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Dresdens "Elektra" in der Semperoper grandios besetzt

Dresdens "Elektra" in der Semperoper grandios besetzt

Das war ein Abend für die hohe Kunst des dramatischen und sogar des hochdramatischen Gesanges, und die Betonung liegt auf dem Gesang! Für sie, so sagte in den DNN vorab Elena Pankratova als Sängerin der Titelpartie, sei Elektra ein Mensch und kein Monster.

Damit hatte sie sich selbst für ihr Dresdner Debüt in der Semperoper mit dieser derzeit nicht so ganz leicht zu besetzenden Partie einen hohen Anspruch gesetzt.

Diesen Anspruch konnte Elena Pankratova einlösen. Kraft des reinen Gesanges, ohne auch nur ansatzweise jenem fälschlicherweise so schnell für dramatisch gehaltenen Deklamationsstil zu verfallen, fesselt und berührt sie als Tragödin im Wechsel sehnsuchtsvoller Passagen von lyrischer Qualität mit den tonalen Ausbrüchen der Rache und des Hasses. Dabei behält ihre Stimme stets die Form. Das Maß dieses ausgesprochen sicheren wie facettenreichen Soprans bestimmt die Dramatik. Dazu ist die Dynamik klug gedacht und hält den Spannungsbogen von den ersten klagenden Tönen der Einsamkeit und der Beschwörung des gemordeten Vaters Agamemnon als bestimmendes musikalisches Motiv für den Verlauf des Dramas. Große Momente in der Auseinandersetzung mit der Schwester Chrysothemis und in dem so gespenstischen wie von böser Ironie geprägten Dialog mit der Mutter Klytämnestra. Man hätte die berühmte Stecknadel fallen hören können in der Semperoper bei der Erkennungsszene zwischen Elektra und dem tot geglaubten Bruder Orest. Das Bild am Schluss prägt sich ein, wenn dieser Elektra die Beine den Dienst versagen, wenn ihr Tanzen zum Kampf gegen den eigenen Körper wird, der sie in die Tiefe zwingt, hin zum Klang, zur Musik, die doch aus ihr kommt, wie es in Hugo von Hofmannsthals Dichtung heißt.

Aus der Musik, aus dem Gesang ihres so klaren wie in den Höhen so herrlich lichten Soprans kommt auch die Faszination der Interpretation Manuela Uhls als Chrysothemis. Als hätte sie das Leben regelrecht in die Tiefe gedrückt, so gebeugt und dennoch nicht ohne Anspruch auf ein nötiges Maß an Hoheit, gibt Jane Henschel an diesem Abend der mörderischen Klytämnestra eine zutiefst berührende Gestalt. Beeindruckend ist die Klarheit der Diktion. Die Tragik des fast bis zur Handlungsunfähigkeit getriebenen Bruders Orest, wie er unter den Racheansprüchen der Schwester zu zerbrechen droht, weiß eine Sängerpersönlichkeit wie Markus Marquardt zu gestalten.

Auch für kleinere Partien wie Mägde, Diener, einen Pfleger des Orest, eine Vertraute und eine Schleppträgerin, stehen mit Constance Heller, Stephanie Atanasov, Christa Mayer, Roxana Incontrera und Nadja Mchantaf sowie Simeon Esper und Tilmann Rönnebeck und Matthias Henneberg oder Andrea Ihle und Christiane Hossfeld, erste Kräfte des Dresdner Ensembles zur Verfügung, nicht zu vergessen Jürgen Müller als Aegisth.

Am Pult der Sächsischen Staatskapelle steht in der Semperoper an diesem Abend Peter Schneider. Ein Glücksfall. Schneider erweist sich als klug disponierender Klangregisseur, das kommt diesem Abend des Gesanges, der das musizierende Orchester einschließt, sehr zugute. Auf den furiosen Schwung der Musik muss man nicht verzichten, ein Abend der Musikdramatik mit aller Ekstase, mit wildem Taumel und mit minimalen, zart anklingenden Vorausahnungen der silbernen Zaubermusik der auf die tragische "Elektra" folgenden Komödie für Musik "Der Rosenkavalier".

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 17.12.2014

Von Boris Gruhl

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