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Drei Piano-Abende im Societaetstheater Dresden mit Nils Frahm, Bugge Wesseltoft und Bruno Bavota

Drei Piano-Abende im Societaetstheater Dresden mit Nils Frahm, Bugge Wesseltoft und Bruno Bavota

Dass in der DNN-Besprechung der famosen neuen Notwist-CD (Ausgabe vom Freitag, 21.2.) die Namen von Nils Frahm und Volker Bertelmann alias Hauschka fehlten, hatte seine Bewandtnis.

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Der Italiener Bruno Bavota eröffnete die Dreierkombination "Das Piano" im Societaetstheater.

Quelle: Dietrich Flechtner

Denn über sie muss und soll aus aktuellem Anlass gesprochen werden. Sehr wohl erreichen auch diese beiden mit ihrem künstlerischen Angebot seit Jahren ein internationales Publikum, arbeiten in London, Paris und Reykjavik mit angesehenen Kollegen, haben ihren Tellerrand kontinuierlich nach draußen geschoben. Nils Frahm spielte jetzt in der Mitte von drei Konzerten im Rahmen eines Tasten-Specials wieder in Dresden, von Hauschka gibt es vorerst nur eine neue CD.

Ein Versuch und eine Offenbarung

"Das Piano" hieß angemessen schlicht eine Dreierkombination aus Bruno Bavota (Italien), Nils Frahm und Bugge Wesseltoft (Norwegen), die im Societaetstheater im Januar und Februar zeitgenössisch-populäre Spielarten auf dem Instrument präsentierte. Ein thematischer Schwerpunkt, der sich aus den Dienstags-Konzerten im Hause erhob. Zum Auftakt allerdings war Bruno Bavota in der Riege dieser planbaren Qualitätsmusiker überfordert. Vergleiche zum großen Landsmann Ludovico Enaudi, die man Bavota schon zugeschrieben hat, legen eher Blei auf seine Schultern. Viel zu defensiv, fast linkisch in seinem Auftreten, bot der Italiener ein eher überschaubares stilistisches Spektrum, das sich in harmoniesüchtigem, nahezu selbsttherapeutisch dargebotenem Material am Klavier, gespickt mit simplen Loops der akustischen Gitarre, erschöpfte.

Bruno Bavota - ein Versuch. Nils Frahm aber - eine Offenbarung. Der 31-Jährige kam mit neuer (Live-)CD "Spaces" (Erased Tapes) an diesen Ort, der ihn zum wiederholten Male mit seinem ganz eigenen Ambiente und vielen freundlichen Menschen empfing. Die Säle sind woanders längst größer geworden für Frahm, auch dieser Auftritt war wochenlang zuvor schon ausverkauft. Hoffentlich hält er die Balance zwischen Gelderwerb und persönlichen Verbindungen zu Veranstaltern, die ihn förderten, noch lange durch. Ansonsten wäre es wirklich das letzte Mal gewesen, dass man diesen begnadeten Komponisten, Handwerker und Interpreten so dicht auf Pelle und Finger rücken konnte.

Frahm schafft mühelos, die Spannweite zwischen Tastenklang auf Flügel und Klavier sowie Rhodes, Synthesizer und den elektronischen Modulationen zu nehmen. Er kann ausladend schlank und balladesk spielen genauso wie perkussiv-aggressiv, er kann Jarre'sches Gedenk-Kaliber und vorzügliches Minimal. Und nicht zu vergessen: Nils Frahm ist ein Typ. Durch die ungezwungene, unverkopfte, virtuose Art gehört er zu den führenden Vertretern seiner Generation um Ólafur Arnalds oder Peter Broderick, die jüngere Menschen ihre Scheu vor der Klassik ablegen lassen. Ihre Symbiosen sind nie akademisch hier oder um Popularität heischend dort. Man spürt einfach Fundament.

Nils Frahm spielte sich von geplanten 80 Minuten rauschhaft über weit mehr als zwei Stunden, hier still und ausgemittet, dort gymnastisch zwischen den Instrumenten. Er führt Akustik und Elektronik, pur und präpariert zusammen, als würden sie zusammengehören. Einfach groß sind die Momente, wo er beide rangeln lässt. Als Frahm kurz in den Korpus des Flügels eintauchte, sagte er, dass er jetzt mal "den Hauschka" mache. Meint: Der 17 Jahre ältere Kollege, ein Meister des wohlpräparierten Klaviers, ist präsent.

Zwischen klassischem Jazz und elektronischem Experiment

Zwei formidable Konzerte hat Volker Bertelmann, der sich Hauschka nennt, bereits in Dresden gespielt, ein weiteres steht zunächst noch aus. Bis dahin erscheint Mitte März die neue CD. "Abandoned City" (City Slang) ist riesig geworden, ein vor allem rhythmisch extrem angreifendes Neun-Stück-Werk, auf dem Hauschka puristische Akkordfolgen mit verfremdeten Collagen aus dem Innenleben seines Instruments vereint. Die Beigaben sind Holz, Filz, Knete, Tape, Werkzeug, Tischtennisbälle, Kinderschlagzeug. Achtung, Hochspannungsleitung!

Eine Leitung dieser Art legte am Sonntag der Norweger Bugge Wesseltoft in den "Moon River" des Societaetstheaters. Seiner bislang letzten Themen-CD folgend, eröffnete der 50-Jährige mit einem dreiviertelstündigen Akustik-Set am Flügel, in dem er zutiefst lyrisch jene "Songs" des klassischen Jazzkatalogs adaptierte, die er als Kind von seinem Jazzgitarre spielenden Vater gehört und sich früh an ihnen versucht hatte. J.J. Johnson, Ella Fitzgerald waren dabei, Coltranes "Giant Steps", "How High The Moon" und eben Mancinis "Moon River" - alles keine Bauernfängerei. Wesseltoft ist ein weicher Anschläger, ein Sucher an den Tasten, ein Versunkener, kein Fingerakrobat. Das vom Alter her offensiv durchmischte Publikum im wieder ausverkauften Saal repräsentierte genau den Ruf des Künstlers. Die Älteren haben ihn als der Jazzer erkannt, als der er sich im ersten Teil gab, die Jüngeren erhofften sich elektronische Experimente aus seinem, wie er sagte, "Laptop-Jazz".

Der zweite, längere (!) Teil des Abends gehörte also Wesseltofts indirekter Hommage an John Cage, als er an- fangs noch einzelne stehende Töne des Flügels in seine elektronischen Gerätschaften einspeiste, modulierte und manipulierte, sie mit kratzigen Beats pulverisierte und wieder neu zusammensetzte. Das zentrale Stück des E-Sets kam ganz ohne Klavier aus. Wesseltoft stand am Pult wie ein DJ, schob Regler, drehte Effekte, "touchpaddelte" Schleifen. Mit einigen vorzüglichen Einfällen. Immerhin erprobt er sich auf diesem Gebiet auch schon wieder fast 20 Jahre. Und: Er kennt keine Scheu, versklavt sich nicht, um zu gefallen.

Last but not least: Nils Frahm hatte überraschenderweise mit Sven Kacirek einen Kollegen im Vorprogramm präsentiert, der vom Stand weg Lust auf ein Einzel machte. Der experimentelle Hamburger arbeitet als Zauberlehrling mit Marimba und präparierter Salatschüssel, gestrichenen Beats und Live-Sampler oder setzt Steve Reich auf einen Stuhl. Kacirek, ein Klang-Designer - Ina Conradi vom Societaetstheater, übernehmen Sie!

Hauschka live: 6. April, Schauspiel Leipzig

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 25.02.2014

Andreas Körner

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