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Dresden Resident Sergye Poteryaev in der Alten Feuerwache Loschwitz

Fotografie Dresden Resident Sergye Poteryaev in der Alten Feuerwache Loschwitz

Nils Hilkenbach, Kurator der jetzigen Ausstellung in der Alten Feuerwache Loschwitz, betont den internationalen Charakter seines Projektes, das vor zwei Jahren in ihm Gestalt annahm, als er den russischen Fotografen Sergey Poteryaev kennenlernte. Die Alte Feuerwache stellte für den Künstleraustausch ihre Galerie und die Künstlerwohnung zur Verfügung.

Sergey Potaryaev Aufnahme von einem Flüchtlingscamp in Dresden

Quelle: Alte Feuerwache Loschwitz

Dresden. Nils Hilkenbach, Kurator der jetzigen Fotografie-Ausstellung in der Alten Feuerwache Loschwitz, betont den internationalen Charakter seines Projektes, das vor zwei Jahren in ihm Gestalt annahm, als er den russischen Fotografen Sergey Poteryaev auf einer Reise kennenlernte. Der aus Jekaterinburg stammende Künstler (geb. 1988 ebenda) hat 2010 an einer Universität im Ural seine fotografisch-künstlerische Ausbildung erhalten und arbeitet seitdem als freier Fotograf in verschiedenen Projekten und eigenen fotografischen Serien. Der Künstler ist bereits über die Grenzen Russlands hinaus bekannt und seit drei Monaten Resident der Stiftung Osterberg für Kunst und Kultur in Dresden, die der Unternehmer und Fotograf Andreas Funken ins Leben gerufen hat. Poteryaev ist der erste Stipendiat der Stiftung. In den nächsten Jahren sind weitere geplant. Ziel ist es, ausländische Künstler anzuziehen und am kulturellen Leben Dresdens teilnehmen zu lassen. Die Alte Feuerwache Loschwitz stellte für den Künstleraustausch ihre Galerie und die Künstlerwohnung zur Verfügung.

Die jetzige Ausstellung von Poteryaev vereint zehn groß-und kleinformatige, farbige, leicht bearbeitete Digitalfotografien unter dem Titel „Insight“. Der Fotokünstler gibt mit einer Auswahl einen taufrischen Einblick in seine Arbeit als Dresden-Resident zum Thema „Geflüchtete“ und ihr Leben hierzulande. Ziel war es, „authentische Eindrücke zu sammeln, ein tiefgründiges Verständnis zu entwickeln für die gesellschaftlichen und strukturellen Veränderungen, die mit der Flüchtlingswelle einhergehen“ (N.H.) Plakative und stereotypische Darstellunsgweisen werden umgangen: Neben dem großen dokumentarischen Wert der aus Serien stammenden Arbeiten geht es Poteryaev um eine eigene Bildästhetik, indem er „ästhetische und kompositorische Zusammenhänge schafft“. Das bedeutet, urbane Kultur, Natur und das eng begrenzte Lagerleben der Geflüchteten augenscheinlich zu machen und für die Lage der dort lebenden Menschen zu sensibilisieren, ohne Klischeés und Schönfärbereien ein eher sachliches Gesamtbild für den Betrachter herüberzubringen. Neben Zelten, die eng an den natürlichen Wildwuchs der städtischen Vegetation angrenzen oder ein großes Lagertor mit seiner kalten Ausstrahlung und den Überwachungskameras fallen vor allem Fokussierungen auf, die das natürliche Umfeld (ein zaghaft blühender Baum) ebenso integrieren wie die Kuben der „Lagerhallen“ in ihrem schlichten, sterilen Aluminiumgrau. Die „harte Architektur“ erfährt damit ein Zurücknahme und erhält in Poteryaevs Fotografie einen eigenen ästhetischen Wert, erzählt etwas über die hochentwickelte Industriekultur, die den in Russland lebenden Künstler fasziniert.

Mit mehreren Geflüchteten war Poteryaev im Sächsischen Elbsandsteingebirge auf Wanderung durch die bizarre Bergwelt unterwegs und machte dort einige Aufnahmen von ihnen, entweder auf einem Felsplateau, beim Betrachten eines Kiefernzweiges oder liegend in einer Boofe. Angesichts der Landschaft mit ihrer Dauer ist das Menschenleben etwas Vorübergehendes. Und angesichts des menschlichen Daseins gleicht der Status, ein Flüchtling zu sein, ebenfalls einer Episode. Nils Hilkenbach sinnt im zur Ausstellung erschienenen Katalog darüber nach und zitiert eine schwedische Design-Gruppe: „Beeing a refugee is a temporary status, beeing a human is permanent“.

Sergey Poteryaev arbeitet außerdem als Kurator in einem Fotografie-Museum in Jekaterinburg. Wenn er nach Russland zurückgekehrt ist, wird eine Ausstellung mit Dresdner Positionen, die Sergey Poteryaev während seines Aufenthaltes kennenlernen durfte, dort realisiert werden. Das deutsche Generalkonsulat in Jekaterinburg unterstützt dabei seine Arbeit auf ungewöhnlich aufgeschlossene Weise. So werden der bevorstehende Abschluss seines Residentenaufenthaltes und sein Abschied von Dresden auch ein Anfang sein. Bilder sind eine Sprache und dienen der Verständigung zwischen Menschen und Kulturen. Dabei gilt es historische und aktuelle Zusammenhänge und Ähnlichkeiten beider Kulturen verstärkt ins Auge zu fassen und die Synergien eines deutsch-russischen Kulturaustausches für kommende Projekte zugunsten von russischen und deutschen Künstlern zu nutzen.

Bis 10. Juli. Alte Feuerwache Loschwitz, Fidelio-F.-Finke-Straße 4, 01326 Dresden. Kontakt: 0351/ 267 86 26, www.feuerwache-loschwitz.de geöffnet: So-Do 12- 18 Uhr.

Von Heinz Weißflog

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