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Dresden wird wieder Humorzone

Ausrufezeichen gegen die Angst Dresden wird wieder Humorzone

Mehr als 70 Künstler, die im weitesten Sinne die Kunst der Comedy oder des Kabaretts ausüben, kommen nach Dresden - denn vom 9. bis 13. März ist Sachsens Landeshauptstadt wieder Zone, und zwar Humorzone.

Klaus-Jürgen, genannt Knacki, Deuser, bekannt aus der Sendung "NightWash", posiert schon mal im Dresdner Umfeld.

Quelle: Amac Garbe

Dresden. Es ist ein paar Jahre her, da rechnete der Kabarettist Georg Ringsgwandl mit seiner Zunft ab. "Die raffgierigsten Bestien sitzen im linken Kabarett", meinte der Liedermacher und frühere Krankenhausarzt in einem Interview in der Süddeutschen Zeitung, in dem er den "sogenannten Künstlern" bescheinigte, "abwegig geldgeil" zu sein. Und Hilmar Klute monierte Ende Februar 2015 im selben Blatt nach dem terroristischen Anschlag auf die Redaktion der Zeitschrift Charlie Hebdo in Paris: "Die meisten deutschen Satirebemühungen zielen vor allem auf eines: Applaus." Klute warf den "öffentlich-rechtlichen Humorarbeitern und Kalauerblättchen" vor, "meist Ressentiments und dumpfe Stereotype" zu bedienen". Zu Recht spottete er über jene "todesmutigen" Clowns, die nur den Namen der Kanzlerin aussprechen, um billige Lachsalven einzustreichen.

Nun kommen mehr als 70 Künstler, die im weitesten Sinne die Kunst der Comedy oder des Kabaretts ausüben, nach Dresden - denn vom 9. bis 13. März ist Sachsens Landeshauptstadt wieder Zone, und zwar Humorzone. Nach der erfolgreichen Premiere 2015 mit mehr als 5000 Besuchern lädt Schirmherr Olaf Schubert erneut eine erkleckliche Zahl seiner fähigsten und mal mehr, mal weniger einschlägig bekannten Kollegen ein, um bei den Humorfestspielen 2.0 trotz der "politisch instabilen Lage" den Beweis anzutreten, dass es mit Schuberts Credo "Man darf auch mal lachen müssen!" seine Richtigkeit hat.

Mag das Lachen nach den Anschlägen in Paris auch manchmal schwerfallen, schweigen wollen Comedians und Kabarettisten nicht. Im Gegenteil. Auch Terror kann ein Thema von Satire sein - dieser Ansicht sind ARD, ZDF und Comedyexperten. Die Show soll durchaus weitergehen - nach Tagen des Nachdenkens und Sortierens. Der Chefredakteur des Satiremagazins Titanic, Tim Wolff, erklärte unlängst: "Satiriker dürfen in Zeiten des Terrors so weit gehen, wie sie es für angemessen halten, aber nicht so weit wie Terroristen."

Dresden, von Schubert als "Gravitationszentrum des braunen Feinstaubs" apostrophiert, darf sich so auf den im Alten Schlachthof eine "Milchbrötchenrechnung" präsentierenden Johann König freuen, denn ohne König geht hier nichts, wie der bekennende Pullunderträger weiß. Immerhin 20 Prozent der 867 Pointen, die bei der ersten Auflage der Humorfestspiele zündeten, bescheinigt er, politisch gewesen zu sein. Damit es ein paar Pointen mehr werden, wird die Humorzone von vier auf fünf Tage ausgedehnt, zudem gibt es mit dem Blue Note sowie dem Kabarett Breschke & Schuch zwei Örtlichkeiten (sprich: Locations) mehr, an denen Gags zünden sollen.

Das Humorfeuerwerk wird im Rahmen eines Warm-up am 9. März, 19.30 Uhr, in der Schauburg eröffnet. Sämtliche Teilnehmer verbindet im Prinzip nichts, außer dass sie verdammt komisch seien. So wird Rainer König als Hexe Baba Jaga nicht nur ein wenig die Frauenquote nach oben drücken. Durch das Warm-up führt Klaus-Jürgen "Knacki" Deuser, zur Präsentation an einem Montag vor geraumer Zeit eigens aus Köln nach Dresden angereist, auch wenn ihm klar ist, dass man in der Domstadt rasch in Erklärungsnotstand kommt, "wenn man sagt, dass man an einem Montag nach Dresden fährt". Deuser, der mal BWL studierte, bevor er auf Humor machte und mit der TV-Sendung "NightWash" zu einem Wegbereiter der deutschen Comedy wurde, ist sich sicher: "Humor ist ein Ausrufezeichen gegen Angst." Man müsse nicht immer lustig sein, aber selbst ein schlechter Witz setzt nach Ansicht Deusers der Verbohrtheit von Ideologen etwas entgegen.

Unter den Newcomern, die im Kino Thalia die Lachmuskeln strapazieren wollen, ist Chris Tall, ein Hamburger, der in seinem neuen Solo "Selfie von Mutti! Wenn Eltern cool sein wollen..." die Tücken der modernen Technik aufzeigt und darlegt, wie sich diese Kalamitäten auf die Beziehung zwischen Eltern und Kindern auswirken können. Er reißt - womit er ziemlich polarisiert - zudem Witze über Schwule, Schwarze und Behinderte. Die einen sind entsetzt ob der Tabubrüche, viele darin Aufgeführte sind aber auch höchst entzückt, dass Tall sie damit ganz normal behandelt, nicht ausgrenzt. Ähnlich sieht es womöglich ein anderer Newcomer, nämlich der Schweizer Alain Frei, jedenfalls lautet der Titel seines Programms: "Alle Menschen sind anders ... gleich!!"

Kommt die Humorzone in die ARD?

Wieder als Partner der Humorzone dabei: der MDR. Auf allen Kanälen wird der Sender, dessen Programmgestaltung man nicht selten mit Humor nehmen muss, die Humorzone begleiten. Ein Höhepunkt: die Übertragung der Humorzonen-Abschlussgala. Zu der hat sich der stets um die Verbesserung der Welt bemühte Schubert illustre Spaßgäste wie Rainald Grebe, Elsterglanz, den "Quotenrentner" Gernot Hassknecht (laut Schubert zudem "der Schwager von Karl Liebknecht"), Carl-Einar Häckner, Abdelkarim und Rolf Miller eingeladen.

Und um aus einem einmaligen Akt eine Tradition zu machen, wird Schubert bei dieser Gala an den besten Nachwuchs-Humoristen den mit 1000 Euro dotierten güldenen August überreichen. Und wer weiß: Vielleicht reicht es ja wie beim Vorjahressieger Maxi Gstettenbauer, dem Nerdprinz der deutschen StandUp-Szene, zu einer Anschluss-Mugge in Dippoldiswalde? Und wie Peter Dreckmann, der MDR-Unterhaltungschef, durchblicken ließ, ist angedacht, die Humorzone sogar in die ARD zu bringen.

Karten unter Tel. 0351 8038744

www.humorzone.de

Christian Ruf

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