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Dresden will seine Künstler nicht vergessen

Dresden will seine Künstler nicht vergessen

Nicht jeder Dresdner Künstler hat heute einen eigenen Internet-Auftritt, mancher kann noch nicht einmal einen aktuellen, repräsentativen Katalog vorweisen - trotz lebenslanger künstlerischer Arbeit.

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Winfried Hänels Buchskulptur "Der Jäger" (Papier/Pappe 2010). Hänel ist einer der Künstler, die sich seit Monaten für die Arbeitsgruppe Künstlerische Vor- und Nachlässe engagieren.

Quelle: Haendesign

In der traditionsbewussten Stadt der Künste! Die zeitgenössische bildende Kunst sucht mit der alten Schritt zu halten. Hochschule, Museen, Galerien, Künstlergruppen und -verbände locken jährlich Neugierige hinzu, während andere abwandern. Viele der Maler, Grafiker, Bildhauer aber bleiben, weil sie sich hergehörig fühlen und das kulturelle Leben der Stadt seit Jahrzehnten mit prägen.

Aufträge, Ankäufe, Ateliergespräche, Ausstellungen und Publikationen sollen gemeinhin für Popularität und Lebensunterhalt eines Künstlers sorgen. In der Praxis aber ist, gerade in einem Ballungsraum wie Dresden, die Sorge um den Lebensunterhalt neben der eigentlichen künstlerischen Arbeit oft ein mühseliger Balanceakt. Der Kunstmarkt folgt eigenen, nicht immer logischen Gesetzen. In vielen Ateliers stapeln sich Werke, die noch nie öffentlich gezeigt werden konnten.

Der regionale Künstlerbund Dresden im Landesverbandes Bildende Kunst Sachsen e.V., der sich als Interessenvertreter der bildenden Künstler im Freistaat versteht, hat an die 250 eingetragene Mitglieder, die das 60. Lebensjahr überschritten haben - so viele wie keine andere Regionalgruppe Deutschlands. Darüberhinaus schaffen vermutlich ebenso viele noch im Verborgenen, ohne einer Gruppe oder Vereinigung anzugehören. Alle aber, die im und für den Großraum Dresden wichtige Werke geschaffen haben, sollten im kulturellen Gedächtnis der Stadt erhalten bleiben.

Dafür die Voraussetzungen zu schaffen, bemüht sich innerhalb des Landesverbandes nun eine Arbeitsgruppe "Künstlerische Vor- und Nachlässe". Eine erste Fragebogenaktion im Mai dieses Jahres sprach wohl zu viele Problempunkte auf einen Streich an - mit dem Erfolg, dass sie kaum Resonanz fand. Ein weitaus freudigeres Echo erhielten hingegen auf Anhieb die daraufhin 250 persönlich adressierten und versandten Briefe, Telefonate und Begegnungen, die nun täglich durch weiter hinzu ermittelte Kontakte mit Künstlerkollegen auch außerhalb größerer Organisationen ergänzt werden. Alle professionellen Künstler sind herzlich zur Mitarbeit eingeladen, auf den erhaltenen Brief zu antworten oder, sofern sie noch nicht angeschrieben wurden, sich mit ihren Kontaktdaten wie Telefonnummer, Adresse oder Mailadresse an die Arbeitsgruppe zu wenden, ebenso wie mit denen noch nicht erfasster Künstlerfreunde und Kollegen, die das 60. Lebensjahr überschritten haben.

Die ehrenamtlich agierenden Arbeitsgruppe möchte allen noch tätigen oder bereits in den Ruhestand getretenen bildenden Künstlern signalisieren, dass die individuelle Arbeit jedes Einzelnen als wichtig erachtet und sie so auch wahrgenommen werden soll. Die Arbeitsgruppe möchte erfahren, wie es auch den älteren Kollegen ergeht, die nicht mehr regelmäßig an Treffen, Ausstellungseröffnungen und ähnlichem teilnehmen können. Haben sie in den letzten Jahren Werke geschaffen, die sie der Öffentlichkeit gern zeigen würden?

Ein erstes Hauptziel ist die Schaffung einer Datenbank zur Erfassung der Stammdaten der 60-, 70-, 80-jährigen bildenden Künstler ab Jahrgang 1953 und älter, die im Großraum Dresden professionell künstlerisch tätig sind oder waren. Auch Ehepartner, Kinder, Galeristen, Museen oder andere als Nachlassverwalter vorgesehene Ansprechpartner sollten intern namentlich und wenigstens mit Telefonnummer oder Mail-Adresse benannt werden. Weiterhin sollen Hauptwerke oder Werkgruppen mit Bild, Kurzbeschreibung und Standort erfasst, in öffentlichem Besitz befindliche Arbeiten, wichtige Ausstellungen, Publikationen, Kataloge und ähnliches abrufbar gemacht werden. Auf diesem Weg soll für zukünftige Forschungs-, Ausstellungs- und unter Umständen auch Ankaufsinteressenten eine übersichtliche, unkomplizierte Informationsquelle zur sächsischen Kunst der Nachkriegsgeneration geschaffen werden, die gesamtdeutschen beziehungsweise internationalen Standards entspricht.

Die Regionalverbände des Landesverbands Sachsen arbeiten eng zusammen und werten Erfahrungen anderer Verbände aus. So wird als ein weiteres Teilziel die Schaffung einer Nachlassinstitution erörtert, in welcher im Bedarfsfall künstlerische Nachlässe oder Teilnachlässe aufgenommen und für weitere, auch eigene, Forschungs- und Ausstellungsprojekte zur Verfügung gestellt werden können. Der Künstlerbund Leipzig beispielsweise hat mit zwei ersten Ausstellungen aus bereits übernommenen Nachlässen auf die Situation reagiert und ein positives Echo erfahren. Auch Dresden hat mittlerweile von vielen Künstlern, Galerien, Institutionen, wie der Sächsischen Landesstelle für Museumswesen, dem Neuen Sächsischen Kunstverein, der Kulturstiftung Oberlausitz und anderer, Unterstützung zugesagt bekommen. Allein der Umfang des Materials sprengt die Kapazitäten aller bestehenden Institutionen.

Gegenwärtig wird an einem Finanzierungskonzept sowie an den juristischen Grundlagen für das Projekt gearbeitet. Jede Art von Meinungsäußerung, Zuarbeit und Unterstützung sind willkommen und ausdrücklich erwünscht.

iKontakt: AG Künstlerische Vor- und Nachlässe c/o Landesverband BK, Geschäftsstelle, Pulsnitzer Str.6,, 01099 Dresden, Tel.: Tel.: 0351- 5635 742 Mail: kontakt@ lbk-sachsen.de oder: dr.joerdislademann@hotmail.de

bis 7.12.: KUNSTDEPOT - 2: Rosemarie Kaufmann-Heinze (1948-1998), Malerei & Grafik. Im 4D, Projektort des BBKL e.V., Tapetenwerk Leipzig, Lützner Straße 91, geöffnet Mi-Sa 14-18 Uhr

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 04.12.2013

Jördis Lademann

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