassen die Arbeiten der promovierten Verfahrenstechnikerin (1974) Gudrun Nützenadel, die seit 1982 freischaffende Künstlerin ist – sie hatte 1964 Lebensmitteltechnik an der TU Dresden studiert und zudem ein Abendstudium an der HfBK absolviert –, einen breiten Spielraum für Gedanken und Gefühle des Betrachters über die Welt und über sich. Man sollte sich diese sehr schöne, emotional und geistig ansprechende Präsentation nicht entgehen lassen.

Bis 26. April, Galerie am Damm, Körnerplatz 10, Di-Fr 14-19, Sa 11-14 Uhr. Tel. 0351/2 67 92 18

 

Von Lisa Werner-Art

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