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Dresden im Herzen - zum 80. Geburtstag von Dieter Hoffmann

Dresden im Herzen - zum 80. Geburtstag von Dieter Hoffmann

Er ist früh weggegangen aus dem von Kriegswunden gezeichneten Elbflorenz, hat die Stadt aber immer in Herz und Kopf behalten - auch als er sie zwischen 1957 und 1974 als "Republikflüchtiger" nicht besuchen durfte.

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Dieter Hoffmann, gezeichnet von Hubertus Giebe, 2005. Repro: Signum-Sommerheft 2009

Quelle: aus buch Signum

Was ihn begleitet hat über all die Jahre, war sein geistig-kultureller Ort Dresden, wie er ihn sich als junger Mann angeeignet, ihn erlebt hatte. Als die Kontakte sich später nicht mehr nur auf vorrangig Schriftliches beschränken mussten, erfuhr das in Herz und Geist Bewahrte mittels Anschauung Bestätigung, Erneuerung und Erweiterung. Jüngere wie die Autorin lernten Dieter Hoffmann, der heute seinen 80. Geburtstag begeht, seit den frühen 1990er Jahren als eloquenten und kenntnisreichen Redner und Schreiber über Künstler kennen, erfuhren aber auch von seinem literarischen Schaffen. Denn "von Natur aus" ist der zu Ehrende Dichter. Als solcher hat er schon sehr früh begonnen, mit dem 1953 im Eigenverlag - man stelle sich dazu die aufgeheizte Situation in jenem Jahr in der jungen DDR vor - herausgegebenen Lyrikband "Aufzücke deine Sternenhände". Da war er 19 und voller jugendlichen Überschwangs.

Allerdings war da noch mehr. Denn der junge Mann hatte schon als Vierzehn-/Fünfzehnjähriger Zugang zu Eleonore Hofmann, Witwe des Jugendstilmalers Ludwig von Hofmann, gefunden, die ihm Literaten wie Stefan George, Hoffmannsthal oder Rilke nahe brachte. Es sind solche "Brücken", solches Verwurzeltsein im Kultur- und Geistesleben, das Persönlichkeiten wie den Jubilar prägte. Dazu gehört auch - die Familie hatte es nach den Bombennächten vom 13./14. Februar 1945 nach Weixdorf verschlagen - die Aneignung der Dresden nahen Kulturlandschaft, zunächst um das Hermsdorfer Schloss und das Seifersdorfer Tal. Diese Orte - auch Pillnitz, Moritzburg und Radebeul durchstreifte er - spiegeln sich auf die eine oder andere Weise in seiner Lyrik, unter anderem in Bänden wie "Gedichte aus der Augustäischen DDR" (1977) oder "Gedichte aus der DDR selig" (1999), aber eben nicht nur da, sondern auch in früheren wie "Eros im Steinlaub" (1961).

Ebenso bezog Dieter Hoffmann früh Impulse aus der Bekanntschaft mit Malern wie Helmut Schmidt-Kirstein, dem sein erstes Malerbuch unter dem Titel "Mohnwahn" (1956) galt, und zu dem dieser Grafiken beisteuerte, aber auch Hans Jüchser oder Ernst Hassebrauk, dessen Werk andauernde Zuneigung gilt und dem er eine seiner Künstlermonografien (1981) widmete. Andere, über Helmut Schmidt-Kirstein, Ferdinand Dorsch oder den Wuppertaler Eugen Batz (1984), folgten. Kaum zu überblicken ist, was aus des Jubilars Feder an Beiträgen in Katalogen, als Reden zu Ausstellungseröffnungen - so 1994 im Albertinum zu "Erhart Kästner - Bibliothekar, Schriftsteller, Sammler" - oder als Artikel an die Öffentlichkeit gelangte. Letzteres begann 1951/52 in der Union, Vorläufer der DNN, wo er einige Jahre Redakteur war. Später folgten die Esslinger Zeitung, Christ und Welt, die Frankfurter Neue Presse, bei der er als Redakteur und Kunstkritiker wirkte, ab 1979 eine freie Mitarbeit für die Frankfurter Allgemeine Zeitung, wo er mit dem Pseudonym Anton Thormüller unterschrieb, das man auch hier kennt. Häufiger schrieb er bald über Dresdner, aber auch Leipziger Künstler, zumal seit Ende der 1970er Jahre im westlichen Teil Deutschlands ein sichtbares Interesse an Kunst aus der DDR zu verzeichnen war. Und nach 1989 konnte man den Kunstkritiker ebenso vor Ort öfter lesen - in der Sächsischen Zeitung und in den DNN.

Nicht unerwähnt bleiben soll, dass Dieter Hoffmann seit 1977 der damals noch in Ravensburg ansässigen Galerie Döbele zum Ratgeber wurde, die ihn ab heute denn in einer Ausstellung mit Werken seiner Künstlerfreunde würdigt. Die Namensliste reicht von Horst Antes und Max Ackermann - zu diesem war er schon 1957, im Jahr seines Weggangs aus der DDR, auf Vermittlung Ursula Barings gereist -, über Eugen Batz und Jürgen Brodwolf zu Hubertus Giebe, mit dem ihn bis auf den Tag Freundschaft verbindet, Ernst Hassebrauk, Ulrich Lindner, in dessen verwunschenem Garten er oft gesessen hat, Reinhard Minkewitz, Volker Stelzmann, Hermann Teuber, Paul Wilhelm, Werner Wittig und vielen anderen aus Ost und West. Manche hatten ihren Platz zudem in von ihm seit 1986 mit kuratierten Ausstellungen. Erinnert sei an "Kunst aus Dresden nach 1945, Arbeiten auf Papier" (1986 in Frankfurt/Main), ebenso an das Mitwirken an der Schau "Inspiration Moritzburg" (2001). Auf eine Idee von ihm geht zudem aktuell "Von Annemone bis Zinnie - die Sprache der Blumen. Dresdner Malerei des 20. Jahrhunderts" im Pillnitzer Neuen Palais zurück (bis 2. November).

Es ist ein reiches, in einem kurzen Zeitungsartikel kaum zu fassendes Leben und Schaffen, das zu bedenken ist. Man müsste noch von fruchtbaren Beziehungen zu Dichterfreunden, etwa Wulf Kirsten, oder einer Persönlichkeit wie Eckart Klessmann erzählen, auch von der Rolle als Lektor und Herausgeber. Zu schreiben ist zudem von Würdigungen: Deren Bogen spannt sich von einem frühen Stipendium in der Villa Massimo (1963), das ihm in besonders glücklicher Erinnerung sein dürfte, weil er dort seine spätere Frau Ilka von Trümpling kennenlernte, über die Wahl zum Ordentlichen Mitglied der Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz 1969, deren Vizepräsident er von 1974 bis 1981 war, bis hin zum Förderpreis des Andreas-Gryphius-Preises. Diesen erhielt er 1968 zusammen mit Oskar Pastior. 2001 folgten der nach Dresden gestiftete Arras-Preis sowie die Wilhelm-Heinse-Medaille der Mainzer Akademie. Letztere wurde nur 20 Mal vergeben, unter anderen an Susan Sontag, Octavio Paz, Werner Haftmann und Eduard Beaucamp. Erinnert sei zudem an einige Ausstellungen zu seinen Ehren: "Dieter Hoffmann und seine Künstlerfreunde", 1984 im Klingspor-Museum Offenbach, "Dieter Hoffmann - Dichter und Kunstfreund", 1994 in der Sächsischen Landesbibliothek, "Das Wort liebt Bilder. Dieter Hoffmann - Arbeit mit Künstlern und Pressen 1955 - 2005", 2005 im Buchmuseum der Deutschen Bücherei Leipzig, danach in der Deutschen Bibliothek Frankfurt/Main. Ein Geburtstagsgeschenk wird dem Dichter und Kunstfreund in noch wenigen Wochen zuteil werden: Der Band "Trauerweidengepeitscht. Spaziergänge durch die Dresdner Kunst des 20. Jahrhunderts" mit seinen Texten, herausgegeben von Dieter Hoefer und Gisbert Porstmann im Verlag der Kunst. Darüber wird noch zu berichten sein.

Ausstellung zum 80. Geburtstag Dieter Hoffmanns in der Galerie Döbele: bis 6. September, Mi-Sa 12-14 Uhr, Eröffnung heute 14 Uhr

Buchpräsentation: 15. September, 19 Uhr, Dresdner Volksbank Raiffeisenbank, Villa Eschebach

www.galerie-doebele.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 02.08.2014

Lisa Werner-Art

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