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Drei junge Künstler arbeiten im Senatssaal der Dresdner Kunsthochschule ganz eng beieinander

Drei junge Künstler arbeiten im Senatssaal der Dresdner Kunsthochschule ganz eng beieinander

Der Tunnel ist kurz, kaum vier Meter lang, eine Sackgasse aus Hartfaserplatten. Wer hineingeht, erkennt schmale Schlitze in Augenhöhe: rechts, links, auch an der Schmalseite voraus.

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Durch den Sehschlitz ist Masahiro Suzuki zu beobachten, wie er Farbe auf den Pinsel nimmt.

Quelle: Dietrich Flechtner

Der Blick dort hindurch fällt auf eine normal anmutende Atelierszene: drei Künstler, die an verschiedenen Arbeiten sitzen. Doch ganz so gewöhnlich ist die Szene nicht.

Die drei jungen Männer haben den Raum quasi okkupiert. Dieser Raum ist nicht irgendeiner, es ist der Se-natssaal der Hochschule für Bildende Künste. Regelmäßig für kleine Aus-stellungen der Studenten genutzt, hat er aber außerhalb der Hochschule bislang nur wenig Bekanntheit er-langt.

Auch wenn das diesmal kaum anders sein wird, bleibt das noch bis Sonntag dauernde Projekt "Echtzeitmalerei" des jungen Trios bemerkenswert. Jonathan Kraus, Jan Kunze und Masahiro Suzuki haben sich nämlich förmlich, also räumlich, eingekapselt. Seit der Vernissage am 24. Januar ist der Saal von ihnen zum Dauerarbeitsplatz erkoren worden. Durch die Sehschlitze können Besucher Blicke in die tatsächlich als Ausstellung bezeichnete Szenerie werfen. Was sie sehen, sind auch Porträts der Künstler selbst im geschlossenen Raum.

Die Beobachtung zeigt Kraus, Kunze und Suzuki nicht nur beim Arbeiten, sondern auch beim Entspannen unter Kopfhörern oder beim Lesen. Das Atelier wird somit gleichfalls zum psychologischen Experiment, allerdings ohne lästige Begleiterscheinungen wie beim Dschungelcamp. Was jedoch bleibt, ist die Enge, die gegenseitige Transparenz. Auch gegessen und geschlafen wird im Saal. In einer Ecke steht ein Kühlschrank, flankiert von Toastbrot in Plastetüten, anderen haltbaren Lebensmitteln, Wasserkocher und Mülleimer. Die Matratzen stehen tagsüber hochkant an den Wänden. Bei aller Abgeschlossenheit gibt es allerdings eine Ausnahme, den Raum zu verlassen: die Notdurft.

Der Senatssaal wird beim Projekt "Echtzeitmalerei" zur Bühne eines Making of. Das Entstehen von Kunst, dieser sehr spezifische, intime und fragile Vorgang, wird selbst zur Kunst, zum Gegenstand der Betrachtung. Man sieht Masahiro Suzuki mit Pinseln vor seinen Leinwänden hantieren, Jonathan Kraus, wie er ein Bild auf die Staffelei hebt, oder Jan Kunze sitzend beim Zeichnen. An den Wänden finden sich außerdem fertige Arbeiten des Trios.

Zur Finissage am Sonntagnachmittag werden mindestens zwei Fragen beantwortet: welche künstlerischen Ergebnisse das zehn Tage dauernde Eingeschlossensein zeitigt und welche Folgen das Experiment für die drei Beteiligten hat.

Dass der Senatssaal für dieses ungewöhnliche Vorhaben genutzt werden konnte, ist jedenfalls zu begrüßen. Die Hochschule muss schließlich ein Ort sein, an dem jungen Künstler Chancen eigenen Austestens gegeben werden. Wer immer den Satz "So verschmadern ,Künstler' unsere Steuergelder" an die Hartfaserwand im Tunnel schrieb, hat davon wohl keine Ahnung - oder war nicht ganz im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte.

Finissage: Sonntag 17 Uhr, Senatssaal, HfBK, Brühlsche Terrasse

www.hfbk-dresden.de .

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 01.02.2013

Torsten Klaus

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