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"Dracula" verführt als Musical mit Biss auf der Felsenbühne Rathen

"Dracula" verführt als Musical mit Biss auf der Felsenbühne Rathen

"Nosferatu, Nosferatu..." zischt es geheimnisvoll durch den Wehlgrund. Gemeint ist die Sagenfigur Graf Dracula, der - so sagt die Legende - schönen jungen Damen nach Sonnenuntergang mittels verführerischem Halsbiss zu ewigem Vampirleben verhilft.

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Inszenierung mit Blut und Köpfchen: "Dracula" in der Felsenbühne mit Christian Venzke in der Titelrolle und Antje Kahn als Mina, in die sich der Untote sozusagen unsterblich verliebt.

Quelle: Robert Jentzsch

Der Mythos vom zwielichtigen Blutsauger erhebt sich mit "Dracula - das Musical" nun auch vor der fledermausumschwärmten Naturkulisse der Felsenbühne Rathen aus dem Sarg.

Im Jahr 2011 gehörten die Landesbühnen Sachsen zu den ersten Theatern, die das Musical mit Musik von Frank Wildhorn (Uraufführung 2001 in Kalifornien) in Deutschland inszenierten. Libretto und Liedtexte stammen von Christopher Hampton und Don Black. Die Geschichte basiert auf einem Roman Bram Stokers, der in seinem "Dracula" (1897) - schon lange bevor "Vampires-Diaries" oder die "Twilight-Trilogie" durch die Bestsellerlisten säuselten - das geballte Vampirwissen der Welt zusammenfasste.

Regisseur Horst O. Kupich hat seine Landesbühnen-Inszenierung von 2011 nun wirkungsvoll auf die Freilichtbühne in Rathen übersetzt. Mit echter Pferdekutsche, warmem Fackelschein und bunter Videoprojektion an den Felswänden spukt Dracula hier knapp zweieinhalb Stunden lang vor imposanter Naturkulisse, ohne dass es eine Sekunde langweilig würde. Wie schon 2011 spielt Christian Venzke den blutsaugenden Gruselgrafen als zwielichtiges Verführungsmonster mit menschlichen Zügen. Objekt seiner Begierde ist neben dem Blut diverser Gutbürger die junge Mina, in die er sich unsterblich verliebt.

Doch Mina ist schon an den Londoner Anwalt Jonathan Harker (Kay Frenzel) vergeben und so gar nicht begeistert, dass Dracula auch ihre beste Freundin Lucy (Judith Hoffmann) dahinrafft, die sich ihm schnell, schrill, schmachtend ergibt. Lucys tragisches Ende ruft wiederum den Arzt und Vampirjäger van Helsing auf den Plan. Michael König nimmt sich in dieser Figur mit Schlapphut und Ledermantel energisch der Suche nach Dracula an und führt die klischeebehaftet mit Knoblauch, Kruzifix und Spiegel bepackte Gesellschaft, kraftvoll Lieder schmetternd, in den Vampir-Kampf.

Der scheint auch dank der irren telepathischen Verbindung des verrückten Renfield zum Blutsauger schon halb gewonnen. Wild zappelnd und wirr faselnd gelingt es Andreas Petzoldt, diese Randfigur eindrucksvoll ins Rampenlicht zu rücken. Umschwirrt von einem flatterhaften Fledermausballett (Choreografie: Bärbel Stenzenberger) kämpft die bürgerliche Vernunft also gegen die animalische Leidenschaft des Dracula, dem es mehr und mehr gelingt, die junge Mina zu becircen.

Antje Kahn wirkt in dieser Rolle anfangs fast zerbrechlich, entwickelt die Figur aber im Laufe des Abends zu einer entschlossenen jungen Frau, hin- und hergerissen zwischen der Treue zu ihrem Verlobten und der vampirischen Verführungskraft. Ihre klare weiche Stimme überzeugt am Premierenabend gesanglich am stärksten. Doch auch Venzke zeigt große Wandelbarkeit, wenn er als Vampir zunächst noch furchteinflößend durch den Wehlgrund donnert, bevor er im Liebesduett mit Kahn deutlich weichere Klangfarben bedient. Das Zusammentreffen der beiden im zweiten Akt endet geradezu in knisternder Erotik. Dracula ist hier nicht mehr länger das gefürchtete Monster, sondern erscheint vielmehr als ein unwillkommener Eindringling in die strengen Sitten der Zeit. So werden die Duette von Kahn und Venzke zu herrlich dramatischen Musicalhöhepunkten.

Doch auch sonst gelingt es dem Ensemble und der Elbland Philharmonie Sachsen, die Tücken der Freiluftakustik gut zu umspielen, sodass die Melodien nahezu ohne Verluste beim Premierenpublikum ankommen. In der zweiten Halbzeit ist denn auch die nötige Düsternis vorhanden, um dem schaurigen Spektakel die passende Atmosphäre zu verleihen. Nun kommt die Videoprojektion an der Felswand erst richtig zur Geltung. Sie simuliert abwechselnd Zugfahrten oder lässt Fledermäuse über die Felsen huschen. Für das Naturtheater haben Paul Bauer und Stefan Wiel einige flexible Elemente zu einem pfiffigen Bühnenbild kombiniert: Ein großer muschelförmiger Schirm auf der oberen Ebene funktioniert als Vampirthron oder Projektionsfläche. Zwei Türme in Steinoptik lassen sich unten je nach Bedarf zu Zugabteilen, Hotelzimmern oder Kirchkapellen drehen und verschieben.

Kupichs bildgewaltige Inszenierung musste sich schon bei der Premiere vor eineinhalb Jahren nicht hinter den Produktionen großer Musicalhäuser verstecken. Im Schoße der Rathener Naturbühne und dank hörbar gereifter Gesangsleistungen beim überwiegend identischen Ensemble wirkt das Musical nun noch deutlich gewaltiger und eindrücklicher als 2011. Am Ende des Premierenabends sind auch die Zuschauer der mystischen Anziehungskraft dieses "Dracula" erlegen. Das sagenhafte "Nosferatu", es passt ebenso gut in den Wehlgrund wie Karl Mays Winnetou oder Aschenbrödels Haselnüsse.

nächste Aufführungen 13., 21.-23., 24. & 27. August, jeweils 20 Uhr

www.felsenbuehne-rathen.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 08.07.2013

Nicole Czerwinka

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