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Dresdens Filmgalerie Phase IV setzt auf Crowdfunding

Scheune Dresdens Filmgalerie Phase IV setzt auf Crowdfunding

Eigentlich war das Ende schon beschlossen: Dresdens Filmgalerie Phase IV stand vor dem Aus. Doch nun könnte sich das Blatt noch wenden – wenn über Crowdfunding bis Ende Februar 29 000 Euro zusammenkommen.

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Nach einer Stunde Partysongtrommelei in der Maria-König-Kapelle verkündet Sven Voigt (M.) auf der Zehn-Jahres-Party in der Dresdner Scheune die leichte Hoffnung auf eine elfte.
 

Quelle: Dietrich Flechtner

Dresden.  Es war die perfekte Party: Just am Jahrestag der Gründungsparty feierte am Sonnabend die Neustädter Filmgalerie Phase IV ihren zehnten Geburtstag – wie alle anderen zuvor in der vollen Scheune, mit Buffet, zwei Bands und einem weit nach Mitternacht reichenden Ein-Euro-Sektkontingent. Zwei Stunden lang war diesmal die normale Einlassschlange, durch den mutigen Verkauf von zwei Dritteln der Acht-Euro-Tickets an der Abendkasse war das Haus auch rasch gefüllt und die Zehn-Jahres-Sause begann gewohnt schwungvoll, weil frühe Vögel, so wie Nachtigallen, auch besser tanzen als Eulen.

Doch eines war anders als sonst: Unten im Foyer stand Sven Voigt, verbliebener Phase-IV-Gründer, in schwarzem Anzug und nahm Beleidskundgebungen seiner Gäste entgegen, denn seine Filmgalerie auf der Königsbrücker Straße trägt sich nicht mehr – er hatte genau zwei Wochen zuvor die Schließung Ende März ankündigt (DNN berichteten). Soeben begrüßte eine vierköpfige Damenriege vom Kurzfilmfest ihren verdienstvollen Vorausscheid-Juror, aber auch Dresdner Programmkinobetreiber oder echte Literaturhändler waren unter den vermeintlichen Trauergästen zu sichten, ebenso einige StaatsschauspielerInnen.

Oben im Saal spielte Triple Trouble, ein Dresdner Trio, das Welthits im flexiblen Taschenformat bietet, die aber auch total ohne Strom, also überall funktionieren würden. Schlagzeuger und Sänger Matthias Peuker, selbst Stammkunde der Filmgalerie, treibt dabei Toralf Klein an der Tuba und Marco Pfennig an Banjo und Ukulele voran.

Letzterer singt ebenso markant wie Peuker – vorm Vorhang auf der Vorbühne bieten sie ein musikalisch spannendes Erlebnis von Eurythmics’ „Sweet Dreams“ bis Kraftwerks „Model“. Das schafft Locker- bis Heiterkeit und löst Verwunderung aus, schaut man sich den recht kargen Tourplan an.

Danach öffnet sich der Vorhang auf die weite Bühne – es wird Platz für die Leipziger Maria-König-Kapelle. Die spielt bei der Party aller zwei Jahre, just bei geraden Geburtstagen. Nun hatte sie – genau eine Woche vor dem zwanzigsten Jubiläum der Bandgründung, die wohl nur intern gefeiert wird, und just einen Tag nach einem Party-Gig im Kieler Holsteinstadion – ein Dresdner Heimspiel. Die Combo umfasst vier völlig verschieden gekleidete, singende und tanzende Frontfrauen plus drei Herren in hellen Anzügen an Bass, Gitarre und Schlagzeug.

An letzterem sitzt der schüchterne Sören Smörrebröd, der dem Phase-IV-Chef verdammt ähnlich sieht. Dazu ein pseudolustiger Moderator, der wie wild hinter den Damen über die Bühne hopst, die Titel mit ewig gleichen Superlativen anpreist und alle für „großartig“ und „unvergleichlich“ hält. Die Kapelle spielt sich quer durch den abendländischen Kanon der besseren Partyhits und funktioniert vor allem dank der Showqualitäten der Damen.

Was man dabei wissen sollte: Die acht Bandmitglieder – die sich alle außer dem Moderator nun schon zwei Dekaden, also seit Studentenzeiten treu sind – wohnen mittlerweile verstreut im Lande und treffen sich derzeit nur zu rund vier Gigs pro anno. So ist nur der Soundcheck gemeinsame Probenzeit, auch für neue Titel. Und so klang einiges auch, also recht gewöhnungsbedürftig. Getanzt und gejubelt wurde dennoch – und dann – passenderweise nach „Video killed the Radiostar“ kam der Auftritt von Sören: Er streifte sich das schwarze Jackett über – und wurde zu Sven Voigt und ernst. So verkündete er die Nachricht des Tages dem jubelnden Publikum: Die Reaktionen auf die Schließung seien so überwältigend und meist ganz konkreter Art: „Das geht gar nicht!“, so der Tenor der Fan- und Kundengemeinde der Filmgalerie. Man versuche nun, mit einer Startnext-Kampagne per Crowdfunding noch ein Jahr zu überstehen, um zwischendurch eine Weiterführung in einer angepassten Struktur zu ermöglichen. Dabei seien Verein, Genossenschaft oder Stiftung denkbar.

Wichtig ist vor allem, so erklärt Voigt einen halben Tag nach dem umjubelnden Auftritt, per Vernetzung darauf hinzuwirken, dass man die Phase IV auf neue Füße stellt, um eine Anerkennung als bedrohte Kulturinstitution – die sich vielleicht auch als förderfähig erweist – zu kämpfen, um die Sammlung der rund 12 000 Filme beisammen und öffentlich zugänglich zu erhalten.

Das ist nur zu logisch, wenn ein Wirtschaftsminister ultraschnelles Netz in jedem Dorf exorbitant bezuschussen will, was natürlich vielen traditionellen Geschäftsfeldern schadet und auch legales wie illegales Filmgucken fördert. Doch dieser Weg wird kein leichter sein: Die „Phase IV wird elf“ heißt die grundlegende Kampagne und will 29 000 Euro bis zum 29. Februar einsammeln, am Dienstag wird wohl sie nach der formalen Prüfung starten.

Bis dahin bleibt also die Hoffnung – einerseits, dass die Galerie auch ab 1. April öffnet, andererseits dass es vielleicht sogar eine elfte Party gibt, die sich in der jetzigen Art selbst trägt, aber natürlich das Engagement der Voigt-Brigade und sicher auch die Marke dahinter braucht. Auch um der Filmstadt Dresden und deren Cineasten zwischen seinen Kinofesten geistvolles Futter zu liefern.

So wie derzeit per Themen-Spezial „120 Jahre Kino – Eine Filmgeschichte in 42 Kapiteln“. Beginnend mit den Brüdern Auguste und Louis Lumière wartet ein Regalmeter mit eigens sorgfältig kuratierten Meilensteinen. Das kleine Spezial gilt aus akutem Anlass 19 Filmen mit oder über David Bowie – von 1975 („Der Mann, der vom Himmel fiel“) bis 2006 („Prestige - Die Meister der Magie“). Aber auch die Reihe „Regisseur & Schauspieler der Woche“ wäre gerettet.

www.filmgalerie-phaseIV.de

www.startnext.com

Von Andreas Herrmann

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